Poststellenabbau

Post führt 17 Filialen im Aargau nicht selber weiter – SVP-Grossrat sieht Vorteile, SP-Präsidentin ist enttäuscht

An acht Standorten im Aargau ist die Überprüfung der Postfilialen noch nicht abgeschlossen.

An acht Standorten im Aargau ist die Überprüfung der Postfilialen noch nicht abgeschlossen.

In den letzten zwei Jahren wurden 32 Standorte überprüft – 8 Standorte sind weiter von der Schliessung bedroht, an 24 Orten wurde eine Lösung gefunden.

Im Juni 2017 gab die Schweizerische Post bekannt, dass im Rahmen der Reorganisation ihres Filialnetzes die Schliessung von 32 Poststellen im Kanton Aargau geprüft werde. Dieser Prozess soll bis ins Jahr 2020 abgeschlossen sein. 45 weiteren Filialen hat die Post den Weiterbetrieb bis zu diesem Zeitpunkt garantiert.

Eine Nachfrage der AZ zeigt nun, dass mehr als die Hälfte der überprüften Filialen nicht durch die Post selber weitergeführt werden. An zwölf Standorten wurden die Postfilialen bereits durch Partnerfilialen ersetzt, wie Post-Mediensprecher Markus Werner auf Anfrage mitteilt. In fünf Fällen sei der Entscheid gefallen, die Poststellen durch Partnerfilialen zu ersetzen. Die Umstrukturierung in diesen Gemeinden soll in den nächsten fünf Wochen erfolgen.

In sieben weiteren Fällen habe die Überprüfung ergeben, dass die bisherigen Postfilialen unverändert weitergeführt werden können, sagt Werner. Dies ist an den Standorten in Ehrendingen, Magden, Merenschwand, Oberlunkhofen, Oberrohrdorf, Othmarsingen und Würenlos der Fall.

Noch nicht abgeschlossen ist die Überprüfung an acht Standorten im Aargau, dort ist eine Schliessung der Filialen also weiterhin möglich. Um ihre Poststelle zittern müssen derzeit noch Baden (Filialen am Cordulaplatz und in Dättwil), Kölliken, Murgenthal, Rudolfstetten, Rupperswil und Wettingen (Filialen an der Seminarstrasse und an der Bahnhofstrasse).

SVP-Grossrat sieht Vorteile bei Postagenturen in Läden

Daniel Urech ist Geschäftsleitungs- Mitglied der Landi Freiamt, die heute schon mehrere Postfilialen in ihren Volg-Läden betreibt. «Für die Kundschaft hat die Umwandlung von Postfilialen in Agenturen einige Vorteile», sagt Urech, der auch SVP-Grossrat ist. So seien zum Beispiel die Öffnungszeiten der Agenturen deutlich länger als bei herkömmlichen Postfilialen, vor den Läden seien Parkplätze vorhanden und die Kunden kämen schneller zu ihren Postgeschäften.

«In unseren Volg-Läden steht ein Selbstbedienungsterminal, an dem die Kunden zum Beispiel ihre Briefe aufgeben können», erklärt Urech. Der Brief wird gewogen, der Kunde entscheidet, ob er diesen per A- oder B-Post oder zum Beispiel als Einschreiben verschicken will, dann wird eine Etikette ausgedruckt. «Was in der herkömmlichen Postfiliale das Personal macht, lässt sich so einfach von den Kunden selber erledigen», sagt Daniel Urech. Die Bedienung des Post-Terminals sei selbsterklärend, die Kundschaft sei nach zwei bis drei Trainings rasch damit vertraut. Urech räumt ein, dass es Postgeschäfte gebe, die in der Agentur nicht erledigt werden können. «Wir haben aber keinerlei negative Reaktionen der Kundschaft, die Leute sind zufrieden», sagt er.

SP-Präsidentin ist enttäuscht, weil Post nicht auf Kritik eingehe

Die SP hat 2018 per Standesinitiative versucht, die Schliessung von Poststellen zu verhindern. Dafür fand sie im Grossen Rat keine Mehrheit, und auch Petitionen und Kundgebungen hätten offensichtlich wenig bewirkt, sagt Parteipräsidentin Gabriela Suter. «Es war leider zu erwarten, dass die Post nicht auf den massiven Widerstand in der Bevölkerung eingeht», sagt sie. Sie sei deshalb enttäuscht, aber nicht erstaunt über die niedrige Zahl von sieben Filialen, die von der Post selber weitergeführt würden.

Die Umwandlung in eine Agentur sei sicher besser als eine Schliessung, sagt Suter. Agenturen würden aber nicht die gleichen Dienstleistungen erbringen wie Poststellen. «Betroffen vom eingeschränkten Service sind zum Beispiel Personen, die Rechnungen nicht online begleichen wollen und ältere Menschen, die nicht mehr so mobil sind», sagt Suter. Auch für Kleingewerbler, deren Kunden oft mit Bargeld zahlen und die keine Einzahlungen machen könnten, sei eine echte Filiale besser. «Zudem ist bei einer Postagentur im Lädeli die Diskretion nicht gewährleistet», kritisiert Suter.

Die Post sei ein Staatsbetrieb und gehöre zum Service public, hält die SP-Politikerin fest. «Sie hat ihren Auftrag für die Allgemeinheit ohne Wenn und Aber zu erfüllen und muss sich an den Bedürfnissen der Bevölkerung orientieren», fordert Suter. In Aarau Rohr hätten sich bei einer Umfrage unter 200 Unternehmen über 90 Prozent dafür ausgesprochen, die Poststelle weiterzuführen. «Dass sie nun doch in eine Postagentur umfunktioniert wurde, zeigt, wie wenig die Post auf die Bedürfnisse eingeht», kritisiert die neu gewählte Nationalrätin.

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