Rupperswil
Vierfachmord: Das sagt der Experte über die schwierige Spurensuche im Todeshaus

Mit ein Grund dafür, dass im Fall Rupperswil bislang niemand verhaftet werden konnte, dürfte die Spurenlage sein. Ein Forensiker erklärt, warum das Feuer ein grosser Feind der Ermittler ist.

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«Auch wenn nicht alles brennt, kann die Hitze dazu führen, dass viele Spuren kaputtgehen», sagt Wolfgang Weinmann, forensischer Toxikologe, Institut für Rechtsmedizin der Uni Bern.

«Auch wenn nicht alles brennt, kann die Hitze dazu führen, dass viele Spuren kaputtgehen», sagt Wolfgang Weinmann, forensischer Toxikologe, Institut für Rechtsmedizin der Uni Bern.

az/zvg

«Rupperswil: Nach Brand mehrere tote Personen aufgefunden»: So titelte die Kantonspolizei die erste Medienmitteilung zum Fall, die sie am 21. Dezember 2015 verschickte. Anwohner hätten am Montag um 11.20 Uhr festgestellt, dass aus einem Doppeleinfamilienhaus an der Lenzhard-strasse dichter Rauch austrat. Die Feuerwehr sei in Kürze vor Ort gewesen und mit Atemschutztrupps eingedrungen. «Als diese das verrauchte Haus durchsuchten, stiessen sie auf mehrere tote Personen. Die Feuerwehr konnte den Brand inzwischen löschen.» Zu diesem Zeitpunkt konnte die Polizei noch keine Angaben dazu machen, auch die Umstände ihres Todes und des Brandes waren zunächst unklar.

Vor Ort waren auch die Spezialisten des Institutes für Rechtsmedizin (IRM) des Kantonsspitals Aarau. Schnell wurde klar: Das Feuer zerstörte wohl zahlreiche Spuren. Stellt sich die Frage: Wie gefährlich sind Flammen für die Spurensicherung tatsächlich?

Der Aarauer Institutsleiter Daniel Eisenhart ist derzeit ferienabwesend – Kollege Wolfgang Weinmann, forensischer Toxikologe am IRM der Universität Bern, sagt: «Bei einem Brand führen die Naturgewalten Feuer und Wasser eigentlich immer zu einer erheblichen Erschwerung der Spurenlage.» Zunächst würden vorhandene Spuren «verbrennen», sodass sie gar nicht mehr vorhanden seien. Hinzu komme die Hitze.

«Auch wenn nicht alles brennt, kann sie dazu führen, dass viele Spuren kaputtgehen.» Das dritte Element, das den Ermittlern die Arbeit auf einem Brandplatz erschwere, sei der Russ. Er führe dazu, dass Spuren stark verschmutzt werden. «Wenn es etwa darum geht, Blutspuren zu suchen, kann man diese mit Chemikalien und Speziallampen sichtbar machen. Sind die Spuren aber mit Russ bedeckt, wird es sehr schwierig.» Werde ein Brand mit Wasser gelöscht, sorge das für eine schlechtere Spurenlage.

«Beispielsweise ein Haar des Täters oder auch Blutspuren könnten dadurch weggeschwemmt werden, sofern sie nicht vorher bereits verbrannt sind», erklärt Weinmann. Wichtig sei dann, auch dort zu suchen, wo der Tatort noch eher unversehrt sei – ausserhalb des Brandherdes, sofern dies relevante Spuren ergeben könnte. Abschliessend hält Weinmann fest: «Generell kommt es immer auf die Intensität des Brandes an, wie viel man noch findet.» (rio)