Lenzburg
Der drittgrösste Aargauer Bahnhof hat jetzt einen Laden mit langen Öffnungszeiten

Die SBB haben den Bahnhof Lenzburg für 1,75 Millionen Franken aufgepeppt. Damit hat eine neue Ära begonnen.

Urs Helbling und Pascal Meier
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Der Bahnhof Lenzburg ist jetzt stärker auf die Bedürfnisse der Bahnkunden ausgerichtet.pascal meier

Der Bahnhof Lenzburg ist jetzt stärker auf die Bedürfnisse der Bahnkunden ausgerichtet.pascal meier

Pascal Meier

Es gab Zeiten, da rühmte sich Lenzburg seines kleinen Bahnhofbuffets. Tempi passati. In der «Buvette» wurde der Bierhahn Ende Februar abgestellt. Seit letzter Woche hat es an ihrer Stelle einen Migrolino. Und damit begann für die Stadt eine neue Ära. Sie hat an ihrem Bahnhof nun auch einen Laden, in dem die wichtigsten Produkte des täglichen Bedarfs, vor allem Convenience-Food, bis weit in den Abend hinein gekauft werden können. Der Migrolino ist an 365 Tagen geöffnet. Von 6 bis 22 Uhr (an Sonntagen ab 7 Uhr). Das Geschäft hat eine Standardgrösse von 120 Quadratmetern und wird von acht Angestellten betrieben. Eine Spur «Buvette» ist erhalten geblieben. Vor dem Migrolino stehen sieben Tische und Stühle.

Die SBB haben den Bahnhof Lenzburg für 1,75 Millionen Franken aufgepeppt. Es ist ein Lifting auf Zeit: Denn das Bahnhofgebäude wird in nicht allzu ferner Zukunft abgebrochen und neu gebaut.

Neben dem Migrolino gabs einen «Bretzelkönig» und ein neues SBB-Reisezentrum. Die ehemalige Schalterhalle ist nicht mehr wiederzuerkennen: Verschwunden sind etwa die Glasscheiben, die die Kunden und die Bahnangestellten trennten. Bereits im Juni konnte das neue Bushof-Provisorium («Kante B») auf dem Bahnhofplatz eingeweiht werden. Es kostete 380 000 Franken.

Den Stadtammann freuts

«Der Bahnhof war lange Zeit ein Unort, an dem man sich nicht gerne aufgehalten hat», erklärt Lenzburgs Stadtammann Daniel Mosimann. «Das Facelifting, beginnend mit dem Bahnhofplatz bis hin zum Migrolino, hat sich gelohnt. Es sieht jetzt anmächeliger aus. Es ist einem wohler als vorher.»

Der Bahnhof Lenzburg ist frequenzmässig der drittgrösste im Kanton Aargau. Das zeigen die Zahlen, die die SBB neuerdings ins Internet stellen. Einen ersten grossen Wachstumsschub erlebte er in den Siebzigerjahren, als die Heitersberg-Linie eröffnet wurde (1975). Im Dezember 2010 wurde das dritte Gleis Lenzburg–Gexi in Betrieb genommen. Nicht zuletzt wegen des grossen Baubooms, den die Region Lenzburg zurzeit erlebt, wird ein weiteres markantes Wachstum des Verkehrsaufkommens erwartet. Der neue Bahnhof soll für 40 000 Ein- und Aussteiger pro Tag dimensioniert werden.

Alle rüsten auf

Wie reagiert die Konkurrenz auf den neuen Migrolino? Die Mitbewerber rund um den Bahnhof dürften den Laden mit seinen langen Öffnungszeiten im Portemonnaie spüren. Nur wenige hundert Meter vom Bahnhof entfernt liegt etwa die Traditionsbäckerei Büchli. «Wir hoffen, dass wir aneinander vorbeikommen», sagt Stephan Büchli. «Bis jetzt spüren wir nichts, für eine erste Bilanz ist es jedoch noch zu früh.» Der Migrolino sei zudem nicht das Einzige, was sich in den vergangenen Monaten rund um den Lenzburger Bahnhof verändert habe. Die Seenger Bäckerei Studler etwa hat an der Bahnhofstrasse das «Local» eröffnet. Und jetzt gibt es neu den «Bretzelkönig».

Aufgerüstet hat auch die Coop-Filiale unweit des Bahnhofes: Der Coop ist seit Frühling auch am Samstag bis 20 Uhr geöffnet – dies laut Coop-Mediensprecher Patrick Häfliger «als zusätzlicher Service für die Kundschaft, die längere Öffnungszeiten schätzt». Zudem hat Coop vor knapp einem Monat in der Lenzburger Filiale im Zuge einer Modernisierung eine Hausbäckerei eingerichtet. Eine Reaktion auf die neue Migrolino-Konkurrenz? Nein, heisst es bei Coop: «Mit Hausbäckereien können wir dem Wunsch der Kundschaft nach frischen Backwaren und Patisserie noch mehr Rechnung tragen, dies unabhängig von anderen Anbietern», sagt Sprecher Patrick Häfliger.

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