Ausschluss-Forderung
Junge Grüne wollen Ecopop-Thommen aus der Mutterpartei werfen

Junge Grüne möchten mehr inhaltliche Geschlossenheit - und Ecopop-Kämpfer Andreas Thommen nicht mehr in der Partei haben. Thommen selbst will in der Partei bleiben. Ein Parteiausschluss kommt auch für Grünen-Präsident Fricker nicht in Frage.

Fabian Hägler
Drucken
Teilen
Andreas Thommen: Der ehemalige Co-Präsident der Grünen Aargau hat als Geschäftsführer von Ecopop an vorderster Front für die Initiative gekämpft.

Andreas Thommen: Der ehemalige Co-Präsident der Grünen Aargau hat als Geschäftsführer von Ecopop an vorderster Front für die Initiative gekämpft.

Keystone

Die Jungen Grünen Aargau sind laut einer Mitteilung «sehr erfreut über das Abstimmungsresultat der Ecopop-Initiative, insbesondere, dass sie im Kanton Aargau derart wuchtig verworfen wurde». Gar nicht glücklich ist die Jungpartei hingegen über die Rolle von Andreas Thommen, der sich als Mitglied der Aargauer Grünen an vorderster Front für die Initiative engagierte.

Interview: Andreas Thommen nach dem Nein zu Ecopop.

Itamar Piller, Präsident der Jungen Grünen, greift Parteikollege und Ecopop-Geschäftsführer Andreas Thommen frontal an. «Man muss sich die Frage stellen, ob Ecopop-Befürworter bei den Grünen in der richtigen Partei sind», sagt er. Piller weiter: «Es gibt Stimmen bei den Jungen Grünen, die einen Parteiausschluss von Andreas Thommen fordern.»

Itamar Piller, Präsident Junge Grüne Aargau: «Man muss sich die Frage stellen, ob Ecopop-Befürworter bei den Grünen in der richtigen Partei sind.»

Itamar Piller, Präsident Junge Grüne Aargau: «Man muss sich die Frage stellen, ob Ecopop-Befürworter bei den Grünen in der richtigen Partei sind.»

zvg

Einen entsprechenden Antrag wollen die Jungen Grünen stellen, «wenn uns unsere Basis den Auftrag gibt», führt Piller aus. Dies könnte an der Generalversammlung der Jungen Grünen Aargau passieren, die am 31. Januar in Wettingen stattfindet. Vorerst verlangen die Jungen Grünen von der Mutterpartei eine Personaldiskussion. «Es kann nicht sein, dass ein Mitglied der Grünen für ein Anliegen wirbt, das ins Spektrum einer Rechtspartei wie den Schweizer Demokraten gehört», ärgert sich Piller.

Thommen will nicht austreten

Andreas Thommen sagt: «Ich habe nicht die Absicht, aus der grünen Partei auszutreten, in vielen Punkten stimme ich mit ihren Werten überein», sagt er.

Thommen wehrt sich entschieden gegen den Vorwurf, Ecopop verfolge rechtes Gedankengut. «Die Jungen Grünen sollen zuerst nachweisen, dass die Initiative fremdenfeindlich ist, bevor sie Forderungen nach einem Parteiausschluss stellen.»

Mutterpartei ist überrascht

Auch für Jonas Fricker, Präsident der Grünen Aargau, kommt die Forderung der Jungpartei überraschend. «Wir werden mit etwas Distanz zum Abstimmungswochenende das Gespräch mit Andreas Thommen suchen und ihn fragen, ob er sich in unserer Partei noch wohl fühlt», kündigt Fricker an.

Ein Parteiausschluss kommt für ihn nicht infrage. «Natürlich bin ich als Präsident nicht glücklich, dass der Ecopop-Geschäftsführer ein Mitglied der Grünen ist», räumt Fricker ein. Dass Thommen für die Initiative kämpfte, «die wir ablehnten, kann kein Ausschlussgrund sein», sagt Fricker. Zudem habe sich Thommen im Abstimmungskampf korrekt verhalten und sich nicht als offiziellen Grünen-Vertreter bezeichnet.

«Ich glaube nicht, dass sein Engagement für Ecopop unserer Partei geschadet hat», sagt Fricker weiter. Für den Grünen-Präsidenten ist klar: «Es gibt in jeder Partei ein breites Meinungsspektrum, auch bei uns ist dies nicht anders.»

Das sei kein Problem, sondern fördere den kritischen Diskurs. «Wenn gewisse Grundwerte eingehalten werden, haben abweichende Meinungen Platz in unserer Partei.»

Lesen Sie den Kommentar dazu hier.

Aktuelle Nachrichten