Benzenschwil/Sins
Weil Coronaleugner Flugblätter verteilen: Gemeinde schaltet Polizei ein – Spur führt zu Theres Schöni

In Benzenschwil wurden Flugblätter verteilt, die eine geplante Infoveranstaltung in Sins zum Thema Corona-Impfung bewerben. Die Spur führt zu Theres Schöni und ihrem Ehemann. Die Gemeinde Sins hat vorsichtshalber die Polizei informiert.

Raphael Karpf
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Ein Ausschnitt des Flyers, der am Donnerstag verteilt wurde.

Ein Ausschnitt des Flyers, der am Donnerstag verteilt wurde.

zvg

Gelbe Flugblätter fanden sich am Donnerstagmorgen in den Briefkästen von Benzenschwil. Darauf wirbt eine Organisation namens «Xunds Freiamt» für eine Info-Veranstaltung zu den Coronaimpfungen.

Referieren an dieser Veranstaltung soll der Neuenburger Arzt Björn Riggenbach. Riggenbach hat die Coronapandemie wiederholt öffentlich geleugnet und war Mitglied im Referendumskomitee gegen das Covid-Gesetz. Er hat verlangt, dass keine Impfungen und Tests durchgeführt werden, die Maskenpflicht bezeichnete er als Folter.

Wer hinter «Xunds Freiamt» steckt, steht auf dem Flugblatt nicht. Die Handynummer, auf der man sich für die Veranstaltung anmelden kann, gehört zu einem angeblichen Transportunternehmen aus Mühlau. Auf der reichlich unfertig wirkenden Homepage wurde Ende Oktober gepostet, die Seite befinde sich noch im Aufbau. Das Telefon nimmt niemand ab.

Verharmloste damals schon den Virus

Die Spur der Flugblätter führt zu Theres Schöni.

Die Spur der Flugblätter führt zu Theres Schöni.

Zvg

Die Mailadresse hingegen, die ebenfalls auf dem Flugblatt abgedruckt ist, führt zu einer Website, die Daniel Schöni gehört. Er und seine Frau Theres Schöni stammen aus Benzenschwil, der Gemeinde, in der die Flyer verteilt wurden. Sie führen die Partei «Lösungsorientierte Volksbewegung». Theres Schöni hat für den Regierungsrat kandidiert und musste am Wahlsonntag aus dem Gebäude getragen werden, weil sie sich weigerte, eine Maske zu tragen. Sie hat die Pandemie wiederholt öffentlich geleugnet und fordert die sofortige Abschaffung aller Massnahmen. Schönis waren für eine Stellungnahme bisher nicht zu erreichen.

In der Gemeinde weiss man nichts davon

Schöni war es auch, die im Sommer eine Podiumsdiskussion in Aarau mit Nationalräten auf der einen Seite und Corona-Skeptikern auf der anderen Seite organisierte hatte. Einer davon war Björn Riggenbach. Damals schon verharmloste er den Coronavirus. Bei Schönis Veranstaltung war auch Gesundheitsdirektor Jean-Pierre Gallati eingeladen. Seine Aufforderung an der Veranstaltung, die Covid-Massnahmen einzuhalten, also damals den Mindestabstand von 1,5 Metern, wurde im Publikum mit Gelächter quittiert.

Die Veranstaltung soll am 23. Januar in Sins stattfinden. In der Gemeinde weiss man nichts davon. Gemeindeschreiber Marcel Villiger hat erst durch die Anfrage der AZ von der geplanten Veranstaltung erfahren. Er wird ein Flugblatt für weitere Abklärungen an die Regionalpolizei weitergeben. «Wir möchten abklären, ob dadurch möglicherweise die öffentliche Ruhe und Ordnung gefährdet werden.»

Veranstaltungen sind aktuell auf Beschluss des Bundesrats bis und mit dem 22. Januar verboten. Ob das Verbot verlängert wird, entscheiden Bundesrat oder Kanton am nächsten Mittwoch.