Bezirksgericht Zofingen
Hauswart verging sich mehrmals an 11-Jähriger und ihrer Freundin — schuldig ist er nur in einem Fall

Ein 73-jähriger Italiener soll zwei Nachbarsmädchen mehrfach sexuell missbraucht haben. Das Bezirksgericht Zofingen verurteilte ihn jedoch nur in einem Fall zu zwei Jahren Freiheitsstrafe.

Corinne Wiesmannkeys
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Der Hauswart der Liegenschaft soll das Mädchen mehrere Male sexuell bedrängt haben.

Der Hauswart der Liegenschaft soll das Mädchen mehrere Male sexuell bedrängt haben.

mt

Jahrelang lebten die drei Familien friedlich in einem Mehrfamilienhaus in der Region. Der heute 73-Jährige Hauswart der Liegenschaft sah die Kinder seiner Nachbarn heranwachsen, wurde für sie ein grossväterlicher Freund.

Genau diese Vertrauensposition soll der Italiener ab März 2016 ausgenutzt haben, weshalb er sich vor dem Bezirksgericht Zofingen wegen mehrfachen – teilweise versuchten – sexuellen Handlungen mit Kindern, mehrfacher – teilweise versuchter – sexueller Nötigung und mehrfacher Nötigung zu verantworten hatte.

Mädchen traute sich nur noch in Begleitung raus

Die Anklage warf dem Mann vor, unter einem Vorwand – etwa dass etwas defekt sei und er Hilfe brauche – das damals 9-jährige Nachbarsmädchen mehrmals in den Keller gelockt zu haben. Dort habe er das Kind sexuell bedrängt. Er habe von ihm verlangt, ihn zu küssen und versucht es im Intimbereich zu streicheln oder zu lecken. Meist sei es beim Versuch geblieben, weil sich das Opfer zur Wehr setzte.

Einige Monate später habe sich das Mädchen dann nur noch in Begleitung ihrer im gleichen Haus lebenden, ein Jahr jüngeren Cousine nach draussen zum Spielen gewagt. Dem Beschuldigten soll es sodann gelungen sein, beide Mädchen mehrmals in den Keller zu locken.

Wiederum habe er die beiden Kinder bedrängt und sich an ihnen vergangen. So soll er unter anderem versucht haben, dem jüngeren Mädchen in die Unterhose zu fassen. Schliesslich soll der Rentner den beiden gedroht haben, die Polizei würde ihre Eltern ins Gefängnis bringen, sollten sie etwas verraten.

Hauswart beschuldigte 11-jähriges Mädchen

Im April 2018 kam es dann zu einem massiven Übergriff auf das ältere Nachbarsmädchen. Der Mann zwang die damals 11-Jährige unter anderem, seinen Penis bis zum Orgasmus zu massieren. Den Vorfall gestand der 73-Jährige vor dem Bezirksgericht zwar ein, jedoch nicht in der Version, wie ihn die Staatsanwaltschaft darlegte.

Vielmehr stellte er sich als Opfer einer Verschwörung dar. Er sagte, das ältere Mädchen habe den sexuellen Kontakt zu ihm gesucht. «Es war ein grosser Fehler von mir, dass ich es zuliess», meinte er vor Gericht. Dass seine eigene Ehefrau nach dem Vorfall im April 2018 Anzeige gegen ihn erstattete und somit die Sache aufdeckte, erklärte der Beschuldigte damit, dass sein Frau ihn vor dem aufdringlichen Nachbarsmädchen habe schützen wollen. Sie habe verhindern wollen, dass die 11-Jährige ihrem Mann weiter nachsteigt.

Pädophilie mit mittlerem Rückfallrisiko

Ein psychiatrisches Gutachten attestiert dem Mann eine Pädophilie mit mittlerem Rückfallrisiko. «Ich empfinde mich nicht als Pädophiler oder Vergewaltiger», hielt er selber fest. Die Mädchen hätten alles erfunden, sich abgesprochen und es gehe darum, ihm Geld abzuknöpfen.

Die Opfer wurden vor Gericht, vom Hauswart räumlich getrennt, auch befragt. Sie wirkten eingeschüchtert und aufgewühlt. In ihren teilweise unpräzisen Aussagen konnten sie jedoch nicht alle Zweifel an ihrer Version der Geschehnisse aus dem Weg räumen.

Die Verteidigung forderte denn auch – ausser für den Vorfall vom April 2018 – einen Freispruch. Die Staatsanwaltschaft hingegen bezeichnete die Aussagen des 73-jährigen als unglaubwürdig. Vieles töne nach den Fantasien eines Pädophilen.

Staatsanwalt Simon Burger beantragte eine 7-jährige Freiheitsstrafe und einen Landesverweis von 10 Jahren. Die Anwältin der Opfer machte Schadenersatz sowie eine Genugtuung von 10'000 Franken respektive 5000 Franken für die beiden Mädchen geltend.

Gericht verurteilt Mann zu zweijähriger Haftstrafe

Das Bezirksgericht Zofingen sprach den Mann für den Vorfall im April 2018 der sexuellen Handlung mit Kindern schuldig. In allen anderen angeklagten Punkten erfolgte ein Freispruch.

Der Italiener wurde zu einer Haftstrafe von zwei Jahren verurteilt. Zudem wurde
eine ambulante Massnahme verhängt. Auf den Landesverweis verzichtete das Gericht, es handle sich um einen Härtefall. Die Schadenersatzforderung des älteren Opfers wurde gutgeheissen. Die Genugtuung ebenfalls, allerdings reduziert.