Grosser Rat
Katzensteuer oder Kastrationspflicht? – Politik will Katzen an den Kragen

Die Katzenpopulation sorgt im Aargau für Gesprächsstoff. Die Grossratsmitglieder Barbara Portmann und Martin Brügger wollen wissen, was die Regierung von einer Katzensteuer oder Kastrationspflicht hält.

Raphael Karpf
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Jagende Katzen sind ein Problem für die Artenvielfalt.

Jagende Katzen sind ein Problem für die Artenvielfalt.

Getty

Sie sind Teil so mancher Familie und erfreuen uns im Alltag: Hauskatzen. Wie viele es in der Schweiz sind, ist unklar. Laut Schätzungen könnten es um die 1,5 Millionen sein. Katzen jagen und fressen Vögel, Eidechsen und Frösche, auch seltene oder bedrohte Arten. Ein natürliches Gleichgewicht gibt es nicht. Insbesondere verwilderte Hauskatzen oder Tiere, die in der Nähe von geschützten Lebensräumen leben, sind ein Problem.

Ausserdem könnten die Hauskatzen auch ein Problem für die im Aargau vorkommenden Wildkatzen werden: Dann nämlich, wenn sie sich mit ihnen paaren. Wie überlebensfähig eine Mischlingspopulation langfristig wäre, ist unbekannt.

Wie viele gefährdete Tiere fressen Aargauer Katzen?

Diese Probleme möchten die Grossratsmitglieder Barbara Portmann (GLP) und Martin Brügger (SP) angehen. Dafür haben sie einen Vorstoss mit Fragen an die Regierung eingereicht. Sie möchten unter anderem wissen: Wie viele Hauskatzen gibt es im Aargau? Wie viele Kleintiere, insbesondere gefährdete Arten, fressen sie jährlich? Und was könnte dagegen getan werden?

Ihre Lösungsvorschläge sind auffallend zurückhaltend formuliert. Etwa: «Kann sich der Regierungsrat vorstellen, dass Gemeinden eine Kastrationspflicht oder eine Katzensteuer vorsehen können?» Die zurückhaltende Formulierung dürfte ihre Gründe haben.

FDPler wegen Hauskatzen-Vorstoss nicht mehr gewählt

Am Problem der Katzen versuchte sich zuletzt 2015 der damalige FDP-Grossrat und Pro-­Natura-Aargau-Geschäftsführer Johannes Jenny. Er forderte: Jäger sollen verwilderte Katzen abschiessen müssen. Und herumstreunende Katzen sollen eingefangen und den Besitzern zurückgebracht werden, im Wiederholungsfall sollen sie eingeschläfert werden. Die Reaktionen der Katzenliebhaber auf diesen Vorschlag waren heftig. Jenny erhielt Morddrohungen. Zwei Jahre später wurde er nicht wiedergewählt.

Die Fragen jetzt gehen deutlich weniger weit als Jennys Forderungen. Trotzdem: Ist es schlau, das so emotionale Thema Hauskatzen anzugehen? «Wir wollen die Problematik ganz sachlich anschauen und Lösungen suchen», sagte Barbara Portmann im «Regionaljournal» des SRF. «Und wenn wir das Problem lösen können, dann dient das auch den Katzenliebhabern. Auch sie haben kein Interesse daran, dass es viele wild herumstreunende Katzen gibt.»