Leserwandern

Maya Graf schreckt vor Höhlentrip zurück: «Ich leide unter Platzangst»

Wer den Karstlehrpfad mit offenen Augen begeht, der wird etwas später ankommen als geplant. Die Wanderung durchs Kaltbrunnental dauerte fast vier Stunden – wegen Politikern, die das Kind in sich entdeckten.

Dass die Leserwanderer für die 8,7 Kilometer zwischen Zwingen und Grellingen am Freitagabend fast doppelt so lange wie geplant brauchten, lag an – den Politikern. An wem sonst? Die Baselbieter CVP-Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter und Überraschungsgast Maya Graf, Grüne-Nationalrätin Baselland, entdeckten auf dem Karstlehrpfad im Laufentaler Kaltbrunnental das Kind in sich. Statt sich lange mit der grauen Theorie auf den Schildern auseinanderzusetzen, wollten sie die Höhlen lieber selbst erforschen. Doch allzu weit wagte sich dann die letztjährige Nationalratspräsidentin doch nicht hinein: «Ich leide unter Platzangst», räumte Maya Graf ein.

Für viele der rund 75 Leserwanderer sei die Route über den Karstlehrpfad auch eine Rückkehr in die eigene Kindheit, wie Rolf Zimmerli vom Trägerverein Karstlehrpfad treffend sagte. «Die meisten von euch waren schon einmal hier als Primarschüler.» In der Tat ist die Route besonders für Volksschulwanderungen beliebt, weil sie mit den vielen Höhlen entlang der Strecke Geschichte zum Anfassen bietet. Wenngleich die Lehrer immer aufpassen müssten, dass die übermütigen Kinder den Bogen beim Experimentieren nicht überspannten. Denn: In einer Höhle stecken zu bleiben, kann besonders bei einem Wetterumschwung ganz schön gefährlich werden.

Höhlenmensch ist ein Mythos

Für die Leserwanderer waren die Erinnerungen an den Primarschulunterricht allerdings so verschwommen, dass die Tour über den Karstlehrpfad einer grossen Geschichtslektion gleichkam. So lernten sie beispielsweise, dass vor rund 135 000 Jahren noch Flusspferde in der Region lebten. Oder dass der Höhlenmensch ein Mythos ist: «In der Höhle fand er lediglich Unterschlupf, wenn es regnete, aber ansonsten wohnte er in Siedlungen unter freiem Himmel», erklärte Zimmerli. Dass die Höhlen im Birstal auch heute noch wichtige historische Archive sind, liegt daran, dass sie vor Verwitterung gut geschützt sind – insbesondere die Spuren von prähistorischen Jägern und Sammlern sind gut dokumentiert.

Nicht alle kamen in den Genuss der Geschichtslektion – der Basler FDP-Grossrat Ernst Mutschler hatte (optimistisch) mit einer zweistündigen Wanderung gerechnet und enteilte schon früh, um den nächsten Termin wahrzunehmen. Die Baselbieter CVP-Landrätin Agathe Schuler zeigte sich solidarisch und lief mit. Als der Tross dann nach fast vier Stunden in Grellingen eintraf, sass Schuler schon längst im Bahnhofsbistro. Sie gelobte, die Route sobald wie möglich wieder in Angriff zu nehmen. Und dann ganz ohne Zeitdruck.

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