Vermehrte Kontrollen
18 Tierhalte-Verbote ausgesprochen: Der Aargauer Veterinärdienst deckt mehr Verstösse gegen Vorschriften auf

Der Veterinärdienst im Amt für Verbraucherschutz hat im Jahr 2020 sein Kontrollkonzept angepasst und die Überwachung der Tierhaltung verstärkt. Kontrollen finden nun vermehrt unangemeldet statt, was zu mehr Tierhalteverboten geführt hat.

Alessandro Crippa
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Im Februar 2020 entdeckte die Polizei mehrere schlecht gehaltene oder bereits tote Tiere in Oftringen. Der Halter ist wegen Tierquälerei vorbestraft.

Im Februar 2020 entdeckte die Polizei mehrere schlecht gehaltene oder bereits tote Tiere in Oftringen. Der Halter ist wegen Tierquälerei vorbestraft.

Kantonspolizei Aargau

Der Kanton Aargau hat sein Kontrollkonzept beim Tierschutz angepasst. Diese Anpassung geht auf einen besonders gravierenden Fall von Vernachlässigung der Tiere in einer Hobbytierhaltung in Oftringen von Anfang 2020 zurück. Die interne Aufarbeitung des Falls zeigte Handlungsbedarf bei den Kontrollen durch den Veterinärdienst auf. Das schreibt der Kanton in einer Mitteilung.

Um vergleichbare Fälle in Zukunft zu verhindern, habe der Veterinärdienst das Kontrollkonzept überarbeitet und eine verstärktes Überwachung bei auffälligen Tierhaltungen eingeführt. Grobe und wiederholte Verstösse gegen das Tierschutzgesetz kontrolliere der Veterinärdienst nun intensiver und engmaschiger. Auch ergreife er schneller weiterführende verwaltungs- und strafrechtliche Massnahmen.

Besserung hat Einzug gehalten

Alda Breitenmoser, Leiterin des Aargauer Veterinärdienstes.

Alda Breitenmoser, Leiterin des Aargauer Veterinärdienstes.

zvg

Nach Bekanntwerden des gravierenden Falls in Oftringen gab es für Aargauer Veterinärdienst nicht nur Lob, sondern auch viel Kritik. Dessen Chefin, Alda Breitenmoser, sagte daraufhin in einem Interview: «Die Sicherstellung des Tierwohls im Kanton hat oberste Priorität. Da wollen wir nichts versäumen.» Ein solcher Fall mache sie traurig. Sie versprach die Untersuchung, die später auch durchgeführt wurde und mit der auch Besserung Einzug gehalten hat.

Insgesamt 18 Tierhalteverbote ausgesprochen

Im vergangenen Jahr sind beim Veterinärdienst 118 Meldungen zu Nutztierhaltungen und 450 zu Heimtierhaltungen eingegangen. Die Meldungen stammen gemäss Kanton aus der Bevölkerung, von Gemeinden, von der Polizei oder von Schlachthöfen. In 20 Nutztier- und 113 Heimtierhaltungen stellte der Veterinärdienst Tierschutzverstösse fest und reichte Strafanzeige bei der zuständigen Staatsanwaltschaft ein, wie es in der Mitteilung weiter heisst. Im Jahr davor waren es noch insgesamt 103 Strafanzeigen gewesen.

Insgesamt habe der Veterinärdienst für vier Nutztier- und 14 Heimtierhalter im Jahr 2020 ein Tierhalteverbot erlassen. Im Vorjahr waren es bloss acht Verbote gewesen, die verhängt wurden. Ein solches Tierhalteverbot wird als letzte Massnahme angewendet – sei es bei besonders gravierenden Verstössen oder auch im mehrfachen Wiederholungsfall .

Die Einhaltung des Verbots wurde bei Nutztierhaltern in allen Fällen und bei Heimtierbesitzern stichprobenweise nachkontrolliert. Dies war nötig, weil Tiere vernachlässigt wurden, kranke und verletzte Tiere nicht angemessen behandelt wurden oder weil Tierhalter nicht willens oder fähig waren, Tiere tierschutzkonform zu halten. Der Kanton schreibt aber auch: «Der Grossteil der Aargauer Nutztierhaltungen schneidet bei den nun vermehrt unangemeldet durchgeführten Kontrollen gut ab.»

Meldungen aus der Bevölkerung wertvoll

Seit dem Fall in Oftringen meldete die Bevölkerung dem Veterinärdienst vermehrt mögliche Verstösse gegen das Tierschutzgesetz – sowohl bei Nutztieren, als auch bei Heimtieren. Diese Meldungen seien für den Veterinärdienst wertvoll, schreibt dieser in der entsprechenden Mitteilung. So würden auch in kleinen Betrieben mit Hobbyhaltung und bei Heimtierhaltern, wo keine regelmässigen Kontrollen vorgeschrieben sind, allfällige Mängel und Tierschutzvergehen rascher aufgedeckt.

Die verstärkten Kontrollen im Tierschutz und die konsequentere Umsetzung der nötigen Massnahmen gemäss angepasstem Kontrollkonzept will das Veterinäramt auch 2021 fortführen.