Die Feindseligkeiten unter Asylbewerbern scheinen in letzter Zeit massiv zuzunehmen und werden immer brutaler. Der jüngste Fall geschah gestern Samstag in der Asylbewerberunterkunft beim Kantonsspital Aarau und endete mit dem Tod eines 43-jährigen Iraners.

Die Tat ereignete sich am frühen Morgen. Um 6.45 Uhr erhielt die Einsatzzentrale der Kantonspolizei die Meldung über eine Auseinandersetzung in der Asylbewerberunterkunft. Sofort rückten mehrere Polizeipatrouillen aus und drangen in die verzweigten unterirdischen Räume ein. Dort fanden die Polizisten später zwei schwer verletzte Männer sowie einen blutverschmierten Mann mit einem Messer in der Hand. Dieser liess sich widerstandslos festnehmen.

Beim mutmasslichen Täter handelt es sich um einen 27-jährigen Iraner, auch er wurde bei der Tat verletzt und im Spital ambulant behandelt. «Alle drei Personen sind als Asylbewerber der betroffenen Unterkunft zugewiesen», schreibt die Kantonspolizei in ihrer Meldung. Die genauen Umstände und die Hintergründe der Bluttat seien noch unklar, weshalb die Kantonspolizei intensive Ermittlungen aufgenommen hat.

Messerattacken in Kaiseraugst und Dättwil

Bereits letzten Dienstag, 16. August, wurde bei einem Streit zwischen einem 21-jährigen Marokkaner und einem 22-jährigen Ägypter ein Messer eingesetzt. Bei der Auseinandersetzung in einer Asylbewerberunterkunft in Kaiseraugst erlitt der jüngere der beiden Männer eine Beinverletzung.

Mehrere Patrouillen der Kantonspolizei sowie die Ambulanzbesatzung rückten aus. Zur Unterstützung wurde eine Patrouille der Grenzwache beigezogen. Die beiden Asylbewerber waren offenbar unter Alkoholeinfluss in Streit geraten und wurden von der Polizei vorläufig festgenommen.

Auch bei einer Auseinandersetzung in Baden-Dättwil war ein Messer im Spiel. Am Donnerstag, 18. August, kurz nach 16.30 Uhr, entbrannte in der Asylbewerberunterkunft beim Kantonsspital Baden ein Streit zwischen einem 22-jährigen Somalier und einem 21-jährigen Landsmann. Dabei stach der 22-Jährige mit einem Messer auf seinen Widersacher ein.

Der Sicherheitsdienst schritt sofort ein und brachte den noch gehfähigen Verletzten ins nahe Spital. Dort zeigte sich, dass die erlittenen Wunden im Bereich von Hals und Schulter nicht lebensbedrohlich waren. Allerdings hätte auch dieser Fall leicht tödlich ausgehen können, wäre die Klinge nur wenige Millimeter neben dem Einstichort eingedrungen. Die Staatsanwaltschaft Baden hat deshalb eine Strafuntersuchung wegen versuchter vorsätzlicher Tötung eröffnet.

In beiden Fällen, sowohl in Kaiseraugst als auch in Dättwil, ist der genaue Hergang noch unklar und Gegenstand von weiteren Untersuchungen.

Zufällige Häufung?

Dass in einer einzigen Woche gleich drei Messerstechereien vorkommen, sei wohl eher zufällig, erklärt Bernhard Graser, Sprecher der Kantonspolizei. Man dürfe die Sache jetzt nicht dramatisieren, warnt er. Viele Auseinandersetzungen unter Asylbewerbern haben keinen direkten Bezug zur jeweiligen Unterkunft und erfolgen ausserhalb.

Obwohl 300 Personen auf engstem Raum zusammenleben, gebe es innerhalb der Asylbewerberunterkünfte praktisch keine Vorkommnisse. «Die Gops-Situation ist sicher nicht schuld am Todesfall in Aarau.» Es bestünden aber etliche Fragezeichen in Bezug auf das Motiv. Da alle drei beteiligten Personen aus dem Iran stammen, könnte es sich durchaus um eine Fehde handeln, die ihren Ursprung noch im Iran hat. Erhärtet wird diese Vermutung durch die Tatsache, dass die Messerattacke in den frühen Morgenstunden erfolgte, als alle noch schliefen. Ob ein Streit vorausgegangen war, ist unklar.

«In den Asylbereichen behalten wir die uns bekannten Personen, insbesondere die Eritreer, im Auge», bestätigt Graser. Schlägereien, Pöbeleien und Ladendiebstähle seien inzwischen schon fast an der Tagesordnung, aber Gewaltverbrechen wie die Messerattacken von dieser Woche seien nicht sehr häufig. Eher selten seien zudem Auseinandersetzungen zwischen Angehörigen der gleichen Nation, Personen aus früheren Nachbarländern gerieten sich hingegen schon eher in die Haare.

Toter nach Messerattacke in Asylunterkunft

Toter nach Messerattacke in Asylunterkunft

In der unterirdischen Unterkunft beim Kantonsspital Aarau stach ein Iraner auf zwei Landsmänner ein. Einer stirbt, der andere wird schwer verletzt.