Jahresabschluss
Pandemie bringt auch neue Chancen: Zehnder Group testet Lüftung gegen Coronaviren im Schulhaus Oberentfelden

Die Zehnder Group mit Sitz in Gränichen hat im Coronajahr einen Umsatz von 618 Millionen Euro erzielt – vier Prozent weniger als 2019. Der Gewinn des Unternehmens, das in der Lüftungs- und Heizungstechnik tätig ist, stieg um 25 Prozent auf 40 Millionen Euro.

Fabian Hägler
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Hans-Peter Zehnder, Verwaltungsratspräsident der Zehnder Group in Gränichen, darf sich über gute Zahlen für 2020 freuen.

Hans-Peter Zehnder, Verwaltungsratspräsident der Zehnder Group in Gränichen, darf sich über gute Zahlen für 2020 freuen.

Sandra Ardizzone

Die Zehnder Group bezeichnet sich selber als international führenden Anbieter von Gesamtlösungen für ein gesundes Raumklima – dieses Thema geriet im letzten Jahr wegen der Coronakrise stark in den Fokus. Die Übertragung des Virus durch Aerosole in Innenräumen, zum Beispiel in Grossraumbüros oder Schulzimmern, ist ein grosses und bisher ungelöstes Problem.

Die Zehnder Group konzentriere sich bei ihren Lüftungsanlagen zwar auf Luftaustausch sowie Temperatur- und Feuchtigkeitskontrolle, sagte CEO Matthias Huenerwadel an der digital durchgeführten Jahresmedienkonferenz. «Wir sind auch der Meinung, dass der regelmässige Luftaustausch am meisten bringt, mit unseren Geräten ist der Effekt gleich wie bei regelmässigem Fensteröffnen. Aber wir verfügen auch über die Technologie für die Luftfilterung», betonte Huenerwadel.

Luftfilter für Schulzimmer: Geräte stehen bereit, Entscheide dauern lange

Derzeit ist an der Schule Oberentfelden ein Lufttauscher-Gerät von Zehnder im Testbetrieb im Einsatz.. Kurzfristig dürfte das Unternehmen mit solchen Systemen gegen Corona-Aerosole indes keinen grossen Gewinn machen. «Das Schulsystem in der Schweiz und in Deutschland ist sehr föderalistisch organisiert, deshalb dauern Entscheidungen ziemlich lange», erklärte der CEO.

In einem Klassenzimmer der Schule Oberentfelden ist ein Luftfilter der Zehnder Group im Testbetrieb - die Anlage steht links in der Ecke.

In einem Klassenzimmer der Schule Oberentfelden ist ein Luftfilter der Zehnder Group im Testbetrieb - die Anlage steht links in der Ecke.

Zvg / Aargauer Zeitung

Zudem sei die Konkurrenz durch andere Hersteller von Luftfiltern beträchtlich. Das gestiegene Bewusstsein für ein sauberes, gesundes und komfortables Innenraumklima dürften das weitere Wachstum der Gruppe aber begünstigen – das erwartet Huenerwadel.

Reingewinn von 40 Millionen Euro im Coronajahr

Einen beträchtlichen Gewinn hat Zehnder im Jahr 2020 trotz der Coronapandemie erzielt: Der Reingewinn stieg im Vergleich zum Vorjahr um 25 Prozent und betrug 40 Millionen Euro. Gesunken ist hingegen der Umsatz, der sich um vier Prozent reduzierte und noch bei 619 Millionen Euro lag. Dies war laut Finanzchef René Grieder möglich, weil Zehnder rasch Massnahmen zur Bewältigung der Coronakrise ergriffen und ein Programm zur Erhöhung der Profitabilität gestartet habe.

Bereits im April 2020 entschied die Generalversammlung, die Dividende für die Aktionäre zu kürzen: Statt der damals vorgesehenen Erhöhung der Ausschüttung von 80 Rappen auf 1 Franken pro Aktie, wurde die Dividende auf 70 Rappen gesenkt. Zudem entschieden der Verwaltungsrat und die Geschäftsleitung der Zehnder Group damals, ihre Saläre für sechs Monate um 10 Prozent zu kürzen.

Dividende steigt von 70 Rappen auf 1.25 Franken

Zudem reduzierte das Unternehmen die Zahl der Temporärangestellten, baute Ferien- und Überzeitguthaben der Mitarbeiter ab und setzte an einigen Standorten auch auf Kurzarbeit. «Damit haben wir das Ziel erreicht, genügend Geld im Unternehmen zu halten, um die Krise zu bewältigen», sagte Grieder.

Für das Jahr 2020 sollen die Aktionäre nun eine deutlich höhere Dividende erhalten: 1.25 Franken pro Aktie beantragt der Verwaltungsrat. «Das ist keine Kompensation für das vergangene Jahr mit der gesenkten Dividende, sondern liegt im üblichen Rahmen unserer Ausschüttungspolitik», erläuterte Grieder auf Nachfrage. Diese sieht vor, zwischen 30 und 50 Prozent des konsolidierten Reingewinns an die Aktionäre auszuzahlen.

300 Angestellte in Gränichen – knapp 10 Prozent der ganzen Belegschaft

Der Ursprung von Zehnder liegt im Heizungsgeschäft, inzwischen macht der Lüftungssektor mit 52 Prozent aber den grösseren Anteil am Gesamtumsatz aus. 84 Prozent davon erzielte Zehnder in Europa, der Umsatz hier reduzierte sich von 531 auf 517 Millionen Franken. Positiv entwickelten sich in diesem Marktgebiet die Verkäufe von Wohnungslüftungen, Wärmetauschern und Luftreinigungsgeräten. Gesunken sind hingegen die Umsätze bei den Radiatoren sowie bei Heiz- und Kühldecken. «Drei sehr wichtige Märkte – Frankreich, Italien und Grossbritannien – waren überdurchschnittlich stark von Corona betroffen», erklärte Huenerwadel.

In Nordamerika und China, wo letztes Jahr eine neue Fabrik für Lüftungsgeräte in Betrieb genommen wurde, machte Zehnder 16 Prozent seines Gesamtumsatzes. Dieser reduzierte sich im Vergleich zum Vorjahr von 113 auf 100 Millionen Franken. Weltweit beschäftigt das Unternehmen rund 3300 Angestellte, am Stammsitz in Gränichen arbeiten rund 300 Personen, also knapp 10 Prozent der gesamten Belegschaft.