Repetitive Tests
Weil nur jedes sechste Solothurner Schulkind getestet wird: Schulleiter wünschen sich eine Testpflicht – das meint das Volksschulamt dazu

Einmal die Woche in ein Röhrchen spucken, um herauszufinden, ob man allenfalls andere Kinder oder Lehrpersonen gefährdet: Das tut im Moment eins von sechs schulpflichtigen Kindern im Kanton. Von einer Testpflicht will das Volksschulamt aber nichts wissen.

Raphael Karpf
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Ausbruchsuntersuchungen an Schulen sind auch im Kanton Solothurn wieder vermehrt notwendig.

Ausbruchsuntersuchungen an Schulen sind auch im Kanton Solothurn wieder vermehrt notwendig.

Severin Bigler

Mittlerweile hört man täglich von Schulen, in denen einzelne Kinder oder gleich ganze Klassen in Quarantäne gesteckt werden müssen. Dabei wird in den meisten Schulen gar nicht regelmässig getestet. Rund zwei Drittel der Schulträger der Volksschule haben sich gegen repetitive Tests nach den Sommerferien entschieden. Langsam sinkt diese Zahl aber. 14 weitere Schulen wollen demnächst mit repetitiven Tests anfangen.

In denjenigen Schulen, in denen getestet wird, können die Eltern selbst entscheiden, ob ihr Kind einmal die Woche in ein Röhrchen spucken muss oder nicht. In manchen Klassen hätte die Hälfte der Eltern diese Einwilligung nicht gegeben, erzählt ein Schulleiter.

In Zahlen ausgedrückt bedeutet das: Vergangene Woche haben sich rund ein Sechstel aller schulpflichtigen Kinder im Kanton testen lassen. Anders ausgedrückt: Bei einer grossen Mehrheit der Kinder bekommt man es gar nicht mit, wenn sie positiv sind und andere Kinder oder Lehrpersonen anstecken.

Bringen die repetitiven Tests überhaupt etwas, wenn nur jedes sechste Kind mitmacht? Ja, findet Andreas Walter, Leiter des Volksschulamts: «Repetitive Tests helfen, die Situation vor Ort einzuschätzen und die Massnahmen zu steuern.» Die Tests seien eine wertvolle Ergänzung zu den geltenden Schutzmassnahmen.

Empfehlung Ja, Pflicht Nein

Der Kanton und auch das BAG empfehlen den Schulen, diese Tests zu machen. Eine Testpflicht ist im Moment aber kein Thema. Eine solche würden sich mehrere Schulleiter allerdings wünschen. Ein Gesamtschulleiter sagt:

«Momentan ist es uns nicht mehr wohl, da in den Klassen Kinder sitzen dürften, die positiv sind und wir nichts davon wissen.»

Eine kantonal angeordnete Testpflicht würde zudem den Schulen mehr Sicherheit geben, weil sie sich auf einen Beschluss abstützen könnten, findet er.

Ob eine Testpflicht rechtlich durchsetzbar wäre, scheint zumindest nicht gänzlich abwegig. Im Epidemiengesetz heisst es: «Die zuständigen kantonalen Behörden ordnen Massnahmen an, um die Verbreitung übertragbarer Krankheiten in der Bevölkerung oder in bestimmten Personengruppen zu verhindern.» Insbesondere werden auch Schulen erwähnt: Diese könne der Kanton wenn nötig schliessen, oder aber «Vorschriften zum Betrieb verfügen».

Die konkrete Frage, ob der Kanton Eltern grundsätzlich zwingen könnte, ihre Kinder regelmässig testen zu lassen, beantwortet das Volksschulamt nicht. Stattdessen wird die Freiwilligkeit und der Nutzen der Tests betont. Zudem schreibt Walter: «Die Zustimmung mit Einverständniserklärung der Eltern spiegelt die aktuelle Einschätzung zur Notwendigkeit und Dringlichkeit von Testungen wider.» Etwas freier formuliert: Eine Testpflicht sei im Moment unnötig. Die Entscheidungshoheit liegt bis auf weiteres bei den Eltern.

Dass insgesamt nur wenige Schulen bei den repetitiven Tests mitmachen, dürfte auch daran liegen, dass die Tests einen gewissen Aufwand bedeuten. Dieses Problem hat man auch beim Volksschulamt erkannt. Allerdings schreibt Walter: «Der Kanton hat bereits bei der Planung eine möglichst schlanke und rechtlich korrekte Umsetzung aufgegleist. Diese ist kaum weiter zu vereinfachen.»

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