Eiken

Mit echtem Feuer üben: Brandhaus Christina ist zum Anzünden da

Die Aargauische Gebäudeversicherung hat in Eiken ihr neues Übungsobjekt getauft. Es ist der einzige Ort im Aargau, an dem Feuerwehrleute echte Feuer übungshalber löschen können. Für 2016 haben das Brandhaus schon 30 Feuerwehren gebucht.

Der Nebel klebt über dem Brandplatz, und auf dem Brandplatz stehen Mannen. Die Finger sind weiss vor Kälte. «Es wird aber gleich schön warm werden», sagt Urs Graf.

Der Geschäftsleitungsvorsitzende der Aargauischen Gebäudeversicherung (AGV) hat für diesen Montagmorgen eingeladen, nach Eiken ins kantonale Zivilschutzausbildungszentrum. Der Grund der Einladung ist ein quadratisches Flachdachhaus, das noch nicht ganz fertig aussieht mit seinem grauen Sichtbeton und seinen leeren Fensteröffnungen.

Neues Brandhaus in Eiken

Neues Brandhaus: So erleben Feuerwehrleute ein 500 Grad heisses Feuer.

Doch Fensterscheiben wird es nie geben, denn sie wären ziemlich unnütz und schnell kaputt: Das Gebäude ist kein Wohnhaus, sondern ein Brandhaus. «Der einzige Ort im Aargau, an dem Feuerwehren mit echtem Feuer üben können», erklärt Urs Ribi, Abteilungsleiter Feuerwehrwesen. 300 000 Franken gab die AGV für das Haus aus, aufgestellt wurde es anstelle seines Vorgängers. «Die ältesten Pläne, die wir vom alten Brandhaus fanden, datieren von 1977, erbaut wurde es vermutlich 1980», erzählt Ribi.

Entsprechend oft wurde es seither von Feuerwehren zu Übungszwecken angezündet. Und weil ein Brandhaus nicht einfach nur brennen, sondern für seine Löscher auch sicher sein soll, musste es jetzt ersetzt werden.

Die sollen ins Schwitzen kommen

Eine Hausbesichtigung zeigt: Der Beton ist zwar das, was man von aussen sieht, drinnen jedoch wurde er mit Spezialplatten gut geschützt. Der Boden wurde hübsch geplättelt: nicht mit verzierter Keramik, sondern mit feuerfestem Schamottstein. Enge Gänge, eine Treppe im und eine am Haus.

Vor dem Feuer: Ein Einblick in das Brandhaus.

Vor dem Feuer: Ein Einblick in das Brandhaus.

«Wir haben darauf geachtet, es den Löschtrupps möglichst schwierig zu machen, sie sollen hier ins Schwitzen kommen», sagt Ribi. In einem «Zimmer» im Erdgeschoss liegen in einer Ecke Holzlatten übereinander. Früher durften die Übungsleiter alles verbrennen, heute ist das per Gesetz geregelt: «Erlaubt ist nur noch naturbelassenes Holz», weiss Matthias Müller, Atemschutz-Chef bei der Stützpunktfeuerwehr Zofingen und bei der Gebäudeversicherung.

Die Zeiten, in denen Gewerbler ausgediente Paletten «heiss entsorgen» konnten, sind vorbei. «Ich könnte schon Paletten verbrennen», sagt Müller, «doch ich müsste dann nachweisen können, woher sie kommen, was auf ihnen stand und dass sie kein behandeltes Holz enthalten.»

Protest mit einem Lächeln

Mit einem Gasbrenner wird das Holz angezündet. Schnell steigt grauer Rauch aus dem grauen Beton in den grauen Himmel. Mit Wasserschlauch in den Händen und Sauerstoffflasche auf dem Rücken rücken die Männer vor. Wer keine Schutzkleidung trägt, muss draussen bleiben, darf dafür zwischendurch eine Wärmebildkamera halten.

Es brennt – die Feuerwehrmänner üben den Ernstfall.

Es brennt – die Feuerwehrmänner üben den Ernstfall.

Die ist für die Feuerwehrleute wichtig: Zusätzlich zum rauchigen Feuer erschwert der Wasserdampf die Sicht – ein «realitätsnaher Trainingsort». Nach wenigen Minuten ist das Feuer gelöscht. «So, das wäre die offizielle Einweihung gewesen», stellt Urs Ribi fest. Ein Zuschauer bemerkt: «Du, es staht no!» Jetzt brauche das Gebäude, wie es doch auch bei Schiffen üblich sei, noch einen passenden Namen, findet Ribi. Er fände, ein Frauenname wäre schön. «Wie wärs mit Christina?»

Die Gäste lachen, eine Dame schlägt sich überrascht die Hand vors Gesicht: Christina Troglia, Generalsekretärin und Kommunikationsverantwortliche der AGV.

Ribi: «Jetzt können wir der Christina so richtig einheizen» – und die ungefragte Namensgeberin hält fest: «Ich bin aber nicht anzündbar!» Es ist ein Protest mit einem Lächeln, einer, der nichts nützt und in einem Applaus erstickt wird. Für 2016 ist «Christina» bereits 30-mal von Feuerwehren gebucht.

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