«Gewaltfreie Aktion»
Heute vor 45 Jahren begann die Besetzung des AKW-Geländes in Kaiseraugst – ein Blick zurück in Bild und Ton

Am Dienstag nach Ostern vor 45 Jahren, am 1. April 1975, hätten die Vorarbeiten für das Atomkraftwerk Kaiseraugst wieder anrollen sollen. Doch vor Arbeitsbeginn versammelte die «Gewaltfreie Aktion Kaiseraugst» Tausende Gegner auf dem künftigen Werksgelände.

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Besetzung AKW Kaiseraugst 1975
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Szene des besetzten Werksgeländes im April/Mai 1975 – 1988 verzichtete man auf den Bau der geplanten AKWs Kaiseraugst und Graben BE.
Szene des besetzten Werksgeländes im April/Mai 1975.
Szene des besetzten Werksgeländes im April/Mai 1975.
Szene des besetzten Werksgeländes im April/Mai 1975.
So fing es an: Am 1.April 1975 wurden die Baumaschinen auf dem Baugelände des AKW Kaiseraugst besetzt und die Arbeiter nach Hause geschickt.
Mehrere hundert Leute der Gewaltfreien Aktion Kaiseraugst besetzten am 1. April 1975 das Baugelände des geplanten AKW Kaiseraugst.
1. April 1975: Mehrere hundert Leute der Gewaltfreien Aktion Kaiseraugst besetzen am das Baugelaende des geplanten AKW Kaiseraugst
Transparente auf dem seit dem besetzten Baugelände des geplanten AKW Kaiseraugst, aufgenommen am 1. April 1975.
Mehr als 15'000 Menschen versammelten sich am 6. April 1975 zu einer Demonstration auf dem Bauplatzdes Atomkrafwerks Kaiseraugst – schon eine Woche vorher besetzten Aktivisten das Areal.KEYSTONE/PHOTOPRESS-ARCHIV
1. August 1982: Der Kabarettist Franz Hohler tritt am 1. August 1982 an einer Grosskundgebung gegen das geplante AKW Kaiseraugst mit seinem Cello auf.
Protest-Denkmal in Kaiseraugst, aufgenommen 1985.
12. Februar 1982: Mit einem Fackelmarsch demonstriert die "Gewaltfreie Aktion Inwil" (GAI) in Luzern gegen das geplante Atomkraftwerk Kaiseraugst und das AKW-Projekt Inwil (LU).
Weitere Bilder von der Protestaktion in Kaiseraugst.
Weitere Bilder von der Protestaktion in Kaiseraugst.
Weitere Bilder von der Protestaktion in Kaiseraugst.
Weitere Bilder von der Protestaktion in Kaiseraugst.

Besetzung AKW Kaiseraugst 1975

Ringier Bildarchiv

Schnell stellte sich an diesem 1. April eine breite Unterstützung ein. Bauern brachten Milch und Baumaterial, Transportunternehmer Wasser. Man schlug Zelte auf, baute Unterstände und richtete für eine längere Besetzung ein.

Elf Wochen lang harrten die Aktivistinnen und Aktivisten aus. Zeitweilig waren 15'000 AKW-Gegnerinnen und Gegner auf dem Bauplatz. An Wochenenden machten sich Familien und Menschen allen Alters und politischer Ausrichtung ein Bild von der Situation im Zeltlager. Das erste Bild der Bildstrecke zeigt eine Gruppe von Seniorinnen und Senioren auf dem Weg zum besetzten Werksgelände.

Im Aargau finden in den 1950er-Jahre die ersten Experimente zur Nukleartechnik statt, später werden hier drei von fünf Schweizer Kernkraftwerken gebaut. Woher kam diese Begeisterung, wieso endete sie mit dem Bau von Leibstadt 1984 und warum wehte bereits zehn Jahre davor in Kaiseraugst ein ganz anderer Wind? Zeitzeugen und Experten liefern im AZ-Dokfilm, der zusammen mit Zeitgeschichte Aargau entstanden ist, Antworten:

In den Jahren des Widerstands gegen Kaiseraugst diskutierte die in der Atomfrage entzweite Schweiz das Für und Wider der Nuklearenergie. In der Nordwestschweiz und im aargauischen Fricktal stimmten bürgerliche Kreise mit ein. In Rheinfelden auch in Sorge um den Ruf als Kurort und um das Quellwasser für die örtliche Brauerei.

Über 20 Jahre später schrieb der Bund das Projekt ab und entschädigte die beteiligten Stromfirmen. Unterdessen waren im Windschatten der Kaiseraugster Proteste die Kernkraftwerke in Leibstadt und Gösgen gebaut worden.