Chlorothalonil

Überflüssig und zu radikal: Bauern sind gegen totales Spritzmittelverbot bei Wasserfassungen

Das Pumpwerk Eichholz in Wohlen fiel wegen zu hoher Chlorothalonil-Werte auf. (Archiv)

Das Pumpwerk Eichholz in Wohlen fiel wegen zu hoher Chlorothalonil-Werte auf. (Archiv)

Ralf Bucher, der Geschäftsführer des Bauernverbandes, findet den Vorstoss von Grünen-Grossrat Hansjörg Wittwer überflüssig. Schon heute gelte das Vorsorgeprinzip rund um Wasserfassungen - das funktioniere gut, sagt er.

«Ich bin mir bewusst, dass ein Verbot aller Pflanzenschutzmittel rund um Wasserfassungen für viele Bauern ein starker Eingriff wäre», sagt Hansjörg Wittwer zu seinem Vorstoss. Schon heute gibt es um jede Wasserfassung drei Schutzzonen, für die verschiedene Vorschriften gelten. In der Zone S1 liegt der eigentliche Fassungsbereich, hier seien heute schon sämtliche Pflanzenschutzmittel verboten, wie Ralf Bucher, Geschäftsführer des Bauernverbands Aargau, auf Anfrage sagt. «Aktuell gilt das Vorsorgeprinzip, deshalb sind in der Zone S2 jene Pflanzenschutzmittel verboten, die für das Wasser problematisch sein könnten», ergänzt er.

Zudem gelte dort ein Gülleverbot, während in der Zone S3, die als Puffer rund um die Wasserfassung dient, unter anderem kein Obst- oder Rebbau betrieben werden dürfe.
Bucher hält fest, aus seiner Sicht funktioniere das heutige Vorsorgeprinzip, der Vorstoss von Hansjörg Wittwer sei deshalb überflüssig. Er sagt weiter, das Trinkwasser im Aargau sei einwandfrei, wie auch das kantonale Labor festgestellt habe.

Bauernverband unterstützt Verbot von Chlorothalonil

Bucher betont, dass Chlorothalonil mehr als 40 Jahre lang als unbedenklicher Stoff eingestuft worden sei. «Jetzt wurde es als möglicherweise gesundheitsgefährdend eingestuft und wir würden deshalb ein schnelles Verbot des Bundesrats begrüssen. Andernfalls rufen wir zum freiwilligen Verzicht auf, bis Klarheit herrscht.»

Der neue Grenzwert für Chlorothalonil sei sehr tief. «Er liegt bei 0,1 Mikrogramm, das ist ein Millionstel Gramm pro Liter.» Über Chlorothalonil werde nur in Europa diskutiert. «Im Rest der Welt wird das Mittel weiterhin eingesetzt.» Das heisse nicht, dass man dies auch in der Schweiz so machen solle, hält Bucher fest und versichert: «Wir Bauern setzen alles daran, dass das Grundwasser bei uns weltweit weiter zu den besten gehört.»

Bucher, der für die CVP im Grossen Rat sitzt und über Wittwers Vorstoss mitentscheiden wird, stuft die Forderung des Grünen als zu radikal ein. «Es braucht für jedes Problem die richtige Lösung.» Das könne mal ein generelles Verbot für ein Mittel sein, oder mal ein Verbot in Schutzzonen. «Wir sollten aber nicht generell alles verbieten, nichts mehr produzieren und dann einfach importieren», mahnt Bucher.

Ralf Bucher sagt, der Spritzmitteleinsatz in der Landwirtschaft sei in den letzten zehn Jahren um 27 Prozent reduziert worden. Ausserdem sei in Bern eine parlamentarische Initia-
tive mit sogenannten Absenkpfaden für Pflanzenschutzmittel überwiesen worden, es gebe einen Aktionsplan und auch weitere Anreize für noch weniger Pflanzenschutzmittel.

Grünen-Grossrat Hansjörg Wittwer betont derweil, sein Vorstoss ziele nicht nur auf die Landwirtschaft, sondern auf die gesamte Bevölkerung im Aargau. «Die betroffenen Zonen sind bei weitem nicht alle in landwirtschaftlich genutzten Gebieten», hält er fest.

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