Automatisierung

Wie die Aargauer Erne-Gruppe den Holzbau revolutioniert

Mit maximal sieben Stundenkilometern unterwegs: Der neue Portalroboter der Erne AG Holzbau in Stein.

Mit maximal sieben Stundenkilometern unterwegs: Der neue Portalroboter der Erne AG Holzbau in Stein.

Eine 50 Meter lange Roboter-Anlage der Laufenburger Erne-Gruppe produziert komplexe Holzkonstruktionen. Seit Januar steht in Stein die grösste Portalroboter-Anlage ganz Europas. Der erster Kunde ist die ETH Zürich.

Schöne neue Computerwelt: Mehrere Dutzend geladene Gäste fungieren Ende letzter Woche in der Produktionshalle der Erne AG Holzbau in Stein als Zaungäste, während eine Maschine arbeitet.

Holzlatte greifen, zuschneiden, ein paar Meter weit transportieren und auf den entstehenden Dachträger festnageln: Dem neuen, vier Millionen Franken teuren Portalroboter der Laufenburger Erne-Gruppe gehen die Arbeitsschritte leicht von der Hand. Und während sich die Gäste — unter ihnen der Aargauer Landammann Urs Hofmann — zum Apéro riche verschieben, arbeitet der Roboter im Hintergrund diskret weiter.

Prestigeprojekt für die ETH

Seit der Inbetriebnahme im Januar und noch bis Mitte August konstruiert er insgesamt 180 Holzträger für das geschwungene Dach des Instituts für Technologie in der Architektur der ETH Zürich. «Ohne den Roboter würde der Bau eines Trägers über 60 Stunden in Anspruch nehmen», sagt Martin Krammer, Leiter Strategische Marktentwicklung bei Erne. Die Maschine erledige das in zwölf Stunden — und das rund um die Uhr. 

Nun sind Roboter in der Industrie natürlich nichts Neues. Die International Federation of Robotics schätzt, dass 2014 insgesamt 225 000 solche verkauft wurden, vor allem für den Einsatz in der Automobil- und Elektronikindustrie. Speziell am Erne-Roboter sind einerseits die Dimensionen: Gemäss Firmenangaben handelt es sich dabei um Europas grösste Portalroboter-Anlage, auf der Werkstücke bis 48 Meter Länge, 5,6 Meter Breite und 1,4 Meter Höhe mit unterschiedlichsten Werkzeugen bearbeitet werden können. Vor allem aber kann die siebenachsige Maschine — wie jetzt für das Dach des ETH-Instituts — kostengünstig Einzelserien produzieren, während der Grossteil der Industrieroboter auf die Massenproduktion ausgerichtet sind.

Erne Holzbau: So sieht der grösste Portalroboter Europas aus.

Erne Holzbau: So sieht der grösste Portalroboter Europas aus.

Die Inbetriebnahme des Portalroboters kündige die Zukunft des Holzbaus an, verkündet das Unternehmen denn auch. Etwas vollmundig? Mitnichten, meint Krammer. «Wir haben hier schon ungefähr 300 Architekturbüros durchgeschleust und bereits konkrete Anfragen von renommierten Architekten.» Diese brauchten aber noch Zeit, um die neuen Möglichkeiten auszuloten und 3-D-Modelle zu entwickeln, mit denen der Roboter gefüttert wird. Neue Marktmöglichkeiten: Dieses Versprechen ist an der Einweihungsfeier öfters zu hören. Ein Stellenabbau, mit dem Automatisierung häufig einhergeht, ist in Stein denn auch kein Thema.

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