Parteipräsidium
Sabina Freiermuth: Roth-Kritikerin, Rückschlag im Super-Wahljahr und jetzt bald FDP-Präsidentin

Die FDP Aargau nominiert Sabina Freiermuth als neue Parteipräsidentin. Die 56-jährige Zofingerin machte sich einen Namen als scharfe Kritikerin der ehemaligen SVP-Gesundheitsdirektorin Franziska Roth, liebäugelte selber mit dem Regierungsratsamt und steht nun vor einigen Herausforderungen mit dem Freisinn.

Rolf Cavalli
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Sabina Freiermuth, die designierte neue FDP-Präsidentin. (Archivbild: 23.06.2020)

Sabina Freiermuth, die designierte neue FDP-Präsidentin. (Archivbild: 23.06.2020)

Britta Gut

Sie liess keine Zweifel offen, dass sie es werden will: Sabina Freiermuth reichte schon Mitte Februar ihre Bewerbung ein. Am Montagabend nominierte die Geschäftsleitung der FDP sie einstimmig zur Nachfolgerin von Lukas Pfisterer als Parteipräsidentin.

Andere potenzielle Kandidaten wie Titus Meier oder Adrian Schoop winkten frühzeitig ab. Zwar kann am Parteitag vom 11. Mai noch jemand spontan antreten. Aber das ist Theorie. Freiermuth ist unbestritten. Freiermuth ist verheiratet und Mutter von drei erwachsenen Kindern. Beruflich leitet die 56-Jährige die Administration einer Anwaltskanzlei.

Sie weise einen grossen politischen Erfahrungsschatz auf, schreibt die FDP über die Zofingerin, die seit 2010 Mitglied des Grossen Rates ist und seit 2017 die FDP-Fraktion leitet.

Freiermuth profilierte sich unter anderem in der Krise um SVP-Regierungsrätin Franziska Roth als Sprecherin einer gemeinsamen Erklärung von FDP, CVP und der Grünen. Sie sagte Roth im Parlamentssaal ins Gesicht, es mangle ihr an Respekt gegenüber dem Grossen Rat und zeige kein Bemühen um eine gute Zusammenarbeit. Wenige Wochen später trat Roth zurück.

Ambitionen für Regierungsratsamt

So reibungslos wie sich die Präsidiumswahl abzeichnet, verlief Freiermuths Politkarriere nicht immer. So hatte sie sich das Super-Wahljahr 2019 anders vorgestellt. Nach dem vorzeitigen Rücktritt von Gesundheitsdirektorin Roth signalisierte Freiermuth Ambitionen für das Amt als Regierungsrätin. Doch ihre Partei machte ihr einen Strich durch die Rechnung. Freiermuth war überzeugt, die Partei müsse ihre Kandidatur ohne Zeitverzug küren, damit der Sommer für die Wahlkampfvorbereitung genutzt werden könne. Die Parteileitung sah das anders. Infolgedessen zog sich Freiermuth zurück. Statt ihr wurde die junge, aufstrebende Jeanine Glarner aus Möriken-Wildegg nominiert. Sie blieb bei der Wahl allerdings chancenlos.

Gewählt wurde bekanntlich Jean-Pierre Gallati (SVP); er schlug Yvonne Feri (SP) nur knapp. Und so mancher im Freisinn ärgerte sich nachträglich, eine mögliche Chance verpasst zu haben, einen zweiten Regierungsratssitz zu holen.

Bei den nationalen Wahlen im gleichen Herbst holte Sabina Freiermuth auf der FDP-Liste nur die siebtmeisten Stimmen – ein weiterer Dämpfer.

Sie muss die FDP in der Umweltpolitik positionieren

Statt einer Karriere in der Exekutive oder in Bundesbern ist es nun also das Parteipräsidium. Es ist ein logischer Schritt und mehr als eine Floskel, wenn sie sagt: «Mir ist der Kanton am nächsten, hier kann ich direkt etwas bewirken.»

Für Freiermuth ist klar, dass eine Kantonalpräsidentin selber im Grossen Rat politisieren muss. Im Bundeshaus sei man zu weit weg. Ein Wink in Richtung der anderen Regierungsparteien, die von Nationalrätinnen und einem Nationalrat präsidiert werden: Marianne Binder (CVP), Gabriela Suter (SP), Andreas Glarner (SVP).

Wie für den Freisinn generell wird für Freiermuth eine der Herausforderungen sein, ihre Partei in der Umweltpolitik so zu positionieren, dass sie nicht Wähleranteile an die Grünliberalen verliert, ohne ihr liberales Profil zu verlieren. Freiermuth betont, sie habe für das Aargauer Energiegesetz gekämpft. Zum CO2-Gesetz will sie sich noch nicht positionieren, die intere Diskussion sei erst angelaufen. So oder so meint sie: Die FDP habe schon immer verschiedene Flügel gehabt, das mache die Partei aus. Es sei ihre Aufgabe, diese zusammenzuhalten. Sie ist überzeugt: «Das freisinnige Gedankengut hilft mir dabei.»