Arbeitsplatz
Wieviel Homeoffice bleibt nach Corona? Umfrage bei Aargauer Unternehmen zeigt: Ganz wie vorher wird es sicher nicht mehr

Ende Mai soll die Homeoffice-Pflicht fallen. Unter Auflage, dass die Betriebe ihre Mitarbeitenden regelmässig auf Corona zu testen. Kehren nun die meisten ins Büro zurück – oder bleibt ein Stück Homeoffice für immer? Wir haben bei Aargauer Unternehmern nachgefragt, was sie planen.

Sébastian Lavoyer
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Wie siehts bei ABB, Zehnder, Nikin und anderen Firmen im Aargau mit Homeoffice aus?

Wie siehts bei ABB, Zehnder, Nikin und anderen Firmen im Aargau mit Homeoffice aus?

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Beginnen wir beim Giganten, der ABB. Rund 105'000 Mitarbeitende in über 100 Ländern, 4200 in der Schweiz, viele in der Region Baden. Überall, wo es möglich war, arbeiteten die ABB-Leute im Homeoffice. Wie genau die Rückkehr zum Alltag aussehen soll, hänge von den Vorgaben der Behörden ab, teilt uns Mediensprecher Lukas Matt mit.

Im Zentrum stehe immer der bestmögliche Schutz der Mitarbeitenden. Unabhängig davon gab es bei der ABB schon vor der Pandemie die Möglichkeit im Homeoffice zu arbeiten. Matt sagt: «So ermöglichen wir den Mitarbeitenden ein flexibles Arbeitsumfeld – dies immer abhängig von den jeweiligen Anforderungen der Teams und der entsprechenden Rolle.»

Migros: Flexibles Arbeiten auch in Zukunft

Bei der Migros Aare mit rund 3000 Angestellten im Kanton Aargau ist Homeoffice vor allem bei den Leuten in der Betriebszentrale in Schönbühl ein Thema. «Sobald die Homeoffice-Pflicht in eine Empfehlung umgewandelt wird, werden wir neu diskutieren, in welcher Form und wie die Mitarbeitenden zurück an den Arbeitsplatz kommen sollen», so Mediensprecherin Andrea Bauer.

Man prüfe derzeit hybride Modelle, also eine Kombination von Homeoffice und Büro, die ein flexibles Arbeiten auch in Zukunft erlauben sollen.

Zehnder Group: Bis zu drei Tage Homeoffice pro Woche

Deutlich konkreter tönt es bei der Zehnder Group mit Sitz in Gränichen und mit weltweit rund 3500 Mitarbeitenden. Der schweizweit führende Raumklima-Spezialist (Heizen, Kühlen, Lüften) hat letzte Woche mit freiwilligen wöchentlichen Covid-19-Tests in Gränichen angefangen, schreibt Zehnder-Finanzchef René Grieder. Und: «Ziel ist schrittweise zurück zur Normalität zu gelangen, wenn es die Situation zulässt.»

René Grieder.

René Grieder.

zvg

Schon jetzt ist klar, dass Homeoffice aber auch in Zukunft eine wichtige Option bleiben soll. Bis zu drei Tage bei einem 100-Prozent-Pensum. Grieder:

« Wir wollen den Mitarbeitenden ein attraktives Arbeitsumfeld bieten, welches aber natürlich auch im Interesse des Unternehmens sein muss.»

Je nach Organisationseinheit geht das einfacher oder eben gar nicht. Zum Beispiel seien gerade Lernende oder Personen in Einarbeitung oder Ausbildung auf Austausch und damit physische Präsenz angewiesen.

Franke AG: Sukzessive Rückkehr ins Büro und Homeoffice-Diskussionen

Auch Franke mit Hauptsitz in Aarburg testet schon heute regelmässig alle Mitarbeitenden, die dies gerne möchten. Der Küchentechnikspezialist mit weltweit rund 9000 Mitarbeitenden, davon rund 750 in der Schweiz, will bei einer Aufhebung der Homeoffice-Pflicht trotzdem nicht gleich alle Mitarbeitenden wieder ins Büro zitieren. «Wir planen dies sukzessive und in einem geregelten Rahmen zu tun», schreibt Mediensprecherin Gabriele Hepp.

Ein hybrides Modell könnte die Lösung für die Firma Franke in Aarburg sein.

Ein hybrides Modell könnte die Lösung für die Firma Franke in Aarburg sein.

Keystone

Damit wolle man auch künftig die Einhaltung von Abstands- und Hygieneregeln gewährleisten. Wie es dann mit Homeoffice weitergeht, wird derzeit intensive diskutiert. Vieles deutet daraufhin, dass man global ein hybrides Modell einführt, das ein oder zwei Tage Homeoffice ermöglicht.

AKB: Homeoffice bleibt so oder so Bestandteil

Die Aargauer Kantonalbank (AKB) testet ihre über 800 Mitarbeitenden ebenfalls repetitiv, könnte also voraussichtlich Ende Mai wieder mehr Leute ins Büro beordern. Ob man das auch machen wird, ist ungewiss. Denn man wisse schlicht noch nicht, wie oft und einen wie grossen Teil der Belegschaft man testen müsse. Noch ist zwar nicht klar, wie man dies künftig regeln will. Aber AKB-Sprecherin Christine Honegger sagt:

«Für uns ist aber klar, dass wir nicht einfach zum alten System zurückkehren, in dem es kein Homeoffice gab.»

Nikin: So stark gewachsen, dass das Büro zu klein wurde

Nikin-Gründer Nicholas Hänny.

Nikin-Gründer Nicholas Hänny.

Fabio Baranzini

Während bei den ganz Grossen Homeoffice schon vor Corona üblich war, geht man davon aus, dass kleinere und mittlere Unternehmen möglichst rasch wieder zur Normalität zurückkehren wollen. Anders bei Nikin, dem Hersteller nachhaltiger Alltagskleidung. «Unser Team ist in der Corona-Zeit enorm gewachsen, so dass wir momentan noch nicht genug physische Arbeitsplätze für alle haben. Wir können uns langfristig auch deshalb eine Hybrid-Lösung vorstellen», sagt CEO Nicholas Hänny.

Trotzdem möchte er, sobald dies von den Behörden wieder erlaubt ist, seinen Mitarbeitenden ermöglichen ins Büro zu kommen. Auch ohne triftigen Grund. Wobei man die Empfehlung Homeoffice vorerst beibehalte.

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