Leserwandern

Leserwander-Etappe mal anders: unterwegs in Stadt und Vororten Basels

Auf der 13. Etappe entdecken viele Nicht-Basler die Vielfalt der Agglomeration. Und müssen auf die geplante Schifffahrt verzichten – wegen Hochwasser auf dem Rhein.

Manchmal ist es einfach nur wunderbar, in einer Region zu leben, die so viel Vielfalt auf so engem Raum bietet. Deutlich wurde das an der 13. Etappe des Leserwanderns, die von der Basler Schifflände durch die Vororte Birsfelden und Muttenz nach Pratteln führte. Keine zehn Kilometer lang war die Wanderung. Und doch bekamen die rund 70 Mitwanderer – ein Grossteil nicht aus Basel – einen Querschnitt durch die ganze Region zu sehen.

Dieser begann durch einen glücklichen Zufall. Wegen Hochwassers fiel die Schifffahrt auf dem Rhein aus. Der Ersatzbus zum Birsfelder Waldhaus wurde zur regelrechten Stadtrundfahrt, vorbei am Universitätsspital, am Spalentor und am Bahnhof SBB. Im Hardwald, umgeben von Hundespaziergängern, staunten viele über die Wasseraufbereitungs-Weiher der Stadt. Da war schon das Rauschen der A2 zu hören, eine der meistbefahrenen Autobahnen der Schweiz. Danach passierte die Wandergruppe den ersten Berg des Tags: Denjenigen des Güterbahnhofs Muttenz, keine zwei Meter hoch.

Im Rücken hatten die Wanderer den Campus Muttenz mit seinen massiven Bauten. Was für ein Gegensatz zum beschaulichen Dorfkern, dessen Bauernhäuser sorgfältig renoviert sind. Muttenz hat es eben geschafft, Wohnen, Industrie und Gewerbe strikt auseinanderzuhalten. «Nicht alle Hausbesitzer sind über die strengen Bauvorschriften erfreut», gab der Wanderleiter Stephan Egloff von der Gesellschaft pro Wartenberg zu bedenken, bei der Pause vor der einzigartigen Wehrkirche.

Phänomenale Weitsicht

Die einzige Anstrengung des Tages war der Aufstieg zu den drei Wartenberg-Burgen, erst zwischen Villen mit Zweit- und Drittautos vor den Garagentoren, danach durch erfrischenden Wald. Die drei Burgruinen sind beliebte Ausflugsziele, unter anderem für Picknicker – wenn sie ein Feuer entfachen, ist das nicht ganz unproblematisch für die über 800 Jahre alten Mauern. «Ist da der Weinkeller?», fragte eine Frau ihren Mann, als dieser eine Treppe zu einem verborgenen Keller runterlief. Muttenzer Wein gibt es jedenfalls, er heisst «La Tour», nach dem Turm der mittleren Wartenbergruine.

Von dort oben eröffnete sich, trotz Dunst, ein phänomenaler Panoramablick auf die Stadt, und das grosse Rätselraten fing an: Das da hinten dürfte der Bahnhof SBB sein – aber wo ist eigentlich Lörrach? Wo brannte es am 1. November 1986? Das Bruderholzspital ist schon recht weit weg von der Siedlung... und ganz hinten sieht man doch den Flughafen!

Beeindruckend auch die grosse Anzahl von Hochhäusern in und rund um Basel. Fast könnte man sie als Wahrzeichen der Region bezeichnen: Roche, Lonza und Novartis, Messe, Joggeli, BIZ, aber auch die hohen Wohnbauten in Reinach, Birsfelden und der Basler Lehenmatt. Auf dem Weg nach Pratteln bietet die Agglomeration ein ausgesprochen ländliches Bild, mit Landwirtschaft, ökologischen Ausgleichsflächen und Brombeeren entlang des Waldes. Zwar tönten Kirchenglocken aus dem Dorfkern, dominiert wird der Blick auf Pratteln aber von Gewerbebauten.

Der Schluss der Wanderung war schliesslich in einem der Boomgebiete des Baselbiets, zwischen den beiden Grossbaustellen beim Prattler Bahnhof, wo derzeit zwei Hochhäuser hochgezogen werden.

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