Polit-Podium

Wermuth gegen Köppel: So war das Duell der Provokateure in Zofingen

Grossaufmarsch am Polit-Podium: Hunderte von Menschen wollten in Zofingen das Duell Roger Köppel vs. Cédric Wermuth sehen. Die beiden Nationalräte schenkten sich nichts.

Es braucht schon einiges, dass sich an einem lauen Spätsommerabend in Zofingen Hunderte von Menschen zu einem Polit-Podium einfinden. Denn es gibt nicht viele Namen im Land, die garantiert als Publikumsmagnete wirken – Roger Köppel ist so ein Name, Cédric Wermuth auch. Dann ist eigentlich auch egal, dass kein konkretes Thema zur Debatte steht. Die Namen sind Programm.

Die beiden Nationalräte gehören zu den Politikern im Land, die kaum wie jemand sonst polarisieren. Es stimmt, was der Zofinger SP-Einwohnerrat Michael Wacker eingangs der Podiumsdiskussion in der Aula des Bildungszentrums (BZZ) sagte: «Die einen sind gekommen, weil sie sich über den einen aufregen. Die anderen, weil sie sich über den anderen aufregen.»

Er hoffe, dass man nun miteinander diskutieren könne – und sich am Schluss niemand mehr aufrege. So weit kam es dann doch nicht. Brücken zu bauen, ist allerdings möglich, wie der Abend bewies: Er wurde von der SP- und der SVP-Bezirkspartei gemeinsam organisiert.

Damit war es mit den Gemeinsamkeiten aber auch schon vorbei. Moderatorin Anne-Käthi Kremer legte mit ein paar Zitaten vor, die die Kontrahenten über den politischen Gegner schon zu Protokoll gegeben hatten. Wermuth sei ein smarter Typ mit grossem Karrierebewusstsein, der politisch konsequent falsch liege und wahrscheinlich viel Zeit im Fitnessstudio verbringe, sagt Köppel über Wermuth.

Der kontert, Köppel sei brandgefährlich, man müsse befürchten, dass er das, was er sage, immer ernst meine; der «Weltwoche»-Besitzer reisse Gräben in die Gesellschaft und betreibe eine Politik der verbrannten Erde.

Lacher und Sticheleien

Mit von Lachern begleiteten Sticheleien gings dann weiter. Wermuth blende in seiner «grenzenlosen Selbstbezogenheit» aus, dass die «Weltwoche» vor Jahren ein sehr positives Porträt über den SP-Nationalrat gedruckt habe; denn er sei einer, der neue Ideen einbringe – «vielleicht nicht ganz uninspiriert von meiner Provokationstechnik», so Köppel schnippisch.

Man halte sich gegenseitig in Schach – er, Wermuth, ein bisschen mehr als umgekehrt. «Das Porträt in der ‹Weltwoche› wäre beinahe das Ende meiner Politkarriere gewesen», gab Wermuth schlagfertig zurück.

Auf der sachlichen Ebene entfalteten sich dann fast paradigmatisch die Positionen, um die das Land seit Jahren streitet. Zur Sprache kam zunächst der Steuerdeal. Die Schweiz sei auf einem Weg, der die Demokratie den Interessen einiger privilegierter multinationaler Konzerte unterordne; eine Altersvorsorge, die ein würdiges Leben garantiere, könne sich die Schweiz schon lange leisten, so Wermuth. «Aber was macht man? Man schafft neue Kampfjets an und schmeisst Geld für unsinnige Sachen raus.»

Köppel konterte mit dem Hinweis auf das SP-Parteiprogramm: Eine Partei, die sich die Überwindung der Marktwirtschaft als oberstes Ziel auf die Fahnen geschrieben habe, «könne er nicht als erste Ratgeberin in Sachen Marktwirtschaft zurate ziehen». Die SP politisiere zu theoretisch und auf Wolke sieben. Die Schweiz gebe sich einer Illusion hin, wenn sie glaube, sie sei ein Steuer-Nirwana.

Und, zum Publikum: «Der Staat hat kein natürliches Recht, Ihnen das Geld aus dem Portemonnaie zu ziehen.» Die Schweiz sei auch kein Staat, der den Menschen die Lebenslasten abnehme. Das Land brauche ein attraktives Steuersystem, das nicht vom hohen Ross herab diktiert sei.

Dass sich Köppel in seiner Rhetorik und Gestik immer mehr dem SVP-Übervater Christoph Blocher angleicht, war nicht zu überhören beziehungsweise zu übersehen. Das Stichwort gab ihm das Rentenalter.

Er beginnt seine Sätze, unterbricht sie, setzt neu an – spricht sich in Rage. Am Schluss fallen dann Bemerkungen wie: dass die SP die «Politik der offenen Grenzen» predige, «ist ein Verbrechen an den Arbeitsplätzen in diesem Land». Offene Grenzen und ein Sozialstaat schlössen sich aus, er hoffe, Wermuth sehe das früher oder später ein.

Der blieb cool: «Wer gegen die Migration ist, ist gegen den Wohlstand.» Aber in Wahrheit gehe es der SVP gar nicht um die Migration. Sie wolle die Personenfreizügigkeit aus der Welt schaffen, um die Gesamtarbeitsverträge zu zerschlagen und einen Tieflohnsektor einzuführen.

Vollkommen diametral standen sich die beiden Parlamentarier auch in ihren Statements zur Selbstbestimmungsinitiative gegenüber, über die wir am 25. November abstimmen. Ins Zentrum stellten beide das bedrohte Volk; woher die Bedrohung kommt – darüber gab es nicht die geringste Übereinstimmung. «Was die Initiative aushebelt, ist der Schutz von Ihnen und mir gegen einen Staat, der willkürlich entscheidet», so Wermuth. Weil ein Verfassungsgericht fehle, sei bei Annahme der Initiative das Bundesgericht höchste Instanz; juristischen Schutz darüber hinaus gebe es nicht.

Köppel hingegen geht es um den Schutz der Bürgerinnen und Bürger vor der Classe politique, die allmählich die Selbstbestimmung und die Volksrechte aushöhlen will. «Bei der Initiative geht es um direkte Demokratie. Es geht darum, dass Sie das letzte Wort in diesem Land haben.»

Zum Schluss: Gab es so etwas wie einen Sieger nach Punkten? Gemessen am Applaus und dem Grad des zustimmenden Gemurmels im Saal müsste man wohl Köppel zum Sieger erklären.

Gestählt von unzähligen Auftritten in deutschen Talkshows ist er skrupelloser darin, die Diskussion fast jederzeit so zu drehen, dass er dem Publikum seine geschliffenen Botschaften einhämmern kann.

Wermuth hielt jeweils scharf, aber einigermassen gelassen dagegen. Im Hinblick auf seine Ständeratskandidatur hielt er das frühere Image des Enfant terrible erfolgreich auf Distanz.

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