Landfrauen

Landfrauen: Die Fernsehsendung brachte den Aufschwung

Flavia Gebhard (links) und Simone Gehrig möchten mehr jüngere Landfrauen im Verband.  som

Flavia Gebhard (links) und Simone Gehrig möchten mehr jüngere Landfrauen im Verband. som

Immer mehr jüngere Frauen wollen zurück zur Natur. Und ihr Ziel: «Wir wollen von diesem verstaubten Image wegkommen und jüngere Frauen anlocken.»

Eine Mehrzweckhalle voller Frauen. Viele von ihnen tragen Trachten. Sie sitzen an den langen Tischen. Überall stehen Blumen. Es gibt Zopf und Kaffee. «Kaffeetrinken gehört dazu. Aber wir machen auch viel anderes. Basteln zum Beispiel», sagt Rita Moser.

Die Bäuerin aus Oberlunkhofen mit den orange gefärbten Haaren ist eine der etwa 140 Frauen, die an diesem Morgen an die Delegiertenversammlung des Aargauer Landfrauenverbandes in Oberlunkhofen gekommen sind. Die Bäuerinnen und Frauen aus dem ländlichen Raum kommen aus über 200 Ortsvereinen.

Auffällig: Mit ihren 45 Jahren gehört Rita Moser zu den jüngeren Frauen im Saal, die Mehrheit der Verbandsmitglieder hat das Rentenalter schon erreicht: «Das hängt vielleicht mit dem Gründungsjahr der Landfrauen zusammen.»

Das Gemurmel in der Halle verstummt, Landfrauen vom Ortsverein Eggenwil kommen auf die Bühne. Aus den Lautsprechern tönt die Melodie von DJ Bobos «Chihuahua», die Landfrauen singen dazu: «Be eus isch öbis los, mer sind famos...»

Dann entscheiden die Frauen die nächsten zwei Stunden über ihre Rechnungen, Budgets, Statutenänderungen und Verbandsaktivitäten. Bei einem kurzen Blick in den Jahresbericht wird klar, hier läuft einiges: Mittelalterfeste, Ausflüge, Knigge-, Energiespar- oder Ernährungskurse sind nur einige der vielen Angebote.

Es sind Jüngere dazugekommen

«Wir wollen von diesem verstaubten Landfrauenimage wegkommen und jüngere Frauen anlocken», sagt Helen Schreiber-Bernet. Die Präsidentin des Aargauischen Landfrauenverbandes beobachtet schon die ersten Erfolge: Vor allem die Sendung des Schweizer Fernsehens «Landfrauenküche» habe dem Verband einen Aufschwung gegeben: «Den Leuten ist jetzt bewusst, dass wir uns auch für eine gute Ernährung einsetzen.

Gerade die jüngeren Frauen interessieren sich für diese Themen.» Wie viele junge Frauen in den letzten Jahren neu dazugekommen sind, kann sie nicht sagen: «Es sind einige beigetreten. Leider sterben uns aber noch immer mehr ältere Mitglieder weg.» Auch die 31-jährige Flavia Gebhard findet, dass die Bekanntheit der Landfrauen gestiegen ist: «Leider spüre ich in unserer Ortsgruppe Möriken-Wildegg-Holderbank noch nichts davon.»

Weil die Bäuerin Junge anwerben will, ist sie auch in den Vorstand der Ortsgruppe eingetreten. Eine schwierige Aufgabe: «Wir sollten mehr Kurse für ein jüngeres Publikum anbieten.» Dies sei aber erst möglich, wenn die Nachfrage auch da ist.

Geselligkeit und Tütensuppe

Auch die 31-jährige Simone Gehrig aus Ammerswil spürt die Modernisierung der Landfrauen noch nicht allzu sehr: «Vielleicht ist unsere Ortsgruppe zu wenig aktiv. Wir sollten wohl mehr Präsenz in der Öffentlichkeit zeigen.» Anders sieht es bei den Landfrauen in Gipf-Oberfrick aus, wie Ortspräsidentin Claudia Uebelmann (30) sagt: «Wir haben viele jüngere Frauen.» Die Floristin ist überzeugt, dass noch mehr kommen: «In unseren schnelllebigen Zeit haben die Leute das Bedürfnis nach Gemütlichkeit und Geselligkeit.»

Gemütlich wird es auch an der kantonalen Versammlung. Alle Vorlagen sind genehmigt, das Mittagessen kommt auf den Tisch. Eine der Frauen probiert kritisch die Spargelcrème-Suppe: «Es ist doch noch gar nicht Spargelsaison. So viel zur saisonalen und regionalen Landfrauenküche.» Ihre Kollegin lächelt: «Das sind sicher keine frischen Spargeln. Die Suppe kommt aus der Tüte.»

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