Gütesiegel
«Aargau isch fein»: Beizer und Bauern arbeiten zusammen – die Produkte werden auf der Speisekarte deklariert

Der Aargauische Bauernverband lanciert das Gütesiegel «Aargau isch fein» für Restaurants, in denen regionale Produkte direkt ab Hof aufgetischt werden.

Ann-Kathrin Amstutz
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GastroAargau-Präsident Bruno Lustenberger bekennt sich zur regionalen Zusammenarbeit von Bauern und Beizern.

GastroAargau-Präsident Bruno Lustenberger bekennt sich zur regionalen Zusammenarbeit von Bauern und Beizern.

Severin Bigler

Die Aargauer Beizer sind von der Coronapandemie gebeutelt, und viele Bauernbetriebe mussten wegen des kalten Frühlings und den Unwettern Verluste verkraften. Die Gastronomie und die Landwirtschaft sind also zwei Branchen, die frischen Schwung gut gebrauchen können. Zufall also, dass der Aargauische Bauernverband genau jetzt eine grosse Aktion lanciert, um die Kooperation von Bauern und Beizern zu stärken?

«Das ist wirklich Zufall», sagt Marina Ender vom Aargauischen Bauernverband. Schon seit zwölf Jahren fördere der Bauernverband Restaurants, die auf regionale Produkte setzen. In Zusammenarbeit mit der Bauern-Krankenkasse Agrisano schenkt der Bauernverband allen versicherten Bauernfamilien jährlich einen bis zwei 50-Franken-Gutscheine, die eben in einem regional kochenden Restaurant eingelöst werden können.

Beizen müssen ganzjährig Anforderungen erfüllen

Doch dieses Jahr stösst die Aktion in neue Dimensionen vor: Neuerdings erhalten die Beizen ein Gütesiegel für ihr regionales Engagement. 34 Restaurants und Besenbeizen dürfen sich ab August mit dem Label «Aargau isch fein» schmücken.

Das Gütesiegel «Aargau isch fein» erhalten Betriebe, die ganzjährig regional kochen.

Das Gütesiegel «Aargau isch fein» erhalten Betriebe, die ganzjährig regional kochen.

Severin Bigler

Dafür müssen sie klare Kriterien erfüllen: Aargauer Speisen und Getränke müssen auf der Karte deklariert sein, sie müssen mit mindestens einem Landwirtschaftsbetrieb direkt zusammenarbeiten, je zwei Rot- und Weissweine sowie Destillate aus dem Aargau auf der Karte haben und bei vier Speisen hauptsächlich Aargauer Produkte verwenden. Und zwar das ganze Jahr über.

Genau in dieses Schema passt der Gasthof Sternen in Würenlingen. Deshalb ist er Schauplatz des Startevents für die Gastroaktion 2021, bei der das neue Gütesiegel vorgestellt wird. Wie wichtig die Aktion für Bauern wie Beizer ist, zeigt die Anwesenheit von GastroAargau-Präsident Bruno Lustenberger, Bauernverband-Geschäftsführer Ralf Bucher und Landwirtschaftsdirektor Markus Dieth. Sie alle haben sich im «Sternen» eingefunden.

Diese weiteren Gastrolabels gibt es im Aargau

Der «Gault-Millau» gehört zu den bekanntesten Restaurantführern. Mit einem Punktesystem werden besonders erlesene Restaurants bewertet – 19 Punkte ist dabei die Höchstmarke. Das erreicht im Aargau niemand, doch im Kanton gibt es 18 Restaurants mit mindestens zwölf «Gault-Millau»-Punkten. Aargauer Spitzenreiter ist momentan das Restaurant Fahr in Künten, geführt von Manuel und Alexandra Steigmeier, mit 16 «Gault-Millau»-Punkten.

