Bezirksgericht Lenzburg
«Wir kommen immer an unser Geld»: Streit auf Baustelle eskaliert – nun landet ein Rentner aus Deutschland vor Gericht

Eine Baustelle, ein Hausschlüssel und viele böse Worte führen einen 72-jährigen Griechen in Lenzburg vor Gericht. Vorgeworfen werden ihm und einem Albaner versuchte Nötigung und Drohung.

Larissa Gassmann
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Wegen nicht zufriedenstellender Malerarbeiten eskalierte 2017 ein Streit auf einer Baustelle (Symbolbild).

Wegen nicht zufriedenstellender Malerarbeiten eskalierte 2017 ein Streit auf einer Baustelle (Symbolbild).

Boris Bürgisser

«Ich bin 72 Jahre alt. Ich habe niemals jemanden bedroht», sagt der in Deutschland wohnhafte Grieche Costas (alle Namen geändert), als er vor dem Bezirksgericht Lenzburg steht. Er könne so etwas überhaupt nicht tun, «das ist nicht meine Art». Anders aber sehen das Deniz und Melek. Für das Paar steht am Anfang des Albtraums der Traum vom Eigenheim. Für Maler- und Gipserarbeiten wandten sich die beiden dabei an Costas. Der frühpensionierte Rentner, der sich selbst bloss in der Rolle des Vermittlers sieht und damit «ein klein wenig» verdient, engagierte daraufhin unter anderem Arjan.

Das Problem? Bei Arjan habe es sich nicht um einen Maler, sondern um einen Gärtner gehandelt, so Melek. Dadurch seien die Arbeiten mangelhaft gewesen, wie Deniz 2017 feststellen musste. Deswegen sei es bei einem Baustellenbesuch, an dem neben Deniz auch Costas, Arjan und sein Onkel Kushtrim anwesend waren, zu Streitigkeiten gekommen. Anlass dafür war der Restbetrag von 3000 Franken. «Den wollte Deniz nicht bezahlen», sagt Costas.

Beim Verlassen der Baustelle verschwindet auf einmal der Hausschlüssel

So habe der nicht vor Gericht erschienene Deniz mitgeteilt, er werde das Geld behalten, bis die Mängel behoben sind. Denn: «Wer einen Auftrag bekommt, der soll diesen auch ordnungsgemäss ausführen», so die damals nicht anwesende Melek. Von Seiten Arjans fielen daraufhin die Worte, Deniz solle den Betrag sofort übergeben, sonst passiert was. Sie seien Albaner und würden immer an ihr Geld kommen.

Auf die Frage von Gerichtspräsidentin Eva Lüscher, ob Arjan aufgebracht gewesen sei, antwortet Costas, er denke schon: «Das ist ja normal.» Bei den Drohungen blieb es aber nicht – als Deniz trotz allem nicht bezahlte, wurde beim Verlassen der Baustelle unbemerkt sein Hausschlüssel entwendet. Um die Sache zu klären, habe Deniz dann mit Costas telefoniert. «Er war ja der Chef», so Melek. Daraufhin habe dieser aber angefangen, «anders zu tun». So sei man via SMS «grusig» bedroht worden.

Wie Costas wiederum schildert, habe nicht er, sondern Arjan den Schlüssel gehabt. Dies habe er mitgeteilt, «ich organisiere und bringe ihn». Letztendlich war es Melek, die sich ohne Wissen von Deniz mit Costas traf, um eine Übergabe vorzunehmen. Auch dort wollte ihr der von Kushtrim begleitete Rentner den Schlüssel erst nicht geben. Er verlangte erneut Geld und habe ihr gedroht, sie solle aufpassen. Angst hatte Melek dabei vor allem um Deniz.

Aus Angst betrat sie die Baustelle mehrere Tage nicht

Letztendlich habe man bei der Polizei Anzeige erstattet. «Ich möchte nicht, dass man so mit Menschen umgeht», sagt Melek. So habe sie die Baustelle mehrere Tage nicht betreten. Auch habe sie sich nicht getraut, alleine in der Wohnung zu sein. Dass sich all das so zugetragen hat, streitet Costas ab. Dass Melek Angst hatte, könne er nicht nachvollziehen. «Vor wem denn?», so Costas.

Sein Anwalt plädiert denn auch auf einen Freispruch. Anders sieht dies die Gerichtspräsidentin. Freigesprochen wurde Costas nur, was die versuchte Nötigung und somit den Vorfall auf der Baustelle betrifft. So seien die drohenden Äusserungen hier von Seiten Arjans gekommen, gegen den ein separates Verfahren läuft.

Schuldig gemacht habe Costas sich aber aufgrund der Drohungen am Bahnhof. Die Aussagen der Klägerin seien glaubwürdig, so Lüscher. Zu bezahlen hat Costas Verfahrenskosten in Höhe von 942 Franken, die Antragsgebühr von 800 Franken, eine Busse von 180 Franken sowie die Parteikosten. Dazu kommt eine bedingte Geldstrafe. Aus den beantragten 40 Tagessätzen zu je 30 Franken wurden dabei 25 Tagessätze, dies bei einer Probezeit von zwei Jahren.

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