Bereits zum vierten Mal nimmt FDP-Präsident Philipp Müller vis-à-vis von Talkmaster Roger Schawinski Platz. Dabei hatte er bei seinem letzten Besuch in der Sendung Anfang Jahr angekündigt, erst nach einer Niederlage bei den Wahlen wieder bei Schawinski aufzutreten. Dann würde er sich von diesem fertig machen lassen. Dieses Gelübde schien aber bei beiden in Vergessenheit geraten zu sein.

Philipp Müller ist die Routine im Fernsehstudio anzumerken, geduldig gibt er Antwort lässt Schawinski auch mal mit einem Lächeln ein Duell gewinnen. Während er in vergangenen Sendungen Schawinskis Redeschwall noch bis zu elf Mal mit einem ‹Chabis› zu ersticken versuchte, rutschte ihm dieses Mal nur ein einziges raus. Schawinski gewährte ihm noch sieben zusätzliche ‹Chabis›, Müller machte von diesem Angebot allerdings nicht Gebrauch.

Philipp Müller zu Gast bei Roger Schawinski am 31.08.15

FDP-Präsident Philipp Müller zu Gast bei Roger Schawinski

Die FDP soll sexy werden

Schawinski beginnt die Runde nicht mit der gewohnten Frage «Wer sind Sie?», sondern wollte wissen, was Müller werden wollte. Die Antworte fällt Müller leicht, er wollte Gipser werden und ist es auch geworden.

Schawinski gibt sich mit dieser Antwort nicht zufrieden und zeigt ein Video, das Müller am «Tag der FDP» auf der Bühne zeigt, wo er gesteht, sich vor so vielen Leuten wie Mick Jagger zu fühlen. «Sie wollten Rockstar werden», meint Schawinski.

Müller lässt diese Behauptung unkommentiert, leitet aber sogleich zu seinem Besuch beim Konzert der Rolling Stones in Zürich über, wo er am Boden sass und eine Bratwurst verzehrte. Das sei beste Werbung für die Partei gewesen, freut sich Müller.

Die Partei solle authentisch wirken. «Ist das Teil ihrer Aktion, die FDP sexy werden zu lassen?», will Schawinski darauf wissen. Müller wiegelt ab, «sexy werden heisst, so zu reden, dass die Leute uns verstehen».

Auch die nächste Frage dreht sich um ein Zitat von Müller, in dem betont, dass die FDP nicht um des Wahlkampfs Willen Wahlkampf betreibe. Schawinski versteht nicht, wie man auf diese Idee kommen könnte, Müller holt zu einer Erklärung aus: «Der Hintergrund ist, dass die Leute den Wahlkampf schon hier oben haben.

Sprüche von Politikern, wunderschöne Plakate, ich verstehe, dass sich die Leute irgendwo nerven», sagt Müller. Dennoch führt kein Weg daran vorbei, die FDP müsse Wahlkampf machen. Schawinski zeigt für diese Erklärung kein Verständnis und kommentiert sie mit gespielt ungläubigen Zwischenrufen.

Doch dann ist Schluss mit dem Vorgeplänkel, Schawinski lenkt das Gespräch auf die Affäre Markwalder, die für die FDP zu einer Krise hätte werden können. Er wirft dem Parteipräsidenten vor, die Nerven verloren zu haben und eine der profiliertesten Parlamentarierinnen ohne zu zögern abgetischt zu haben.

Da kann sich Müller ein «Chabis» nicht verkneifen. Markwalder habe alles auf den Tisch legen müssen, versucht er zu erklären, schlussendlich sei die Entscheidung bei den zuständigen Kommissionen gewesen. Müller ist das Thema sichtlich unangenehm, Schawinski lässt Gnade walten und wechselt zu einer anderen brisanten Angelegenheit.

FDP hat eine Lösung für Asylkrise

Kurz vor den Wahlen präsentiert die FDP ihre eigene Lösung zur Flüchtlingsfrage, indem sie vorschlägt, vermehrt vom Status Schutzbedürftige Personen Gebrauch zu machen. «Der Vorteil von diesem Status ist, dass die Leute hier bleiben dürfen, dass sie bekommen, was sie nötig haben, Sicherheit, medizinische Versorgung, Kleider Nahrung, aber keine Sozialhilfe.

Dazu kommt die Option, dass sie zurückgeschafft werden können, wenn sich die Situation im Herkunftsland in absehbarer Zeit bessert.» Schawinski ist nicht überzeugt und weist auf die Entwicklung der Weltpolitik hin, die nicht annehmen lässt, dass beispielsweise in Syrien in den nächsten Jahren wieder bessere Lebensbedingungen entstehen.

Kann man denn die Flüchtlinge nach fünf oder zehn Jahren wieder zurückschicken? Müller beantwortet diese Frage mit Nein, kann aber keine konkrete Anzahl Jahre liefern, die ausschlaggebend für eine Rückschaffung sein würden.

Wichtig ist ihm, dass Flüchtlinge nicht schon gleich bei Ankunft integriert werden, dass könne immer noch später geschehen, wenn eine Rückschaffung nicht möglich sei.

Schawinski lenkt das Gespräch als nächstes auf die Bundesratswahlen als Folge der Parlamentswahlen. Bei der Diskussion um die Bedingungen, unter welchen die FDP einen zweiten SVP-Bundesrat unterstützen würden, lässt sich Müller provozieren und verliert mit einem «Herrgottstärne» kurz die Contenance.

Schawinski zitiert einen Zeitungsartikel, in dem Müller erklärt hat, dass ein zweiter SVP-Bundesrat die parteieigene Haltung in Sachen Menschenrechtskonvention und Bilateralen ablegen müsse. Toni Brunner habe auf diesen Artikel mit Entsetzen reagiert, meint Schawinski. «Toni Brunner ist berufsentsetzt», kontert Müller lakonisch. Auch bei diesem Thema finden die beiden keine Einigung.

Schawinski bleibt beim Bundesrat und kritisiert FDP-Vertreter Johann Schneider-Ammans Haltung bei der Aufhebung des Euro-Mindestkurses. «Ist er zu wenig sexy?», fragt er. Das ist für Müller zu viel, Schawinski erntet erneut ein aufgebrachtes «Herrgottstärne». Seine Erklärungsversuche wie Schneider-Ammanns Gespräche mit den Firmen und 18 Monate Kurzarbeitsversicherung stossen nicht auf Begeisterung.

Damit ist die Sendung auch schon fast zu Ende. Schawinski lässt dem Freisinnigen noch Zeit für ein letztes Zitat, dass Churchill entliehen wurde: «Kapitalismus ist die ungleiche Verteilung von Kapital, Sozialismus ist die gleiche Verteilung von Armut.» (jgl)