Impfdurchbrüche
Corona-Ausbrüche in zehn Aargauer Heimen: Booster-Impfungen starten dennoch erst nächste Woche

Nach mehreren Impfdurchbrüchen ist das Spreitenbacher Alters- und Pflegeheim «Im Brühl» unter Quarantäne gestellt worden. Nun zeigt sich: In zehn weiteren Aargauer Heimen gibt es Corona-Ausbrüche. Mit den Auffrischimpfungen wartet der Kanton bis nächste Woche, während in Tessiner Heimen schon «geboostert» wird.

Fabian Hägler
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Ab nächster Woche werden in Alters- und Pflegeheimen im Aargau die Seniorinnen und Senioren zum dritten Mal geimpft.

Ab nächster Woche werden in Alters- und Pflegeheimen im Aargau die Seniorinnen und Senioren zum dritten Mal geimpft.

Britta Gut

Rund fünf Seniorinnen und Senioren sind im Alters- und Pflegheim «Im Brühl» in Spreitenbach positiv auf das Coronavirus getestet worden. Alle infizierten Personen waren doppelt geimpft, es handelt sich bei den Infektionen also um Impfdurchbrüche. Leider sei es auf mehreren Abteilungen zu Ansteckungen gekommen und man haben entschieden, das Heim unter Quarantäne zu stellen, sagte Brigitte Diggelmann, Vorstandsmitglied des Alters- und Pflegeheims, auf Anfrage.

Ist das Spreitenbacher Heim ein Einzelfall, oder gibt es noch weitere Seniorenzentren im Aargau, die unter Quarantäne stehen? Maria Gares, Sprecherin des Gesundheitsdepartements, teilt auf Anfrage der AZ mit:

«In rund zehn weiteren Heimen gibt es Ansteckungen mit dem Coronavirus, wovon sowohl Geimpfte als auch Ungeimpfte betroffen sind.»

Gares hält fest, der Kanton habe in der aktuellen Welle keine Heime unter Quarantäne gestellt. «Das waren immer Massnahmen der Alters- und Pflegeheime.» André Rotzetter, Spartenpräsident Heime beim kantonalen Gesundheitsverband Vaka, hat keine Kenntnis von weiteren Quarantänefällen in Aargauer Heimen. Es gebe vereinzelt Impfdurchbrüche bei Bewohnerinnen und Bewohnern, «bis vor einigen Tagen waren es aber nur wenige», teilt Rotzetter mit.

André Rotzetter.

André Rotzetter.

Alex Spichale

Tessin impft jetzt schon in Heimen, Aargau beginnt nächste Woche damit

Im Tessin führen laut einem Bericht des «Blick» schon diese Woche mobile Teams die ersten Booster-Impfungen in Altersheimen durch. Trotz der Corona-Ausbrüche in mehreren Seniorenzentren ändert der Kanton seinen Terminplan für die Booster-Impfung in Alters- und Pflegeheimen nicht. «Ab dem 15. November, also in drei Tagen, wird die Auffrischimpfung verabreicht», teilt Sprecherin Gares mit.

André Rotzetter, der selber Geschäftsführer des Vereins für Altersbetreuung im Oberen Fricktal mit mehreren Heimen ist, geht sogar von einem noch späteren Impfstart aus. «Die Booster-Impfungen starten am 18. November, es braucht Vorbereitungen», teilt er mit. Wie viele Bewohnerinnen und Bewohner von Heimen geimpft werden, ist offen: «Die genaue Anzahl der Personen in den Alters- und Pflegeheimen, die eine Auffrischimpfung erhalten, kann man erst nach den Impfungen angeben», sagt Gares.

25'000 Seniorinnen und Senioren im Aargau wollen den Booster

Personen über 65 Jahren, die nicht in einem Alters- oder Pflegeheim wohnen, können sich im Aargau über die Website des Kantons für die Booster-Impfungen anmelden. Wie der «Blick» berichtete, waren am Freitag alle Termine ausgebucht, kommende Woche sollten aber wieder neue aufgeschaltet werden. Maria Gares vom kantonalen Gesundheitsdepartement teilt dazu mit: «Wir sehen nur die Anzahl Terminbuchungen für die Impfzentren, bis heute haben sich 24'568 Personen für die Auffrischimpfung registriert.» Die Apotheken haben laut der Sprecherin ein eigenes Registrierungssystem, demnach wollen sicher mehr als 25'000 Seniorinnen und Senioren eine Booster-Impfung.

Bei der Online-Anmeldung können Impfwillige, deren zweite Dosis mindestens sechs Monate zurückliegt, den gewünschten Standort auswählen. Im Frühling hatte der Kanton für die Erstimpfung empfohlen, alle Impfzentren anzugeben, die für eine Person infrage kommen. Bei der Booster-Impfung ist das anders, wie Gares sagt: «Wir empfehlen nur eine Terminbuchung, da sich jede Person ihren Wunschtermin auswählen kann.» Sonst würden unnötig Termine besetzt, die dann nicht für andere impfwillige Seniorinnen und Senioren zur Verfügung stünden.

Kanton schaltet nur so viele Termine frei, wie abgedeckt werden können

Als der Kanton die Anmeldung für die Booster-Impfungen eröffnete, bat Andreas Obrecht, der Leiter der Covid-19-Kampagne, zugleich um Geduld. Es werde nicht möglich sein, innerhalb weniger Tage allen Impfwilligen die dritte Dosis zu verabreichen, sagte er. Doch warum, immerhin wurden im Juni innerhalb von einer Woche fast 31'000 Erstimpfungen verabreicht? Departements-Sprecherin Gares sagt, alle angemeldeten Bürger würden am gewünschten und gebuchten Termin geimpft.

Wann die Booster-Impfungen abgeschlossen sind, kann sie nicht genau sagen. Gares hält aber fest: «Es gibt keine Begrenzung, da wir nur so viele Termine bereitstellen, wie wir bedienen können.» Und die Sprecherin versichert, es sei genügend Impfstoff vorhanden, um allen Seniorinnen und Senioren, die das wünschten, eine Auffrischimpfung anzubieten.

Gemäss den aktuellen Zahlen in der Coronastatistik des Kantons haben bisher schon über 2000 Aargauerinnen und Aargauer eine dritte Impfung erhalten. Dies sind aber keine Booster-Impfungen für ältere Menschen, bei denen der Impfschutz nach einem halben Jahr nachlässt. «Es handelt sich hier um die Drittimpfungen für immunsupprimierte Personen», sagt Gares – also für Menschen, die Medikamente einnehmen, mit denen ihr Immunsystem unterdrückt und damit die Abwehr auch gegen das Coronavirus geschwächt wird.

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