Grosser Rat
Neue Legislatur, neue Besetzung: Jetzt gilt es ernst im Grossen Rat

Von A bis Z, der Auftakt in die neue Legislatur mit der neuen Besetzung – alles übers Geld, Frauen und Tabus im Ratsgebäude. Auch das Thema Übergewicht bekommt seinen Platz im Grossen Rat.

Aline Wüst
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Im Ratsgebäude wird ab heute erstmals in neuer Besetzung um Entscheide gerungen. Emanuel Freudiger

Im Ratsgebäude wird ab heute erstmals in neuer Besetzung um Entscheide gerungen. Emanuel Freudiger

Andermatts sind gut vertreten im Grossen Rat. Mutter Astrid und neu auch Tochter Anna politisieren bei den Sozialdemokraten. Für Andermattschen Polit-Nachwuchs ist auch schon gesorgt: Baby Navin Kiran kam im März zur Welt.

Besucher sind auf der Tribüne willkommen. Fluchen darf der Zuschauer nur innerlich – im Gegensatz zu den Politikern. Beifall zu klatschen, ist aber gerechterweise auch nicht erlaubt.

Cash gibt’s, reich wird niemand. Pro Jahr erhalten Grossräte 5000 Franken, plus maximal 7500 Franken Sitzungsgelder, plus Spesen.

Du sagen sich die Grossräte untereinander. Das ist wie im Fitnesscenter oder im Fussballclub.

E wig bleibt niemand im Amt, Entscheide überdauern die Politiker. Nett wäre, wenn die Grossräte trotzdem nicht bloss an die nächsten Wahlen denken. Sondern im Hinterkopf behalten: Es war der Grosse Rat, der damals der Sondermülldeponie in Kölliken zustimmte.

Feierabend ist um 17 Uhr. Mit ganz seltenen Ausnahmen.

Geburtstagskinder erhalten ein Geschenk von Grossratspräsidentin Vreni Friker. Was es ist, will sie nicht verraten. Friker sagt nur, dass es von folgender Notiz begleitet wird: «Grüezi! Mein Name ist Charly. Ich bin aus Schweizer Buchenholz massiv und freue mich, künftig Ihren Mantel tragen zu dürfen!» Jedem Grossrat sein eigener kleiner Sklave?

Hochdeutsch parliert wird im Kantonsparlament. Nur Sämi Richner (EVP) redet, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Früher habe er Reden zu Hause vorbereitet, im Ratssaal war dann doch wieder alles anders. Darum hat Richner die Taktik geändert: Während der Verhandlung macht er sich Notizen und spricht dann frei. Das sei effizienter.

Insider-Tipps geben gestandene Grossräte den neuen Ratskollegen gern. Ein Ratschlag von einem SVP-Grossrat für die Neuen: Auf Themen fokussieren und sich dort reinknien.

Jahrein, jahraus seit 23 Jahren bewirten Esther und Robert Uhlmann die Politiker im Rathauscafé. Noch lieber als Grossräte mit Snacks zu versorgen, entdeckt das Ehepaar an freien Tagen unbekannte Orte in der Schweiz, und zwar mit dem Zug.

Kafi gibt es im Keller des Grossratsgebäudes, aber auch Nussgipfel, Mandelgipfel und Sandwiches. Knausrig seien die Politiker nicht mit dem Trinkgeld – im Gegenteil.

Landwirte jammern oft. Zumindest in der kantonalen Politik gibt’s nichts zu klagen: 15 Prozent der Grossräte sind Bauern. Ihr Anteil an der Aargauer Bevölkerung beträgt gerade mal 2,6 Prozent.

Männer sind in der Mehrheit. Der Frauenanteil liegt bei 31 Prozent. Innerhalb der Parteien schwankt der Frauenanteil aber ziemlich. SVP 22%, FDP 27%, CVP 33% SP 36% und Grüne: 60 Prozent.

Nein oder etwa doch Ja? Das ist die Frage, die sich Grossräte ständig stellen müssen. Während in den Verhandlungen auch Zwischentöne zählen, gibt es bei der Abstimmung nur einen Knopf für Ja und einen für Nein. Das ist besser so. Sonst wären unsere Gesetze so schwammig, wie manche Politiker sprechen.

Ohrenweh, Halsweh oder Bauchweh – wer nicht an der Ratsverhandlung teilnehmen kann, muss sich abmelden. Das ist wie in der Schule. Ob Grossräte, die blaumachen, auch nachsitzen müssen? Wer weiss.

Polizisten bewachen den Eingang zum Regierungsgebäude. Unbekannte werden kontrolliert. Ob einer der 35 Greenhorns heute seinen Ausweis zeigen muss?

Quasselstrippen sind manche Grossräte. Damit der Lärmpegel im Saal nicht zu stark anschwillt, werden dauerredende Grossräte gebeten sowohl Ferienerlebnisse wie auch die neusten Politcoups auf den Gängen auszutauschen.

Ratssekretär Adrian Schmid ist die gute Seele des Grossen Rats. Zusammen mit seinem Team tut er alles, damit die Grossräte möglichst sorglos politisieren können. Er hat ein Nastüechli zur Hand. Im Notfall organisiert er einer Grossrätin auch ein paar neue Strümpfe, wenn eine Laufmasche Ärger macht.

Schlafen sollte niemand während der Ratsverhandlung. Wer’s trotzdem tut: Die Zeitung mit beiden Händen festhalten, den Kopf ein bisschen senken, Augen zu. Eine bewährte Methode.

Tabu sind kurze Hosen bei Männern. Ein No-go. Bei Röcken ist man grosszügiger.

Übergewicht ist auch bei Aargauer Grossräten ein Thema. Keine Erkenntnisse gibt es dazu, ob ein Zusammenhang zwischen Übergewicht und Parteizugehörigkeit besteht.

Verliebte Blicke seien unter Grossräten und Grossrätinnen auch schon ausgetauscht worden. Und zwar über Parteigrenzen hinweg heisst es aus gut unterrichteter Quelle.

Witze müssen die Aargauer Parlamentarier verstehen. Zum Beispiel diesen: Was ist der Unterschied zwischen einem Grossrat und einem Telefonhörer? Den Telefonhörer kann man aufhängen, wenn man sich verwählt hat.

X-mal wird die Grossratspräsidentin mit der kleinen Glocke läuten müssen. Diese Glocke läutet den Beginn der Verhandlung ein. Manchmal läutet sie aber auch einen Rüffel: Mehr Ruhe! Die Grossräte kennen die Feinheiten des Glockengebimmels.

Youngster unter den Grossräten ist Adrian Meier aus Reinach. Gerade mal 24 Jahre ist er alt, der politische Zögling von FDP-Parteipräsident Philipp Müller. Der durchschnittliche Grossrat ist fast doppelt so alt wie Meier.

Zigaretten rauchen manche Grossräte auch. Ob ein Zusammenhang zwischen Rauchen und Parteizugehörigkeit besteht?

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