Die Kooperation der Gymnasien in der Nordwestschweiz nimmt Gestalt an. Ab 2014 können angehende Gymnasiasten in den Kantonen Basel-Stadt, Baselland, Solothurn und Aargau im Rahmen eines Pilotprojektes wählen, welche staatliche Schule innerhalb der vier Kantone sie besuchen möchten.

Hans Georg Signer, Leiter Bildung beim Basler Erziehungsdepartement, bestätigt entsprechende Informationen des «Sonntags».

Signer leitet das Projekt Gymnasien im Rahmen des Bildungsraumes Nordwestschweiz. Der Regierungsausschuss der involvierten Kantone habe im Juni einem vierjährigen Versuch zugestimmt, sagt Signer. Nächste Woche wollen die Verantwortlichen offiziell informieren.

Schüler im Fricktal können heute schon wählen

Schüler mit Wohnsitz im Fricktal, im Leimental oder im Dorneck können heute bereits wählen, welche Kantonsschule bzw. welches Gymnasium sie besuchen möchten.

Dies sei eine tolle Möglichkeit für die Jugendlichen, sagt Signer. Dies ist aber nicht der einzige Grund, eine erhöhte Durchlässigkeit bei der Zuteilung an die Gymnasien einzuführen. Pierre Felder, Leiter Volksschulen im Basler Erziehungsdepartement, gibt unumwunden zu, dass man sich von einem gemässigten Wettbewerb zwischen den Schulen auch eine Qualitätssteigerung erhoffe.

Aufgrund der Distanzen gehen die Verantwortlichen davon, dass der Schüleraustausch vor allem zwischen Basel-Stadt und Baselland respektive Aargau und Solothurn stattfinden wird.

Das letzte Wort haben die Kantone

Um extremen Schwankungen der Schülerzahlen oder gar Schulschliessungen vorzubeugen, haben die Kantone das letzte Wort über die Gesuche der Schüler. Der abgebende Kanton muss zuerst zustimmen, dann der aufnehmende.

Ob die Leistungen eines Schülers für das Gymnasium reichen, bestimmt der abgebende Kanton. «Solange die Systeme und Anforderungen noch nicht harmonisiert sind, akzeptiert man gegenseitig die Qualifikationen», sagt Signer.

Trotz Steuerungsmechanismen ist nicht vorhersehbar, wie sich die Schüler verhalten werden. Beispielsweise könnte das Angebot des International Baccalaureate (IB), das den Schülern den Zugang zu englischsprachigen Universitäten ermöglicht, zu einem Renner werden. Es wird nur am Basler Münstergymnasium und an den Kantonsschulen Aarau und Wettingen angeboten.

Die Projekt-Verantwortlichen der vier Kantone gehen aber nicht davon aus, dass viele Schüler vom Angebot Gebrauch machen werden und einen langen Weg auf sich zu nehmen, um ein spezielles Fächerangebot zu nutzen.

Das zeige sich anhand der bisherigen Erfahrungen mit der Schulwahl. Innerhalb der Kantone besteht in Basel-Stadt, Solothurn und dem Aargau für die Gymnasiasten bereits die Möglichkeit, die Schule auszusuchen. Den Wünschen wird meist entsprochen.