Wasserqualität

Pestizide: Aargau hat keine Zahlen – Regierungsrat unterstützt Chlorothalonil-Verbot

Das Bundesamt für Landwirtschaft verbietet Pflanzenschutzmittel, die das Fungizid Chlorothalonil enthalten. (Symbolbild)

Das Bundesamt für Landwirtschaft verbietet Pflanzenschutzmittel, die das Fungizid Chlorothalonil enthalten. (Symbolbild)

Der Regierungsrat unterstützt ein Chlorothalonil-Verbot, weiss jedoch nicht, wie häufig das Spritzmittel in der Landwirtschaft im Kanton eingesetzt wird.

Gleich mehrere Wasserfassungen und Pumpwerke mussten im Aargau vom Netz genommen werden, weil die Belastung mit dem Pflanzenschutzmittel Chlorothalonil zu gross war. Noch immer ist nicht klar, welche Gemeinden betroffen sind – und das wird auch so bleiben. Dies geht aus der Antwort des Regierungsrats auf Vorstösse der SP-Grossräte Thomas Leitch und Martin Brügger sowie des GLP-Grossrats Adrian Bircher hervor. Darin räumt die Regierung ein, dass die Bevölkerung wegen der «Rückstandssituation in den Trinkwasserressourcen» verunsichert sei.

Dennoch hält der Kanton an seiner umstrittenen Praxis fest, die Resultate der Untersuchungen in den Gemeinden nicht zu publizieren. Das Amt für Verbraucherschutz sei nur bei einer akuten Gesundheitsgefährdung, zum Beispiel durch Fäkalkeime im Trinkwasser, zur Information der Bevölkerung verpflichtet. In allen übrigen Fällen, also auch bei zu hohen Chlorothalonil-Werten, sei das Amt an die gesetzliche Schweigepflicht gebunden. Die Regierung hält fest, «die Aufnahme von Trinkwasser mit geringer Überschreitung des Grenzwertes während einer begrenzten Zeit» bringe kein höheres Gesundheitsrisiko mit sich. Auch wenn die Grenzwerte überschritten seien, dürfe belastetes Trinkwasser noch zwei Jahre abgegeben werden, «wenn Sofortmassnahmen nicht oder nur mit unverhältnismässig hohem Aufwand umsetzbar sind». Gemeinden seien verpflichtet, die Bevölkerung mindestens ein Mal pro Jahr über die Qualität des Trinkwassers zu informieren. Tun sie dies nicht, könne das Amt für Verbraucherschutz die Resultate bei der örtlichen Wasserversorgung beschaffen und selber publizieren. Grundsätzlich liege die Hoheit über diese aber bei den Gemeinden.

Nicht beantworten kann die Regierung die Frage, wie viel Chlorothalonil im Aargau eingesetzt wird. Es gebe im Kanton keine entsprechende Statistik, aus den gesamtschweizerischen Zahlen – 2017 waren es rund 45 Tonnen – lasse sich die verwendete Menge im Aargau nicht ableiten. Chlorothalonil wird unter anderem in Getreide- und Gemüsekulturen gegen Pilzbefall eingesetzt. Laut der Regierung gibt es im Aargau gut 7080 Hektaren Land, die mit dem Pestizid behandelt werden könnten – das sind knapp 12 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche.

Die Regierung unterstützt ein Verbot von Chlorothalonil durch den Bundesrat, das seit einiger Zeit erwartet wird. Es sei unklar, ob rasch ein technisches Verfahren entwickelt werden könne, um den Stoff aus dem Wasser zu entfernen. Zudem habe der Kanton keine Übersicht, bei welchen Wasserfas­sungen das Verdünnen der Rückstände mit unbelastetem Wasser mit vertretbarem Aufwand möglich sei. Glücklicherweise hätten die meisten Wasserversorgungen mehrere Standbeine – also diverse Fassungen von Trink- und Quellwasser oder Bezugsrechte von Nachbargemeinden. Schwierigkeiten könnten sich aber ergeben, wenn ­mehrere Grundwasserfassungen mit Chlorothalonil belastet sind. 

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