Brittnau
Wieso Bauer Weber auf seinem Hof keine Hundeschule betreiben darf

Der Brittnauer Bauer Walter Weber möchte eine Hundeschule mit angeschlossenem Hundefriedhof bauen und betreiben. Doch er blitzt bei der Baugesuchszentrale ab. Weber versteht das nicht. Direkt vor der Haustür gibt es bereits eine Hundeschule.

Tim Honegger
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Walter Weber will sein Land zur Hundeschule umnutzen – und blitzt damit beim Kanton Aargau ab.Raphael Nadler/Archiv

Walter Weber will sein Land zur Hundeschule umnutzen – und blitzt damit beim Kanton Aargau ab.Raphael Nadler/Archiv

Der Streit um Baubewilligungen ist ein endloser Streit. Jetzt ist er erneut entbrannt, diesmal in Brittnau: Der Bauer Walter Weber möchte eine Hundeschule mit angeschlossenem Hundefriedhof bauen und betreiben. Auf seine Erkundigung hin erteilt ihm die Baugesuchszentrale aber eine Abfuhr: Das betreffende Land liege in einer Landwirtschaftszone, nicht in einer Bauzone. Weber ist verärgert über die Auskunft.

Denn: Direkt vor seiner Haustüre gibt es zwei solcher Freizeitanlagen und diese liegen ebenfalls in der Landwirtschaftszone: eine Hundeschule in Vordemwald und ein Modellflugplatz in Brittnau. «Ich habe überhaupt nichts gegen diese Anlagen, aber warum erhalte ich nicht dieselbe Chance?», fragt Walter Weber

Misst der Kanton etwa nicht überall mit gleich langen Ellen?

Umnutzung erlaubt, Neubau nicht

Doch, das tue er, sagt Stefan Grüter. Er ist der stellvertretende Leiter der Abteilung für Baubewilligungen. «Hundeschulen in Landwirtschaftszonen dürfte es theoretisch gar nicht geben – diese Flächen sind ausschliesslich der landwirtschaftlichen Nutzung vorbehalten.» Die Hundeschule in Vordemwald ist aber eine Umnutzung der ehemaligen Hornusser-Hütte – eine neue Baute war darum nicht nötig, nur eine Bewilligung für die Umnutzung. Es ging also alles mit rechten Dingen zu.

Der Modellflugplatz in Brittnau ist hingegen eine Ausnahme. «Eine solche Anlage ist negativ standortgebunden. Das heisst: Sie kann kaum in einer Bauzone liegen – ein Modellflugplatz verursacht zu viel Lärm und benötigt ausreichend Raum. Auch Sicherheitsaspekte sind zu beachten.» Darum könne in solchen Fällen selbst in einer Landwirtschaftszone eine Baubewilligung erteilt werden, sofern dem Standort keine überwiegenden Interessen entgegenstünden. Dasselbe gelte für Schiessplätze.

Pferdehof plötzlich illegal

Überall im Kanton kommt es rund um die Baubewilligungen zu Schwierigkeiten. In Suhr etwa war der Zankapfel eine Pferdepension. «Nur ein Bauer, welcher ein landwirtschaftliches Gewerbe führt, kann eine Pferdepension betreiben», so Grüter. Anders sieht es aus, wenn ein Hobby-Reiter einen Pferdestall bauen will: Ist der Betrieb nur hobbymässig, erhält er keine Bewilligung.

Dies führte am Hof Fraumatte in Suhr zu Problemen – dort trat der Bauer altershalber kürzer und wollte seinen Pferdehof einer Hobby-Reiterin übertragen. Damit wäre die Pferdepension aber illegal gewesen – obwohl sich an der Pferdeanlage gar nichts geändert hätte. So musste sich der Bauer nach einem anderen Nachfolger umsehen.

Akute Geldnot der Kleinbauern

Dass das Gesetz schwer verständlich und zuweilen fragwürdig sei, ist für Walter Weber erst der Anfang: «Hier hindert das Gesetz die Leute daran, ihre Ideen zu verwirklichen», so Weber. Gerade den Bauern würde doch so oft vorgeworfen, sie seien zu wenig kreativ. «Dabei geht es vielen Kleinbauern wie mir: Wir suchen fieberhaft nach einer legalen Nebeneinkunft und finden keine.»

Die Geldnot der Kleinbauern sei alarmierend – doch das Gesetz komme ihnen auf der Suche nach einer Lösung keinen Schritt entgegen, beklagt sich Weber.