Serie (6)
Mit dem Böötli durch den Aargau: Auf dem Wasser wird das Wasser schnell knapp

In Folge 6 zu seiner Bootstour durch den Aargau zieht AZ-Redaktor Eddy Schambron BilanZ: Man ist nicht allein auf: Zecken und Mücken sind überall.

Eddy Schambron
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Es gäbe noch Luft nach oben: Mit leichtem Neid geht der Blick aus dem Schlauchboot hinüber zum schnittigen Motorboot.

Es gäbe noch Luft nach oben: Mit leichtem Neid geht der Blick aus dem Schlauchboot hinüber zum schnittigen Motorboot.

Es sind Worte von Josef Fischer, Geschäftsleiter der Stiftung Zieglerhaus in Rottenschwil, die mir auf dem Fluss nicht aus dem Kopf wollen. «Wasser», sagte er beiläufig, «wird ein grosses Thema werden und kommenden Generationen happige Herausforderungen bescheren.» Der Aargau ist das Wasserschloss Europas. Ich trieb während fünf Tagen auf viel Wasser von Süden nach Norden durch den Kanton.

Aber Wasser wird manchmal auf dem Wasser knapp, denn trinken kann man das Flusswasser nicht. Zwar gibt es Outdoor-Wasserfilter, die Trübstoffe, Bakterien, Protozoen oder gewisse Chemikalien entfernen, nicht aber Viren. Und das Flusswasser führt viele Schadstoffe mit sich, die für die Gesundheit gefährlich werden können. Das bedeutet, dass man auf einer Flussreise Trinkwasser mitführen oder immer wieder beschaffen muss.

Reise durch den Aargau im Schlauchboot Von Südosten (Oberrüti) nach Nordwesten (Kaiseraugst) mit Übernachtungen in der freien Natur.

Reise durch den Aargau im Schlauchboot Von Südosten (Oberrüti) nach Nordwesten (Kaiseraugst) mit Übernachtungen in der freien Natur.

Schweiz am Wochenende

Es gibt entlang der Flüsse zwar unzählige Rastplätze, aber kaum welche mit einem Wasserhahn. Bei Stauwehren sind Trinkwasserquellen nicht öffentlich zugänglich oder nicht gekennzeichnet. Das bedeutet deshalb immer auswassern, um sich Trinkwasser zu besorgen. Boot und Gepäck müssen dann entweder ein Weilchen unbeaufsichtigt gelassen oder aber mitgetragen werden.

14-mal von Zecken gebissen

Insgesamt 14 Zecken haben mich auf der Reise gebissen, sei es beim Anlanden an buschigen Ufer, beim Umgehen von Kraftwerken ebenfalls in dicht bewachsenen Partien oder beim Übernachten in der freien Natur. Ich habe sie schnell und gewissenhaft entfernt. Ungezählt, weil fast unzählbar, waren die Mückenstiche.

Der Zecken- und Mückenspray, laut Test der beste, hat sich als wenig oder nur für kurze Zeit als wirksam erwiesen. Das mag damit zu tun haben, dass das Paddeln vor allem auf dem Rhein bei warmen Temperaturen schweisstreibend ist und man sich wohl jede Stunde erneut einsprayen müsste. Das wiederum ist unangenehm. Selbstverständlich hätte sich zwischendurch ein erfrischendes Bad aufgedrängt, um die klebrige und streng duftende Haut zu reinigen.

Aber der Blick auf das trübe Wasser in der Aare und im Rhein, zum Teil natürlich witterungsbedingt, und vorbeiziehende Schaumhäufchen dämpften die Lust erheblich. Erst nach dem Kraftwerk Rheinfelden machte der Rhein den Eindruck, sauber zu sein. Auffallend war, dass sich auch erst ab hier mehr Schwimmerinnen und Schwimmer im erfrischenden Nass tummelten.

Freizeitboote – Der Einsatzzweck entscheidet

Nicht alle Boote eigenen sich für die gleichen Aktivitäten. Das bekannte, beliebte und günstige Badeschlauchboot mag für die kleine Runde im See oder auf ruhigen Flüssen genügen, schon bei bescheidenem Rauwasser ist es ungeeignet. Das Kanu ist wildwassertauglich und wird gerne als Sportgerät eingesetzt. Das Packraft liegt irgendwo dazwischen: Es ist mit ungefähr drei Kilogramm sehr leicht und kann dank seinem geringen Packmass auf Wanderungen, auf dem Velo oder im öffentlichen Verkehr mitgeführt werden. Es wird auch als «Rucksackboot» bezeichnet, wird mit Doppelpaddel gefahren, ist recht robust und für Könner bedingt wildwassertauglich. Das Packraft ist im Vergleich zum Badeboot aber markant teurer und im Vergleich zum Kanu vor allem im ruhigen Wasser durch seine Form und den flachen Boden anstrengender zu bewegen. Packrafting ist ein Trend, der aus Amerika stammt und zunehmend in Europa Fuss fasst. (es)

Für den Entscheid, bei den schlechten Witterungsbedingungen am Anfang der Reise die Reuss nicht weiter zu befahren, erhielt ich sozusagen die amtliche Bestätigung, aber erst im Nachhinein. Für die entsprechende Zeit meldete das Bundesamt für Umwelt für die befahrenen Gewässer Gefahrenstufen zwischen 3 (erheblich) und 5 (gross).

Die Seite www.hydrodaten.admin.ch kannte ich allerdings vorher nicht. Hier kann man sich schon vor einer Fahrt auf dem Wasser genauer über die Situation informieren. Es sind jedoch nicht nur die aktuelle Situation und Vorhersagen abzurufen, sondern ebenso die zurückliegenden Daten für zahlreiche Messpunkte. Zudem sind Abflussmengen, Wasserstände, Temperatur und viele weitere Informationen erhältlich.

Freundliche Bootsführer

Bootsführerinnen und Bootsführer sind freundliche Leute. Die meisten winkten, unabhängig von ihrer Motorisierung, von der Grösse der Boote, dem kleinen Paddler auf dem Fluss zu oder riefen einen Gruss übers Wasser. Das stärkte das Vertrauen, dass Hilfe käme, wenn sie denn nötig wäre – und festgestellt werden könnte.

Allerdings gab es weite Flussabschnitte, auf denen ich niemandem auf dem Wasser begegnet bin. Auch lange Uferpartien schienen menschenleer. «Seenot» wäre auf diesen Strecken wohl unbemerkt geblieben. Problemlos erwiesen sich die signalisierten Ein- und Ausswasserungsstellen, auch wenn es bei einzelnen Standorten eine doch erhebliche Strömung zu berücksichtigen galt. Mit «richtigen» Booten setzt man bei Stauwehren über Wagen oder Rollen über, wobei meistens eine Voranmeldung beim Kraftwerk erforderlich ist. Da hat es der Schlauchboot- Kapitän ein bisschen einfacher.

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