«civicChallenge»
Wie das Amt für Migration und Integration Sprachbarrieren überwindet – und dafür ausgezeichnet wird

Das Amt für Migration und Integration des Kantons Aargau hat ein Projekt ins Leben gerufen, das den Stress für Menschen im Asylwesen reduzieren soll. Die Arbeit wird sogar belohnt: Das vierköpfige Team gewinnt bei der erstmals durchgeführten «civicChallenge».

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Rebecca Wülser und ihr Team haben an der «civicChallenge» einen Preis gewonnen.

Rebecca Wülser und ihr Team haben an der «civicChallenge» einen Preis gewonnen.

zvg/civicChallenge/Screenshot

Dass Unternehmen Preise einsacken ist auch im Aargau nicht unüblich. Viele Firmen zeichnen sich durch Innovation, Zuverlässigkeit oder auch Tradition aus – und werden dafür belohnt. Dass aber auch Ämter prämiert werden, kommt eher selten vor. Das Amt für Migration und Integration des Kantons Aargau hat aber genau dies geschafft und wurde an der «civicChallenge» für ein Projekt ausgezeichnet.

Handlungsfähigkeit und Selbstverantwortung fördern

Im Asylbereich sprechen viele Menschen nur ihre Muttersprache oder sind Analphabeten. Dies führt zu grossen Herausforderungen, sowohl seitens der Antragsteller wie auch seitens der Behörden, denn viele Informationen sind schriftlich festgehalten. Verständnisprobleme können in diesem sensiblen Bereich weitreichende Konsequenzen haben. Wenn immer möglich wird daher mit Übersetzern gearbeitet. Dies ist bei Schalterbesuchen oder Zuweisungen aus den Bundesasylzentren nicht immer planbar.

Das Team um Rebecca Wülser, Fachspezialistin Asyl Vollzug beim Amt für Migration und Integration Kanton Aargau, möchte diesen Sprachbarrieren nun mit Videos entgegenwirken. Mit Hilfe von Animationen können die Behörden den betroffenen Personen notwendige Informationen visuell und akustisch verständlich anbieten. Somit minimiert sich beidseitig ein gewisser Stressfaktor. Seitens der Betroffenen versteht man die Informationen besser, seitens der Mitarbeitenden kann man davon ausgehen, dass die Handlungsfähigkeit und Selbstverantwortung der betroffenen Personen erhalten bleiben.

Die 24-köpfige Jury prämiert das Projekt mit dem Namen «X-plikator5000» von Rebecca Wülser, Silvio Siegrist, Andrea Bauer und Mirjam Grunder. Das Team erhält ein Preisgeld im Wert von 30'000 Franken.

Hier geht es zum Video:

Bundeskanzler Walter Thurnherr bei einer Veranstaltung rund um die «civicChallenge».

Bundeskanzler Walter Thurnherr bei einer Veranstaltung rund um die «civicChallenge».

zvg/civicChallenge

Beim in diesem Jahr zum ersten Mal durchgeführten Wettbewerb haben insgesamt 128 Verwaltungsangestellte aus der ganzen Schweiz 71 Ideen eingereicht. Neun Projekte haben es in die Finalrunde geschafft. Sie wurden am Donnerstag in einer Online-Preisverleihung prämiert. Bei der Verleihung anwesend war auch Bundeskanzler Walter Thurnherr, selbst ein Aargauer. Er präsidiert den Beirat des Wettbewerbs. (az/cri)

Was ist die «civicChallenge»?

Die «civicChallenge» ist ein Tummelfeld für innovative Projekte im öffentlichen Sektor innerhalb der ganzen Schweiz. Der öffentlich ausgeschriebene Wettbewerb bietet eine Plattform, auf der die wichtigsten Herausforderungen der Verwaltungen identifiziert werden und sich die eingegebenen Lösungsansätze in einem Wettbewerb konkurrenzieren können. Eine Jury aus Innovations-Leadern stellt sicher, dass die ausgewählten Ideen sich an Schlüsselthemen orientieren und das gesellschaftliche Leben in der Schweiz entscheidend verändern können.

Dieser erste nationale Wettbewerb für Verwaltungsangestellte ist eine Initiative des civicLab in Genf. Das Ziel der «civicChallenge» sei aufzuzeigen, dass innovative und mutige Projekte im öffentlichen Sektor möglich sind,​ erklärt Anja Wyden Guelpa, Präsidentin des Wettbewerbs.