Energiegesetz

Sie fressen einen Fünftel des Stroms – was geschieht mit 13'000 Elektroheizungen

Rot-Grün will Elektroheizungen nicht mehr in Betrieb.

Rot-Grün will Elektroheizungen nicht mehr in Betrieb.

Elektroheizungen verbrauchen im Winter bis zu 20 Prozent des Stroms. Deshalb will Rot-Grün solche Heizungen mit Wasserverteilsystemen im Kanton Aargau bis in 15 Jahren nicht mehr in Betrieb sehen.

Elektroheizungen wurden im Kanton Aargau vor allem in den 1970er- und 1980er-Jahren propagiert und in Gebäuden als Hauptheizung eingebaut. Seit 1990 sind gut 13'000 Anlagen in Betrieb. Das Problem: Im Winterhalbjahr «fressen» sie 15 bis 20 Prozent des Stroms.

Jetzt verlangen die neusten Mustervorschriften der Kantone eine Sanierungspflicht für solche Heizungen binnen 15 Jahren. Dies, weil die Sicherstellung der Stromversorgung in Zukunft schwierig wird. Denn die meisten für den Ersatz der Kernenergie (die in der Schweiz bis 2035 sukzessive ausläuft) zur Verfügung stehenden Energien sind sommerlastig.

Deshalb sei es besonders wichtig, so die Argumentation der kantonalen Energiedirektoren, dass der Stromeinsatz im Winterhalbjahr effizient erfolgt. Dies ist bei Elektroheizungen nicht der Fall. Mit deren Ersatz durch eine Wärmepumpe könnte der Stromverbrauch auf einen Drittel oder noch weniger gesenkt werden. Täte man dies, müsste man auch weniger Stromproduktionsanlagen zubauen, um die Kernenergie zu ersetzen.

Regierung will auf Sanierungspflicht verzichten

Aufgrund der mehrheitlich negativen Rückmeldungen aus einer vorgängigen Anhörung verzichtet die Aargauer Regierung aber auf die Umsetzung dieser Sanierungspflicht. Dies, weil sich diese Heizsysteme bereits heute dem Ende ihres Lebenszyklus nähern und amortisiert sind. Aber auch, weil Heizen mit Strom sehr teuer ist, und es gewiss auch im Interesse der Eigentümer ist, diese kostspielige Heizung bald zu ersetzen.

Allerdings dürfen – so entschied es in der ersten Gesetzesberatung im September der Grosse Rat – ortsfeste Elektroheizungen nicht als Zusatzheizung eingesetzt werden. Die Passage wurde ins Gesetz aufgenommen, weil eine Firma, die elektrische Direktheizgeräte verkauft, ihr Produkt damit bewarb, einen Schwedenofen gratis mitzuliefern, da die Elektroheizung dann als Notheizung gälte und so die gesetzlichen Anforderungen erfüllt seien. Diese Umgehungsmöglichkeit soll mit der neuen Bestimmung im Gesetz verunmöglicht werden.

Gebäudeanalyse kostet bis zu 2500 Franken

Als Alternative will die Regierung betroffene Eigentümerinnen und Eigentümer verpflichten, innerhalb von zehn Jahren einen sogenannten «GEAK Plus» ausstellen zu lassen, der ihnen wirtschaftliche Handlungsoptionen zum Ersatz ihrer Elektroheizung aufzeigt. So eine Gebäudeanalyse mit Vorgehensberatung kostet für ein Einfamilienhaus zwischen 2000 und 2500 Franken. Der Kanton unterstützt dessen Erstellung derzeit mit 800 Franken.

Der Neubau zentraler Elektroheizungen für die Gebäudebeheizung ist im Aargau übrigens seit 2012 nicht mehr zulässig. Kleine Elektroöfeli sind davon aber nicht betroffen, wenn sie ergänzend zu bestehenden Heizungssystemen eingesetzt werden und der Komfortwärme dienen.

Minderheit: Elektroheizungen müssen in 15 Jahren raus

Mit dem Verzicht auf eine Sanierungspflicht ist allerdings eine Minderheit der vorberatenden Kommission im Grossen Rat nicht einverstanden. Von links wird am 3. März in der Debatte der Antrag kommen, bestehende ortsfeste Elektroheizungen mit Wasserverteilsystem binnen 15 Jahren (wie es die Mustervorschriften postulieren) durch andere, natürlich umweltfreundlichere Heizungen zu ersetzen.
Die Befürworter einer solchen zeitlichen Limite werden anführen, dass man allein mit dem Ersatz aller Elektroheizungen den Stromverbrauch im Winterhalbjahr spürbar reduzieren könne.

Dieser Teil der Vorlage ist allerdings nicht nur von linker Seite umstritten, sondern auch von rechts. Zur Debatte steht am 3. März nämlich auch ein Minderheitsantrag von rechts, der die Pflicht zur Erstellung eines «GEAK Plus» wieder aus dem Gesetz streichen lassen will.

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