Trickbetrüger
Mit gestohlenen Bankkarten 70'000 Franken ergaunert – Zürich gibt den Fall an den Aargau ab

Zwei Männer stehen unter Verdacht, mit gestohlenen Bankkarten hohe Beträge bezogen zu haben. Der Kanton Zürich darf den Fall den Aargauer Behörden abgeben.

Manuel Bühlmann
Drucken
Teilen
Pin-Code abschauen, Karte stehlen und Geld abheben: So ergatterten zwei Männer viel Geld.

Pin-Code abschauen, Karte stehlen und Geld abheben: So ergatterten zwei Männer viel Geld.

Symbolbild: Lev Dolgachov

Die Masche war so dreist wie einträglich: Bankomaten beobachten, PIN-Code merken, Opfer ablenken, Karte stehlen – und Geld abheben. Rund 70'000 Franken sollen zwei Männer auf diese Weise erbeutet haben. Sie werden verdächtigt, zwischen August 2020 und ihrer Verhaftung im Februar 2021 in fünf Kantonen 18 Delikte nach diesem Muster begangen zu haben. Überwachungskameras filmten sie dabei. Mithilfe dieser Bilder konnten zivile Fahnder der Zürcher Stadtpolizei das Duo identifizieren und verhaften.

Der Grossteil der Taten ereignete sich im Kanton Zürich. Im Aargau hingegen wird den beiden Verdächtigen nur ein Vorfall zur Last gelegt: Am 12. August 2020 sollen sie mit einer gestohlenen Bankkarte 1000 Franken bezogen haben. Das Datum ist zentral, weil es sich – nach aktuellem Kenntnisstand der Behörden – um den Auftakt einer Reihe ähnlicher Fälle gehandelt hat. Die erste Anzeige ging im Kanton Aargau ein, weshalb die Zuständigkeit bei den dortigen Behörden liegt. So zumindest sieht es die Strafprozessordnung im Normalfall vor. Doch die Aargauer Staatsanwaltschaft wehrt sich dagegen, das Verfahren zu übernehmen und weist eine entsprechende Forderung aus Zürich zurück.

Ausnahme verlangt – erfolglos

Weil sich die beiden Kantone nicht einigen konnten, muss die Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts die Frage nach der Zuständigkeit klären. Unbestritten ist: Nach den gewöhnlichen Regeln müssten die Aargauer Behörden das Verfahren gegen die beiden Männer fortführen. Auseinander gehen die Meinungen hingegen bei der Frage, ob ausnahmsweise vom gesetzlichen Gerichtsstand abgewichen werden kann.

Sofern triftige Gründe vorliegen, sei dies möglich, hält das Bundesstrafgericht fest. Dafür kann es beispielsweise reichen, dass die Täter hauptsächlich in einem Kanton aktiv waren. Und genau diese Konstellation ist aus Sicht der Aargauer Staatsanwaltschaft gegeben: Zuständig sei der Kanton Zürich, weil es dort zum grössten Teil der Straftaten gekommen sei.

Von dieser Argumentation lassen sich die beiden Richterinnen und der Richter nicht überzeugen. Bei der Anzahl von 18 grundsätzlich gleichgelagerten Vorfälle dränge sich keine Ausnahme auf. «Die Beschwerdekammer erkennt vorliegend keine Not, einen gesetzlich abweichenden Gerichtsstand zu bestimmen», heisst es im aktuellen Beschluss. Für die Behörden im Aargau bedeutet dies: Sie müssen das Verfahren gegen die beiden Verdächtigen führen und ihnen, sollte es zur Anklage kommen, den Prozess machen.

Beschluss der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts BG.2021.25 vom 22. April 2021

Aktuelle Nachrichten