Photovoltaik
Solardächer: Verfahren wird einfacher, Gegenwehr schwierig

Neu besteht in den meisten Fällen nur noch eine Melde- statt eine Bewilligungspflicht bei Solaranlagen. Die Zustimmung der Gemeinde ist aber in allen Fällen nötig. Die Aargauer Zeitung beantwortet 5 wichtige Fragen zum Entschluss des Bundesrats.

Manuel Bühlmann
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Es wird grundsätzlich einfacher, eine Solaranlage in Betrieb zu nehmen. Dazu reicht es, das Formular von der Website des Kantons (www.ag.ch/ energie) herunterzuladen...

Es wird grundsätzlich einfacher, eine Solaranlage in Betrieb zu nehmen. Dazu reicht es, das Formular von der Website des Kantons (www.ag.ch/ energie) herunterzuladen...

zvg/Regio Energie

1) Der Bundesrat hat beschlossen, die Bewilligungspflicht für Solaranlagen auf Dächern zu lockern. Kann nun jeder Hausbesitzer ohne weiteres eine Anlage installieren?

Nein, dazu ist nach wie vor die Zustimmung der Gemeinde nötig. Neu besteht in den meisten Fällen nur noch eine Melde- statt eine Bewilligungspflicht. Keine Bewilligung braucht es, wenn die Anlage dem Dach genügend angepasst (u. a. reflexionsarm, kompakte zusammenhängende Fläche, von vorn und oben gesehen nicht über Dachfläche hinausragend) und nicht in speziell geschützten Dorf-, Altstadt-, Kern- oder Weilerzonen geplant ist. In diesen Fällen bedarf es nur einer Meldung an die Gemeinde- oder Stadtbehörden.

2) Was heisst das konkret für jene, die eine Solaranlage einrichten möchten?

Es wird grundsätzlich einfacher, eine Solaranlage in Betrieb zu nehmen. Dazu reicht es, das Formular von der Website des Kantons herunterzuladen und zusammen mit Plänen von Gebäude und Anlage ausgefüllt bei der Gemeinde einzureichen.

Meldet sich diese innerhalb von 30 Tagen nicht, kann mit dem Bau begonnen werden. «Günstiger und schneller» sei das neue Verfahren, sagt Hans Jürg Bättig, Rechtsanwalt der Aargauischen Abteilung für Baubewilligungen. Derzeit werden die neue Bauverordnung und damit auch das definitive Meldeverfahren ausgearbeitet.

3) Können sich Nachbarn überhaupt noch gegen einzelne unliebsame Projekte wehren, die nicht mehr bewilligungspflichtig sind?

Ja, aber unter erschwerten Bedingungen. Hans Jürg Bättig spricht in diesem Zusammenhang von einem «grossen Pferdefuss»: Im Meldeverfahren sei keine Mitwirkung von Nachbarn vorgesehen. Theoretisch sei es möglich, im Nachhinein Nachbesserungen zu verlangen. «Das ist erfahrungsgemäss aber schwieriger», sagt Bättig.

Bei der revidierten Raumplanungsgesetzgebung, die am 1. Mai in Kraft getreten ist, handelt es sich um ein Bundesgesetz. Der Kanton Aargau muss die darin vorgesehenen Änderungen übernehmen.

4) Ist durch das erleichterte Verfahren im Aargau mit einem Boom bei Solaranlagen zu rechnen?

Das sei schwierig abzuschätzen, heisst es beim Kanton. Die Förderprogramme hätten wohl einen grösseren Einfluss auf die Entscheide der Bauherren als ein vereinfachtes Bewilligungsverfahren, sagt Felix Arnold, Fachspezialist Haustechnik des Kantons Aargau.

Eine Zunahme von Fördergesuchen sei jedenfalls bisher nicht auszumachen.

5) Wie muss ich vorgehen, wenn ich eine Solaranlage installieren möchte?

Ob die Lage des eigenen Hauses für eine Solaranlage geeignet ist, verrät der Blick auf den Aargauer Solarkataster. Seit Ende letzten Jahres lässt sich auf der kantonalen Website nachschauen, wie hoch die Sonneneinstrahlung auf dem eigenen Hausdach ist.

Sind die Voraussetzungen gegeben, empfiehlt Felix Arnold, die Aargauer Energieberatung zu kontaktieren, wo es unter anderem Infos zum kantonalen Förderprogramm gibt.

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