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Immer wieder Spreitenbach: Die Aargauer Gemeinde sorgte im Coronajahr zuverlässig für Schlagzeilen

Von der unerlaubten Party, über einen der ersten Superspreader-Events bis zu einer Rüge der Kantonsärztin: Spreitenbach war jene Gemeinde im Aargau, die im Zusammenhang mit Corona besonders oft im Fokus stand.

Noemi Lea Landolt
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Das erste Mal auf die Titelseite der AZ schaffte es Spreitenbach am 2. März 2020. «Coronavirus: Jetzt trifft's auch einen Kindergarten im Aargau». Ein Kindergartenlehrer hatte sich angesteckt und 44 Kinder in Spreitenbach mussten in Quarantäne. «20 Minuten» schrieb über den 5-jährigen Rodrigo, der nun nicht mehr in den Kindergarten durfte und laut seinem Vater nicht erfreut darüber sei, dass er nur in der eigenen Wohnung spielen darf.

Spreitenbach war aber plötzlich auch Dreh- und Angelpunkt der kantonalen Politik. Der Grosse Rat tagte ab Mai in der Umweltarena statt im Grossratsgebäude in Aarau.

Grossratssitzung, am 10. November 2020 in der Umweltarena in Spreitenbach.

Grossratssitzung, am 10. November 2020 in der Umweltarena in Spreitenbach.

Severin Bigler

Die Grossrätinnen und Grossräte reichten zahlreiche Vorstösse rund um die Pandemie ein und bewilligten Kredite, um die wirtschaftlichen Schäden abzufedern.

Trotz Politprominenz vor der Haustüre sind die Spreitenbacherinnen und Spreitenbacher aber Politmuffel geblieben. Nur gerade 15 Prozent der Stimmberechtigten lockte die Parlamentswahl im Herbst an die Urne. In keiner anderen Gemeinde im Kanton war die Wahlbeteiligung tiefer.

Ende Juni machte Spreitenbach wieder national Schlagzeilen, weil sich in der Tesla Bar an einem Abend über 20 Personen mit dem Coronavirus angesteckt hatten.

So berichtete Tele M1 über den Superspreader-Event

Tele M1

Der Barbetreiber appellierte damals an die Eigenverantwortung der Mitarbeitenden und Gäste: «Wer krank ist oder sich krank fühlt, soll zu Hause bleiben.»

Viel zu viele Menschen sind auch am 24. Oktober nach Spreitenbach gekommen. Im Shoppi Tivoli fand die 50-Jahr-Jubiläumsfeier statt, die im März wegen der Pandemie abgesagt wurde. Auf Twitter kursierten Bilder der Menschenmassen:

«Den Leuten waren die Schutzmassnahmen völlig egal», kommentierte eine Besucherin. Für die Verantwortlichen hatte die Feier ein Nachspiel. Nach einer Aussprache mit Gesundheitsdirektor Jean-Pierre Gallati und Kantonsärztin Yvonne Hummel mussten sie das Schutzkonzept überarbeiten.

Am 30. Januar musste die Polizei in eine Shisha-Bar nach Spreitenbach ausrücken und eine illegale Veranstaltung mit knapp 40 Personen auflösen. Alle Anwesenden wurden wegen Widerhandlung gegen die Covid-19-Verordnung verzeigt und müssen mit einer Busse rechnen.

In der Nacht auf den 20. Februar kam es zu einem weiteren Polizeieinsatz in Spreitenbach. Die Ordnungshüter mussten in einem Club intervenieren, der trotz Verbot geöffnet war. Die Betreiber wurden angezeigt, die anwesenden Gäste gebüsst.