Die Gilde ist ein Zusammenschluss von rund 300 Schweizer Gastronominnen und Gastronomen. Alle Köchinnen und Köche, die auch einen Gastrobetrieb führen, können sich um die Mitgliedschaft bewerben. Doch aufgenommen wird nur, wer klare Qualitätsmerkmale in Bezug auf Ambiance, ausgezeichnete Küche sowie kompetenten Service erfüllt. 18 Restaurants aus dem Aargau sind momentan dabei – erkenntlich am Schild mit der Gilden-Kochmütze, das bei ihnen am Eingang hängt. 

Wer auf einer Wanderung, Biketour oder einem Ausflug fein essen gehen will, kommt kaum an ihm vorbei: am Landbeizli-Führer. In der aktuellen Ausgabe 2021/2022 stellt Herausgeber Richi Spillmann 1240 Schweizer Landbeizen vor, die abseits der Hauptverkehrsachsen liegen. Auch der Aargau ist vertreten – mit 41 Landbeizen und zehn Besenbeizen. Bevor ein Landgasthof in den jährlich erscheinenden Kult-Führer aufgenommen wird, gehen Spillmann und sein Team auf ein unabhängiges und unangekündigtes Testessen vorbei. Zu den Bewertungskriterien gehören Cachet, Ambiance und Familienfreundlichkeit, aber auch der Einbezug von saisonalen und lokalen Spezialitäten. Im Führer gibt es weitere Infos zur Beiz, etwa zu den Öffnungszeiten oder zur Aussicht. (aka)

Adrian Meier, Wirt im «Sternen» in Würenlingen.

Adrian Meier, Wirt im «Sternen» in Würenlingen.

Severin Bigler

Adrian Meier führt den «Sternen» mit seiner Frau Jacqueline in 17. Generation. Früher gehörte zum Gasthof auch ein Bauernbetrieb. Dieser ist seit Jahrzehnten verschwunden, doch geblieben ist der eigene Weinbetrieb und das Bewusstsein für die enge Beziehung zur Landwirtschaft: «Wir servieren nur eigene Weine und beziehen viele Produkte aus der Region», erklärt Meier. Etwa Gemüse von der Max Schwarz AG aus Villigen oder Getreide und Obst vom Hofladen Dorfgeist aus Tegerfelden.

Regierungsrat und Landwirtschaftsdirektor Markus Dieth und Ralf Bucher, Geschäftsführer Bauernverband Aargau, im Weinkeller des «Sternen» in Würenlingen.

Regierungsrat und Landwirtschaftsdirektor Markus Dieth und Ralf Bucher, Geschäftsführer Bauernverband Aargau, im Weinkeller des «Sternen» in Würenlingen.

Severin Bigler

Zusammenarbeit hat noch viel Potenzial

Regierungsrat und Landwirtschaftsdirektor Markus Dieth betont die Wichtigkeit der Landwirtschaft im Aargau: «Wir gehören zu den Top 5 Agrarkantonen, und im Gemüsebau sind wir sogar die Nummer zwei in der Schweiz.» Auch beim Wein sei der Aargau vorne dabei, so Dieth. Hier brauche es noch viel Aufklärungsarbeit, auch bei den Gastrobetrieben, mahnt Dieth: «Die Wirte sollten wissen, dass es gute Aargauer Weine gibt.»

Marina Ender vom Bauernverband präsentiert das Holzplättli mit dem «Aargau isch fein»-Logo.

Marina Ender vom Bauernverband präsentiert das Holzplättli mit dem «Aargau isch fein»-Logo.

Severin Bigler

Dass die Zusammenarbeit zwischen Wirten und Beizern noch viel Potenzial hat, ist für alle Anwesenden unbestritten. So erhofft sich Marina Ender vom Bauernverband, dass noch viel mehr Restaurants und Bauernbetriebe aufspringen: «Viele wissen noch zu wenig, was für Chancen sich eröffnen», so Ender.

Gastronomen würden oft einfach denken und alle Produkte von einem Lieferanten beziehen. «Da wollen wir vermitteln.» Auch GastroAargau-Präsident Bruno Lustenberger macht sich für die regionale Zusammenarbeit stark: «Wir sind auf dieser Linie und wollen das weiter ausbauen.»

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