Generalversammlung

«Wir erreichen mehr Menschen als je zuvor»: AZ Medien ziehen positive Bilanz

Peter Wanner spricht zu den Aktionären und Gästen an der 169. Generalversammlung der AZ Medien.

Peter Wanner spricht zu den Aktionären und Gästen an der 169. Generalversammlung der AZ Medien.

CEO Axel Wüstmann und Verleger Peter Wanner ziehen an der Generalversammlung eine positive Bilanz und sagen, wie die AZ Medien in der digitalen Welt bestehen sollen.

Die gute Nachricht überbrachte Peter Wanner gleich zu Beginn der Generalversammlung vor über 200 Aktionären und Gästen auf Schloss Lenzburg: Das letzte Geschäftsjahr endete für die AZ Medien AG mit einem Gewinn von 2,5 Millionen Franken. Ein gutes Ergebnis angesichts eines massiven Umsatzrückgangs von knapp 11 Millionen Franken, wie Verleger Wanner sagte. Aber, so fügte er sogleich an: «Zufriedenstellen kann uns das noch nicht.»

Im Rittersaal fanden sich auch Grössen aus Politik und Wirtschaft ein – unter ihnen Landammann Stephan Attiger, der ehemalige Solothurner Regierungsrat Christian Wanner sowie mit Pascal Koradi (Aargauische Kantonalbank), Roland Herrmann (Neue Aargauer Bank) und Marianne Wildi (Hypothekarbank Lenzburg) gleich drei Bank-CEOs.

Illustre Gäste an der Generalversammlung der AZ Medien AG:

Sie alle hörten in Peter Wanners Ansprache, warum die Printmedien schwere Zeiten hinter sich haben, der Verleger aber dennoch an deren Chance glaubt. Die Krise der Zeitungsbranche lässt sich insbesondere an einer Zahl festmachen: Rund die Hälfte des Werbeumsatzes ging in den letzten zehn Jahren verloren – allen voran bei den Stellen-, Immobilien- und nationalen Image-Inseraten.

Die Zeitungen der AZ Medien seien dank ihrer regionalen Verankerung ein wenig besser weggekommen, doch auch so betrage der Rückgang 40 Prozent, rechnete Wanner vor. Ist die Talsohle inzwischen erreicht? Auf die Frage, die alle interessiert, aber niemand abschliessend beantworten kann, gab er eine vorsichtige Antwort: Der Rückgang der Werbeerträge werde leider noch weiter gehen.

Noch mehr Menschen erreichen

Dazu kommt ein Phänomen, das die ganze Medienbranche beschäftigt: Unternehmen wie Google und Facebook, die Inhalte verteilen und Daten sammeln, machen das grosse Geschäft. Wer Inhalte herstelle, werde insbesondere im Internet schlecht entgolten, sagte Peter Wanner.

Dazu habe auch der Kardinalfehler beigetragen, den alle Verlagshäuser der Welt begangen hätten, indem sie ihre Inhalte gratis online stellten. Allerdings, räumte Wanner ein, sei dieser Fehler angesichts der weltweiten Konkurrenz schwer vermeidbar gewesen. Im Nachhinein Geld zu verlangen und eine sogenannte Paywall einzuführen, erweise sich als schwierig. «Wahrscheinlich führt aber kein Weg daran vorbei.» Vorerst ist das Ziel der AZ Medien aber ein anderes: die Reichweite weiter ausbauen.

In dieser Hinsicht konnte CEO Axel Wüstmann bereits einen positiven Trend vermelden: «Wir erreichen mehr Menschen als jemals zuvor.» In Zahlen ausgedrückt: Im vergangenen Jahr konnten rund 50 000 Personen mehr erreicht werden. «Inzwischen erreichen wir über 800'000 Menschen täglich mit mindestens einem Medium.» Dazu trugen unter anderem die Fernsehsender TV24 und TV25 bei. Der Betriebscashflow – «die wichtigste Kennzahl für die Solidität unseres Geschäfts» – liege mit 29,2 Millionen Franken über den vergangenen drei Jahren. Wüstmann stellte aber auch klar: «Sparen bleibt an der Tagesordnung.»

Digital Native im Verwaltungsrat

Über das Ergebnis des letzten Jahres dürfen sich die Aktionäre freuen. Rund 1,5 Millionen Franken werden als Dividende ausgeschüttet. Dies wurde an der Generalversammlung einstimmig beschlossen. Kurz darauf wurde ein weiteres Kapitel in der Geschichte des Familienunternehmens geschrieben. Vorgeschlagen zur Wahl in den Verwaltungsrat der AZ Medien war Florian Wanner.

Über seinen jüngsten Sohn, der Geschäftsführer von «Radio 24» ist, sagte Peter Wanner: «Er gehört zur Generation der Digital Natives und kennt das Mediennutzungsverhalten der jungen Generation, was bei kommenden Investitionsvorhaben von einiger Wichtigkeit sein dürfte.» Einstimmig hiessen die Aktionäre den Wahlvorschlag gut.

Auf die Begrüssung mit Applaus folgte eine Verabschiedung mit Geschenk. Mit Roland Tschudi verlasse «das finanzielle Gewissen der AZ» das Unternehmen, sagte Peter Wanner. Tschudi hört nach 18 Jahren als Finanzchef auf und wird im Herbst von Roberto Rhiner abgelöst.

Bevor Team und Essen des Restaurants Krone und später «Leo Wundergut & das Staatsorchester» im Mittelpunkt standen, sprach Publizist und Berater Peter Hartmeier über den politischen Journalismus in der Schweiz. Der Vorsitzende des Publizistischen Ausschusses der AZ Medien kam in seinem Referat zum Schluss: «Unabhängiger, transparent finanzierter Journalismus ist in einer freien Gesellschaft mit direkter Demokratie notwendiger denn je.»

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