Sozialversicherung Aargau
Schon wieder neuer Chef: Personelle Turbulenzen bei der Aargauer IV-Stelle

Die Sozialversicherungen Aargau (SVA) bekommen schon wieder einen neuen IV-Chef. Er heisst Daniel Roth. Der Bisherige ging von der Öffentlichkeit unbemerkt. Doch damit nicht genug der Personalwirren. Die SVA-Direktorin ist seit längerem abwesend.

Urs Moser
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Direktorin Bergita Kayser (l.) und Präsidentin Elisabeth Meyerhans.

Direktorin Bergita Kayser (l.) und Präsidentin Elisabeth Meyerhans.

AM

Wechsel bei SVA, den Sozialversicherungen Aargau: Ab Mai übernimmt Jurist und Ökonom Daniel Roth die Leitung der IV-Stelle. Er wechselt aus der Geschäftsleitung der XL Insurance zur SVA. Die Personalie ist insofern bemerkenswert, als gar nie darüber informiert wurde, dass Stelleninhaber Allessandro Tani nach gut einem Jahr schon wieder genug hatte von seinem Job und den Posten Ende Jahr räumte. Immerhin ist der IV-Stellenleiter nicht irgendein Verwaltungsangestellter, sondern gehört zum Top-Kader einer Organisation, die in der Rechtsform einer selbstständigen öffentlichen Anstalt über 400 Mitarbeiter beschäftigt und die Auszahlung von zwei Milliarden Sozialversicherungsleistungen abwickelt.

IV-Chef: ein heisser Stuhl

Der Grosse Rat segnet jährlich den Geschäftsbericht ab, ansonsten agiert die SVA von der Politik weitgehend unbeachtet. Der Abgang des vorletzten IV-Stellenleiters führte 2010 zu einer Interpellation der SP-Fraktion. Der Regierungsrat ging in seiner Antwort «aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes» nicht näher auf die «unterschiedlichen Auffassungen über die von der Verwaltungskommission vorgegebenen Strategien» ein, die zur wie üblich im gegenseitigen Einvernehmen erfolgten Trennung führten. Die Verwaltungskommission ist das vom Regierungsrat gewählte oberste Organ der SVA. Die IV-Stelle wurde nach dem Abgang des Stellvertreters über ein Jahr lang interimistisch von Direktorin Bergita Kayser selbst geführt. Verwaltungskommissionspräsident Fredy Böni (SVP-Grossrat und Gemeindeammann von Möhlin) hat unterdessen den Hut genommen und wurde im März 2012 durch Elisabeth Meyerhans ersetzt, einstige Generalsekretärin von alt Bundesrat Hans-Rudolf Merz. Die lange Vakanz bei der IV-Stelle war darauf zurückzuführen, dass man sich über die Neubesetzung der Stelle offensichtlich nicht einig geworden war und das ganze Auswahlverfahren mit Assessment für die Bewerber wiederholt werden musste.

Ein reges Kommen und Gehen

Unter Kaysers Regime sank der Pendenzenberg und die bis dato im interkantonalen Vergleich längste Behandlungsdauer von IV-Rentengesuchen nahm ab. Es wiederholten sich aber auch Klagen über den Führungsstil der SVA-Chefin. Vorgebracht wurden und werden die Beschwerden über das Arbeitsklima unter Kayser oft anonym oder von ehemaligen und aktiven SVA-Mitarbeitern, die zumindest auf Wahrung ihrer Anonymität gegenüber der Öffentlichkeit bestehen. Dementsprechend sind die Klagen im Zusammenhang mit sich häufenden, mehr oder weniger freiwilligen Abgängen mit Vorsicht zu geniessen. «Wir haben Veränderungsbedarf bei den Strukturen», sagt dazu SVA-Präsidentin Meyerhans. Was aber die Person der Direktorin betreffe, so sei Bergita Kayser «eine starke Chefin, die den Betrieb zusammenhält und wesentlich zu seinem Fortkommen beigetragen hat.» Meyerhans bestätigt neben dem neuerlichen Wechsel an der Spitze der IV-Stelle folgende Vor- und Abgänge im Kader allein im letzten Jahr:

Direktorin Bergita Kayser selbst ist seit einiger Zeit krankgeschrieben. Seit wann genau und warum, darüber gibt es «aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes» keine Auskunft. Kayser wird Anfang März wieder auf dem Posten erwartet.

Ebenfalls krank: Der Bereichsleiter Ausgleichskasse, Adrian Bryner. Seit wann und warum? No Comment, er fällt voraussichtlich ebenfalls bis März aus.

Gekündigt hat letztes Jahr die Leiterin des Rechtsdienstes.

«Auf eigenen Wunsch» ist auch der Leiter des Personaldienstes, von seinem Posten zurückgetreten.

Vor dem Abgang steht auch der Leiter der Abteilung IV-Leistungen, Kurt Stauffer

«Übliche Fluktuation»

Von der fünfköpfigen Geschäftsleitung des Zwei-Milliarden-Betriebs dürften so zeitweilig nur Generalsekretär Karsten Poppe und die erst seit November als Bereichsleiterin Finanzen und Ressourcen tätige Inge Hubacher an Bord gewesen sein. Elisabeth Meyerhans spricht von einer üblichen Fluktuation. Wegen zahlreicher neuer Aufgaben sei die SVA in den vergangenen Jahren stark gewachsen und müsse nun ihre Führungsstrukturen und -Prozesse weiterentwickeln. Zu solchen Veränderungsprozessen gehöre auch, dass sie nicht alle mittragen können oder wollen.

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