Corona-Virus

Nationalrätin Ruth Humbel mit Appell: «Erschreckend viele Menschen nehmen die Massnahmen nicht ernst»

Vernunft – oder Ausgehverbot? Aargauer Nationalrätin Ruth Humbel mit Appell an Bevölkerung

Vernunft – oder Ausgehverbot? Aargauer Nationalrätin Ruth Humbel mit Appell an Bevölkerung

Ruth Humbel (CVP), die Präsidentin der Gesundheitskommission, ruft dringend zum Einhalten der bundesrätlichen Massnahmen auf.

Man könne schon sagen, der Bund reagiere zu langsam, sagt Nationalrätin Ruth Humbel (CVP), Präsidentin der Kommission Gesundheit und Soziales des Nationalrates, zur Kritik an den aktuellen Corona-Massnahmen, aber: «Wenn er zu rasch vorgegangen wäre, hätten die Leute nicht mitgemacht.» Sie erinnert daran, dass noch vor kurzem viel Unverständnis aufkam, als Autosalon und Fasnacht abgesagt werden mussten. Das seien mutige Entscheide gewesen. Jetzt gehe die Kritik in die umgekehrte Richtung. Es sei aber immer ein Abwägen, was in einer bestimmten Lage nötig, richtig, und durchsetzbar sei. Oberstes Ziel müsse die Gesundheit der Menschen und das Funktionieren des Gesundheitswesens sein. Der Bund mache dies zusammen mit seinen Spezialistinnen und Spezialisten sowie in Zusammenarbeit mit den Kantonen gut, findet Humbel.

Viel zu viele nehmen Pandemie noch nicht ernst

Und doch nähmen jetzt noch zu viele die Pandemie nicht ernst genug: «Wir sehen, wie jetzt noch erschreckend viele Menschen die absolut nötigen Massnahmen, die ihrem eigenen Schutz und demjenigen von besonders gefährdeten Personen dienen, nicht ernst nehmen!»

Anderseits könne man in der Schweiz nicht wie in China Knall auf Fall rigoroseste Massnahmen verhängen und die Menschen bei ihren Bewegungen total überwachen. Das würde Humbel auch nicht wollen. Umso wichtiger seien Eigenverantwortung und gegenseitige Solidarität, sagt sie.

Coronavirus: Polizeipatrouille auf öffentlichen Plätzen (18.3.2020)

Lausanne: Polizeibeamte patrouillieren, um die Menschen an die Regeln des Ausnahmezustands zu erinnern. (18.3.2020)

Solidarität von Jungen und Älteren einfordern

Viele Menschen wenden sich derzeit an die bekannte Gesundheitspolitikerin mit der Bitte, die Menschen aufzurütteln. Ihr gegenüber werde in erster Linie beklagt, dass sich viele Junge noch immer nicht an die vorgeschriebenen Massnahmen hielten, in den Ausgang gingen und den Abstand nicht einhielten.

Ruth Humbel sagt: «Was meines Erachtens bisher etwas unterging, ist das Einfordern der Solidarität von fitten Rentnerinnen und Rentnern.» Sie beobachtete auch letzte Woche noch Senioren-Wandergruppen – gar im öffentlichen Verkehr, und ohne untereinander den geforderten Abstand zu wahren. Eine gut 70-jährige Frau habe sogar noch bemerkt, dieser «Corona- Hype» sei unmöglich.

Detaillisten sollen Hamsterkäufer stoppen

Zudem begegnen ihr jetzt viele Mütter mit ihren Kindern beim Einkaufen, weil diese nicht in die Schule müssen. Humbel: «Das war ja genau nicht die Idee der Schulschliessung. Die Menschen sollen zu Hause bleiben, und einkaufen gehen soll nur, wer muss, sicher nicht gleich die ganze Familie.» Humbel meint, dass die Detaillisten den Hamsterkäufern entschiedener entgegentreten und die Menge eines Guts pro Einkauf auf haushaltsübliche Mengen beschränken sollten. Das gelte insbesondere auch für Medikamente und weitere Produkte aus Apotheken und Drogerien.

Gesundheitswesen: Kollaps verhindern

Derweil betont die Aargauer Gesundheitspolitikerin fast schon beschwörend, eine Verlangsamung des Virus sei unabdingbar, damit das Gesundheitswesen nicht kollabiert, wenn die schweren Fälle – was absehbar ist – nach dem Tessin auch bei uns in der Deutschschweiz massiv zunehmen. «Dafür benötigen wir die Solidarität der Bevölkerung zwischen und innerhalb der Generationen zum Schutz der gefährdeten Personen und auch von sich selbst. Das geht nur mit dem Einhalten der bundesrätlichen Massnahmen!»

Sonst könnte laut Humbel eine weitere Verschärfung der Massnahmen nötig sein. «Wenn sich so viele Leute weiter so gedankenlos verhalten, als wenn nichts wäre, und nicht zur Vernunft kommen, bleibt am Ende nur ein Ausgehverbot, so wie in Österreich und Frankreich.»

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