Attelwil
Starke Emotionen und ein steiniger Verlobungsstart

An der Attelwiler Gmeind wurden im Vorfeld zum Fusions-Ja mit Reitnau vielerlei Ängste laut.

Flurina Dünki
Merken
Drucken
Teilen
Die Ammänner Roger Lehner und Regina Lehmann nach dem Ja zur Fusion. fdu

Die Ammänner Roger Lehner und Regina Lehmann nach dem Ja zur Fusion. fdu

Flurina Dünki

Die Emotionen kochten hoch an der Attelwiler Gemeindeversammlung. Während die Reitnauer Gmeind nach 45 Minuten den Fusionsvertrag angenommen hatte, entbrannten ein paar hundert Meter weiter heftige Diskussionen.

Die grösste Befürchtung der Fusionsgegner (44 Prozent stimmten gegen den Antrag) war, dass das ärmere Reitnau (Nettoschuld von 1989 Franken pro Einwohner) das eingebrachte Attelwiler Vermögen von 9524 Franken pro Einwohner aussaugen könnte. Auch die Verabschiedung vom Attelwiler Steuerfuss von 98 Prozent war Grund für Protest. «Reitnau heiratet eine fette Braut», sagte ein Votant. Gemeindeammann Roger Lehner konnte – gestützt durch Fusionsbefürworter – noch so oft betonen, dass der neue Finanzausgleich den Steuerfuss auch ohne Fusion deutlich hochtreiben werde, ohne grosse Wirkung.

Mehrere Votanten zeigten sich wegen des zu vereinenden Ortsbürgerlandes verunsichert. Lehner erklärte, dass der Gemeinderat der fusionierten Gemeinde natürlich anderen Bauern Pachtverträgen ausstellen könne, als der bisherige. «Es gibt nun mal mehr Reitnauer Bauern als Attelwiler, weshalb die Chance besteht, dass es nach Ablauf der Pachtverträge zu Pächterwechseln kommt.» Darauf schlugen mehrere Votanten vor, das Land den Pächtern vor der Fusion zu verkaufen.

Starke Emotionen waren am Donnerstag an die Diskussionen über den Verlust von Identität durch die Übernahme von Reitnaus Namen und Wappen gekoppelt. Gross ist auch die Angst, in der fusionierten Gemeinde zu Bürger zweiter Klasse zu werden. Die Urnenabstimmung am 26. November wird zeigen, ob für die Attelwiler das Dafür oder Dagegen überwiegt.