Corona-Effekt

Öffentlicher Verkehr wird reduziert: Ab morgen gilt bei SBB und Postauto nur der Online-Fahrplan

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Noch am letzten Freitag hatte Aargauer Verkehrsdirektor Stephan Attiger betont, man wolle das ÖV-Angebot voll aufrechterhalten. Nun kommt es doch anders? Attigers Ziel ist es, möglichst durchgängige Transportketten sicherzustellen.

Auf Grund des markanten Rückgangs der Passagierfrequenzen bereiten SBB und PostAuto im Auftrag des Bundesrates eine Reduktion des Angebots des öffentlichen Verkehrs (ÖV) vor. Das wurde am Montag an der Medienkonferenz der Aargauer Regierung bekannt.

Laut Verkehrsdirektor Stephan Attiger haben dabei die SBB für die Bahn und die Postauto AG für alle pneubasierten Verkehrsbetriebe die Themenführerschaft inne. Attiger sagte zur Ausdünnung: «Wir stehen dem eher kritisch gegenüber. Aber wenn es dazu dient, dass der ÖV aufrechterhalten werden kann, ist das sicher eine geeignete und richtige Massnahme.» Konkret müssen sich die ÖV-Nutzerinnen und –nutzer darauf einstellen, dass etwa vom Viertel- auf den Halbstunden- oder vom Halbstunden- auf den Stundentakt gewechselt wird.

Noch am letzten Freitag hatte Attiger betont, man wolle das ÖV-Angebot voll aufrechterhalten. Warum kommt es jetzt doch anders? «Wenn eine Ausdünnung des Angebots am Ende bedeutet, dass der öffentliche Verkehr aufrechterhalten bleibt, ist diese Massnahme richtig», sagt der Verkehrsdirektor dazu.

Es stellt sich die Frage, was die Reduktion von Verbindungen für die Platzverhältnisse in den einzelnen Bussen und Zügen bedeutet. Attiger attestiert: «Wird das Angebot ausgedünnt, stehen weniger Plätze zur Verfügung, sodass die Fahrgäste eher wieder enger zusammen reisen werden. Bund, SBB und PostAuto gehen auf Grund der rückläufigen Passagierzahlen aber davon aus, dass die Nachfrage soweit zusammenbricht, dass die Distanzregeln auch bei ausgedünntem Angebot eingehalten werden können.»

Mit Krankheitsausfällen ist auch beim ÖV zu rechnen

Angestrebt werde, ein Grundangebot möglichst lange mit dem zur Verfügung stehenden Personal aufrechtzuerhalten. Auch beim ÖV müsse vermehrt mit krankheitsbedingten Ausfällen gerechnet werden. Da die Verkehrsräume über die Kantonsgrenzen hinaus gehen, sei überdies eine «schweizweite, übergeordnete Koordination durch die Systemführer das richtige Vorgehen», sagt Attiger weiter. Seine Mitarbeitenden haben bereits erste Überlegungen zur Unterstützung der beiden Systemführer SBB und PostAuto eingereicht: «Ziel ist es, möglichst durchgängige Transportketten sicherzustellen.» Dies werde eine grosse Herausforderung sein, «weil die Anschlüsse bei weniger häufig verkehrenden Zügen viel schwieriger sein werden». Die effektive Umsetzung ist aber Sache der Transportunternehmen.

Wie wird das konkret umgesetzt? Martín Osuna, Geschäftsführer der A-Welle, verweist darauf, dass der Tarifverbund A-Welle wie üblich bei der Fahrplangestaltung nicht involviert ist. Jetzt kämen die Vorgaben für den Fahrplan, der ab Donnerstag und bis auf weiteres gilt, von oben: Sie seien von den Verkehrsbetrieben kaskadenartig umzusetzen: «Eine Wahl, ob ein regionaler Busbetrieb weiter das ganze Angebot anbieten will, besteht nicht. Alle bekommen klare Vorgaben von oben, im Fall der Busse von der Postauto AG, die sind umzusetzen.» Klar sei jetzt schon, dass die Nachtangebote an Wochenenden (Freitag auf Samstag und Samstag auf Sonntag) gestrichen werden.

Grösster Fahrplanwechsel der Geschichte

Ab Donnerstag wird der Fahrplan schrittweise reduziert. Die Fahrgäste müssen dann im Online-Fahrplan schauen, wann welche Busse und Züge fahren. Sie müssen auch damit rechnen, so Osuna, «dass es zu Anschlussbrüchen kommt und dass die Reise länger dauert als sonst, wenn sie umsteigen müssen». Die Grundversorgung des öffentlichen Verkehrs werde aber sichergestellt: «Alle sind jetzt mit Hochdruck am Vorbereiten. Das ist der grösste Fahrplanwechsel der Geschichte. Und das innerhalb von zwei Tagen, wofür man sonst ein Jahr Zeit hat!»

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