«TalkTäglich»
Umstrittener Einsatz von Polizei-Tasern: «Da kommt nur noch die Schusswaffe in Frage»

In Suhr griff ein Mann einen Polizisten mit dem Messer an – und wurde daraufhin erschossen. Hätte dies mit einer Elektroschockpistole verhindert werden können? Das ganze Thema im «TalkTäglich».

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Bei einem Polizei-Einsatz in Suhr ist ein 68-jähriger Mann ums Leben gekommen. Er hatte einen Polizisten mit dem Messer angegriffen – dieser hat aus Notwehr geschossen. Die Staatsanwaltschaft hat gegen den Polizisten routinemässig ein Verfahren wegen vorsätzlicher Tötung eröffnet.

Hätte dieser Tod mit einer Elektroschockpistole verhindert werden können? Im «TalkTäglich» diskutierten SVP Grossrat und Polizist Roland Vogt sowie Anton Anker, taktischer Ausbildner und ehemaliger Polizist. Die Sendung moderiert hat Anne-Käthi Kremer.

Hat der Polizist richtig gehandelt?

Für Anker ist klar: Der Fall in Suhr sei tragisch. Doch es sei um das Leben des Polizisten gegangen. «Er hat dieses Einsatzmittel gewählt, um sein Leben zu schützen», so sich Anker über den Schusswaffengebrauch. Es gebe kein Einsatzmittel, das alle Situationen abdecke. Man müsse den Einsatz der verschiedenen Mittel situativ beurteilen, was in so kurzer Zeit häufig schwierig sei.

Der Polizist habe sich verteidigen müssen, so Vogt. «Von mir aus gesehen hat er völlig richtig gehandelt», ergänzt Polizist Vogt. Ein Video aus der Nacht des Vorfalls zeigt die Hektik der Situation. Es sind fünf Schüsse zu hören. Braucht es denn so viele? Anker erklärt, dass man nicht weiss, bei wie vielen der Schüsse der Polizist überhaupt traf. Im Stress könne es vorkommen, dass man zwei Meter daneben schiesse. Sobald der 68-Jährige auf dem Boden war, habe er zu schiessen aufgehört.

Im Polizeigesetz steht, dass ein Polizist bei Bedrohung schiessen darf, jedoch erst nach einem Warnruf sowie Warnschuss. Ob das denn gar nicht realistisch ist, fragt Anne-Käthi Kremer. Man müsse immer die Situation beurteilen, erwidert der Polizist in der Runde. Ist der Angreifer schon sehr nahe, fehle die Zeit. Es gehe schlussendlich um das eigene Leben. Zudem werden Messer extrem unterschätzt, ergänzt Anker. Die beiden hätten mehr Respekt vor Messer als vor Schusswaffen.

Hätte ein Taser nicht gereicht?

Habe man den Taser bereits in der Hand sowie einen Kollegen mit Schusswaffe nebenan, wäre der Taser eine Option, erklärt Anton Anker. Doch schon bei einer gepolsterten Lederjacke zeige die Elektroschockpistole womöglich keine Wirkung mehr. «Der Taser ist ein gutes Einsatzmittel, ersetzt aber die Dienstwaffe in keinem Fall», meint Vogt. Bei kleineren Einsätzen mit Abständen von fünf bis sieben Metern zwischen dem Angreifer und den Polizisten, sei der Taser sicherlich eine gute Alternative. So werde das Gegenüber nicht ernsthaft verletzt.

Im Kanton Aargau haben nur Mitglieder der Sondereinheit Argus einen Taser. Vor drei Jahren hat Roland Vogt im Grossen Rat einen Vorstoss eingereicht, bei dem er erreichen wollte, dass auch die Regionalpolizei Taser zur Verfügung hat. Die Regierung lehnte jedoch ab. Im Moment sei ein überparteilicher Vorstoss am Entstehen.

Wie verarbeitet man einen solchen Vorfall?

Man müsse mit den Kollegen und dem persönlichen Umfeld über den Einsatz sprechen. Auch ein Psychologe sollte hinzugezogen werden, meint Vogt. Nicht jeder gehe gleich mit dem Einsatz der Schusswaffe um. Anker erklärt, dass es wie bei einem Autounfall ist. Es ist am besten, möglichst schnell wieder hinters Steuer zu sitzen. «Je länger man danach im Innendienst ist, desto schwieriger ist es, wieder auf die Strasse zu gehen.»

In ihren Jahren als Polizisten mussten die beiden bislang nie von der Dienstwaffe Gebrauch machen. (wue)

Mehr zum Polizeieinsatz in Suhr finden Sie hier.