Sozialversicherung Aargau
So erfolgreich kämpft die Sozialversicherung Aargau gegen den Missbrauch

Die Leistungen aller Sozialwerke im Aargau sind zu einem Milliardending gewachsen. Die Invalidenversicherung hat sich eingependelt, bei den Renten ist man allerdings sehr restriktiv. Überdurchschnittlich viele Renten wurden gestrichen.

Hans Lüthi
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SVA-Direktorin Bergita Kayser (links) und Präsidentin Elisabeth Meyerhans blicken zur Leinwand.

SVA-Direktorin Bergita Kayser (links) und Präsidentin Elisabeth Meyerhans blicken zur Leinwand.

Adrian Metry

«Wir haben einen Durchlauf von zwei Milliarden Franken pro Jahr und Kontakt mit 350000 Personen», sagt Direktorin Bergita Kayser von der Sozialversicherung Aargau. Das ist mehr als die Hälfte der Aargauer Bevölkerung, wenn man nicht nur die Empfänger einrechnet, sondern auch die Beitragszahler via die Firmen und Unternehmen. Alle Rentenzahlungen zeigen deutlich nach oben, mit Ausnahme der Invalidenversicherung (IV) und der Familienausgleichskasse (FAK), welche auf hohem Niveau stagnieren, die IV seit rund fünf Jahren auf 270 Millionen Franken, die FAK bei 142 Millionen Franken. «Man merkt die Folgen der IV-Revisionen», versichert Kayser.

Integration kommt vor Rente

Durch eine neue Definition der Leistungen konnte das frühere Wachstum bei der Invalidenversicherung eingedämmt werden. Angesichts der riesigen Summen sind die noch vorhandenen Missbräuche an einem kleinen Ort – aber die rigorose Bekämpfung ist selbstverständlich nötig und richtig. «Die Observation als Instrument der Ermittlung hat sich bewährt», betont die Direktorin. Eingesetzt werden dafür externe Spezialisten, im letzten Jahr bei 22 von 210 gemeldeten Verdachtsfällen. 27 Renten wurden gestrichen oder reduziert, die Deliktsumme von 115000 Franken wird von den Betroffenen zurückgefordert. Bei den Neurenten ist die Ablehnungsquote mit 54 Prozent überdurchschnittlich hoch. Entgegen dem früheren Abschieben von nicht voll arbeitsfähigen Mitarbeitenden in die IV spielt heute das Gegenteil: Die Zahl der eingegliederten und vermittelten Personen stieg um 40 Prozent auf 1049. Das Schlagwort «Integration vor Rente» beginnt zu greifen, es spart Geld und stärkt das Selbstwertgefühl der Betroffenen.

Deutliche Zunahme bei der AHV

Die AHV als wichtigstes Sozialwerk wird alle zwei Jahre an die Löhne angepasst, per Anfang 2011 um 1,75 Prozent. «Das sind klare Vorgaben des Bundes, der Kanton kann hier nichts bestimmen», betont Kayser. Vor vier Jahren bewegte sich die AHV-Summe im Kanton noch unter einer Milliarde Franken, letztes Jahr stiegen die ausbezahlten Gelder um 51 auf 1167 Millionen Franken. Das hat natürlich stark mit der demografischen Entwicklung zu tun.

Ein Instrument gegen Missbrauch ist das neue Familienzulagenregister, mit dem 53 Fälle von doppelten Zahlungen aufgedeckt werden konnten. Dies bei 45000 Kindern im Kanton, für die es bis 16 Jahre 200 Franken und in Ausbildung bis 25 Jahre 250 Franken monatlich gibt. Stark gewachsen ist die Prämienverbilligung, von 221 auf 237 Millionen Franken.

Verbesserung der Effizienz

Auch die interne Organisation der Sozialversicherung Aargau ist laut ihrer Direktorin deutlich verbessert worden. Für eine neue IT-Plattform habe man 32000 Stunden aufgewendet, um jetzt einen besseren Kontakt zu den Kunden zu haben. «Diese haben von der Umstellung nichts bemerkt, alle Renten sind termingerecht bezahlt worden», betont Bergita Kayser nicht ohne Stolz. Bei den offenen Rentengesuchen konnten die Pendenzen massiv abgebaut werden, von rund 2800 auf nur noch 773 Gesuche. Das entspreche jetzt einem normalen Arbeitsvorrat bei der SVA. Bei der Investition im Bahnhof Aarau habe man den Kredit von 7,5 Millionen um 300000 Franken unterschritten, dank sparsamem Umgang.

Hierarchie breiter abstützen

Das massive Personalwachstum der SVA selber ruft nach einer revidierten Organisation. «Wir wollen die Hierarchie breiter abstützen und die Bereichsleiter stärker in die Verantwortung einbeziehen», betont Präsidentin Elisabeth Meyerhans Sarasin von der Verwaltungskommission der SVA Aargau am Rande der Medienorientierung. Heute ist die Direktorin allein zuständig und wird durch den Regierungsrat gewählt. Die nötige Änderung bedinge eine kleine Gesetzesrevision, die auch die Wahl-Zuständigkeiten klären und regeln müsse.

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