Nach Eniwa-Warnung

Was Sie über die gefährlichen Raupen wissen müssen – und wie Sie sich schützen

Raupen sorgen im Aargau für Unruhe. So warnte die Stromproduzentin Eniwa vor dem Eichen-Prozessionsspinner entlang der Aare. Für Menschen und Hunde können sie ziemlich gefährlich werden. Lesen Sie hier das Wichtigste über die Raupen und wie Sie sich am besten vor ihnen schützen.

Im Raum Aarau machen sich die Eichen-Prozessionsspinner breit. Die Stromproduzentin Eniwa hat vor ihnen gewarnt. Sie kämen entlang der Aare vor. Es ist nicht das erste Mal, dass die Schädlinge in der Region auftauchen und Verunsicherung stiften.

Die Raupen mit den vielen langen Haaren sehen kuschelig aus, doch sie sind giftig und können bei Mensch und Tier heftige Reaktionen auslösen. Sie sind bis fünf Zentimeter lang und von grau-schwarzer Farbe. Ihr Name kommt daher, dass sie nachts ihr Nest an einem Baumstamm verlassen und sich dann in langen Reihen – wie bei einer Prozession – auf Nahrungssuche begeben.

Im April schlüpfen die Raupen, im Juli verpuppen sie sich und werden dann zu grauen Faltern. Eigentlich sind die kleinen Tierchen vor allem im wärmeren südlichen und mittleren Europa beheimatet, durch den Klimawandel breiten sie sich auch im Osten und Westen aus.

Laut Beat Forster von der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) lässt sich in der Schweiz aber trotzdem nur ein moderater Anstieg beobachten. Auch bei Tox-Info gingen nicht mehr Anfragen als in den vergangenen Jahren ein, wie es auf Anfrage heisst. Das ändert nichts daran, dass der Kontakt mit ihnen äusserst unangenehm sein kann.

Basel, Genf, das Wallis und das Tessin sind Hotspots der Sichtungen von Eichen-Prozessionsspinnner-Raupen. (rot: ab 2000, orange: vor 2000)

Basel, Genf, das Wallis und das Tessin sind Hotspots der Sichtungen von Eichen-Prozessionsspinnner-Raupen. (rot: ab 2000, orange: vor 2000)

Im Aargau komme die gefährliche Raupe vor allem am Rhein vor, wie Forscher Forster erklärt. Zudem gebe es viele Verwechslungen: «Vier von fünf Meldungen über Eichen-Prozessionsspinner-Raupen im Aargau stellen sich als Goldafter heraus.» Schweizweit gibt es vor allem in den Räumen Basel und Genf und in den Kantonen Wallis und Tessin eine Häufung von Beobachtungen der Raupen.

Unangenehm: Die Raupe des dunklen Goldafters kann mit ihren Brennhaare Kindern das Spielen verderben.

Wird oft mit dem Eichen-Prozessionsspinner verwechselt: der Goldafter.

Unangenehm: Die Raupe des dunklen Goldafters kann mit ihren Brennhaare Kindern das Spielen verderben.

Gefährlich sind primär die sogenannten Brennhaare der Raupen. Zwischen Mai und Juli verlieren die Raupen viele davon, der Wind verbreitet sie in alle Richtungen. Auch Nester aus den Vorjahren bleiben jahrelang gefährlich, weil dort Härchen hängen bleiben.

Die unangenehmen Erfahrungen zweier Aargauer

Otto Braunwalder aus Wohlen und sein Kollege Herbert Huber aus Lengnau haben die Raupen in keiner guten Erinnerung. Sie waren auf einer Motocross-Piste im Piemont unterwegs. «Wir hatten unsere Autos unter Bäumen geparkt und nach kurzer Zeit bemerkt, dass Hunderte von Raupen darüber krochen», erzählt Braunwalder.

Zunächst dachten sich die beiden Motocrössler nichts weiter dabei, es erstaunte sie höchstens, dass so viele Raupen von den Bäumen fielen und ihnen sogar auf die Motorradstiefel krochen. Die Meinung, dass es sich um ganz herzige Tierchen handelte, änderte sich aber bald.

«Herbert kam von der nächsten Trainingsfahrt zurück und berichtete, offenbar habe ihn eine der Raupen in der Pause in den Mittelfinger gestochen. Jetzt jucke es ihn am ganzen Körper»,  berichtet Braunwalder. Das Jucken sei immer schlimmer geworden und schliesslich habe sich Huber auch über Hörverlust beklagt.

Die beiden Aargauer informierten sich in der Folge beim Besenbürer Baumpflegespezialist Patrick Zahno. Dieser vermutete sogleich, dass die vermeinlich herzigen Raupen die Ursache von Hubers Schmerzen sind.

Gefahr für Menschen und Hunde

Schmerzen sind nur eine Folge des Kontakts mit dem Eichen-Prozessionsspinner. Es gibt eine ganze Reihe von Symptomen. 

Menschen

Das kann passieren, wenn man – bei einem Waldspaziergang oder Gartenarbeiten – mit den Haaren der Raupe in Berührung kommt:

  • Tagelanger Juckreiz, Bläschen, Ausschlag (Raupen-Dermatitis)
  • Bei Augenkontakt: Rötungen, im schlimmsten Fall Bindehautentzündungen
  • Bei Reizung der Atemwege: Husten und Atemnot

Hunde

Sie kommen vor allem dann mit den Brennhaaren in Kontakt, wenn sie das eigene Fell ablecken, das eventuell befallen ist, oder wenn sie herumschnuppern.

  • Vor allem die Schleimhäute sind gefährdet. Das kann zu Atemnot und Schwellungen am Kopf führen.

Schnell handeln ist wichtig

Es gibt verschiedene Wege sich vor den gefährlichen Raupen zu schützen:

  • Am einfachsten meidet man Waldgebiete, die vom Raupenbefall betroffen sind. Diese sind von den Behörden gekennzeichnet – falls Sie Kenntnis davon haben. Wenn Sie selber grössere Mengen von Raupen entdecken, sollten Sie es daher am besten der zuständigen Behörde melden.
  • Nie mit Raupen spielen
  • Langärmelige Kleidung, geschützte Nacken, Arme und Beine

Doch manchmal helfen auch Vorsichtsmassnahmen nicht. Dann ist schnelles Handeln gefragt:

Mensch

  • Kleidung wechseln und bei 60 Grad waschen
  • Haare und Augen (wenn gereizt) ausspülen
  • Kühles Wasser wirkt lindernd
  • Bei Hautausschlag und anhaltenden Symptomen: Arzt konsultieren

Hund

  • Fell ausspülen
  • Wenn die Symptome auftreten: Tierarzt aufsuchen

Glück im Unglück für die Motocrössler

Die beiden Aargauer Otto Braunwalder und Herbert Huber kamen im Piemont mit dem Schrecken davon: Nach einigen Stunden verbesserte sich der Zustand von Huber wieder.

In Zukunft werden die beiden einen grossen Bogen um die Eichen-Prozessionsspinner-Raupen machen, wenn sie die Tiere sehen. 

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