Atomenergie

Greenpeace sucht vertrauliche Beznau-Dokumente - AKW-Betreiberin macht sich darüber lustig

Der Reaktor 1 des AKW Beznau im Kanton Aargau ist seit März 2015 vom Netz. Greenpeace ruft nun die AKW-Betreiberin Axpo zu einem öffentlichen Hearing auf. (Archivbild)

Der Reaktor 1 des AKW Beznau im Kanton Aargau ist seit März 2015 vom Netz. Greenpeace ruft nun die AKW-Betreiberin Axpo zu einem öffentlichen Hearing auf. (Archivbild)

Greenpeace ruft Beznau-Insider und Axpo-Mitarbeiter in einem Inserat dazu auf, der Umweltorganisation vertrauliche Dokumente zum Zustand des beschädigten Reaktors zu übermitteln. Betreiberin Axpo betrachtet den Aufruf als Jux, ihr Medienchef spottet auf Twitter über die Greenpeace-Kampagne.

Vertrauliche Dokumente, nicht-öffentliche Daten und geheime Informationen zum AKW Beznau – das wünscht sich Greenpeace. In ganzseitigen Inseraten sucht die Umweltorganisation «Insider mit Informationen aus der Blackbox Beznau». Greenpeace ruft Mitarbeiter des AKW und Angestellte der Betreiberfirma Axpo öffentlich auf, vertrauliche Dokumente auf einer neu aufgeschalteten Website hochzuladen.

Ende Jahr wolle die Axpo den Reaktorblock 1 wieder in Betrieb nehmen – gleichzeitig verhindere das Energieunternehmen, dass sicherheitsrelevante Informationen ans Tageslicht kämen, kritisiert Greenpeace. «Das älteste Atomkraftwerk der Welt darf nicht ans Netz gehen, ohne dass die Bevölkerung die wahren Risiken einer Wiederinbetriebnahme kennt», hält Kampagnenleiter Christian Engeli fest. Wer anonym Dokumente zum Zustand des Reaktors an Greenpeace übermittle, leiste einen unschätzbaren Dienst.

Das AKW Beznau ist Greenpeace seit langem ein Dorn im Auge. 2014 führten die Umweltschützer eine Grossaktion durch:

Ein konkretes Beispiel für ein solches Dokument ist laut Greenpeace ein 1000-seitiger Bericht aus dem Jahr 2012, der Auskunft gibt über die Versprödung, also die altersbedingte Abnutzung des Reaktordruckbehälters von Beznau 1. Greenpeace hatte, gestützt auf das Öffentlichkeitsgesetz, die Herausgabe des Berichts verlangt, und auch der Öffentlichkeitsbeauftragte des Bundes hat die Herausgabe empfohlen.

Greenpeace erhielt nur 50 von 1000 Seiten

«Axpo erwirkte aber, dass Greenpeace gerade einmal 50 Seiten des Berichts erhielt – und auch diese nur teilweise geschwärzt», kritisierte Engeli. 950 Seiten behalte die Axpo unter Verschluss, was die Frage aufwerfe, weshalb sich das Unternehmen «mit Händen und Füssen gegen die Veröffentlichung wehrt.» Der Fall ist momentan beim Bundesverwaltungsgericht hängig. «Bis es zu einem juristischen Entscheid kommt, ist das Atomkraftwerk aber unter Umständen bereits wieder hochgefahren worden», hält Engeli fest.

Der 1000-seitige Bericht ist nicht das einzige Dokument, an das Greenpeace gelangen möchte. Höchst relevant für die Beurteilung der Sicherheit des AKW Beznau seien beispielsweise auch alle Unterlagen, welche die fast tausend Schwachstellen im Druckbehälter von Reaktor 1 betreffen, die letztes Jahr entdeckt worden sind.

Um die Wahrheit ans Licht zu bringen, brauche es mutige Menschen, führt Kampagnenleiter Christian Engeli aus. Risikolos ist es nämlich nicht, vertrauliche Dokumente weiterzugeben, darauf weist Greenpeace ausdrücklich hin. Wer sich als Whistleblower betätige und dabei erwischt werde, riskiere möglicherweise die Kündigung und müsse allenfalls mit rechtlichen Schritten des Arbeitgebers rechnen.

Axpo-Medienchef spottet auf Twitter

Wie reagiert die Axpo auf den Greenpeace-Aufruf? Kommunikationschef Rainer Meier macht sich auf Twitter lustig darüber: «Pssst, Ihr Meisterspione! Mega-Geheimtipp: Alle Infos über Beznau kriegt Ihr einfach und gratis über 0800 44 11 00», verweist er auf die Telefonnummer des Axpo-Hauptsitzes in Baden. In einem zweiten Tweet schreibt er: «Übrigens: war heute DER Brüller in Beznau. Bin sicher, es kommt kistenweise Material-;)».

Axpo-Mediensprecher Antonio Sommavilla sagt auf Anfrage, das Unternehmen betrachte das Inserat «als Jux» und nehme es zur Kenntnis. Die AKW-Betreiberin werde dagegen keine rechtlichen Schritte unternehmen. Sommavilla hält fest: «Die Mitarbeitenden im Kernkraftwerk Beznau wissen jederzeit, was sie zu tun haben und wie sie mit derartigen Aufforderungen umzugehen haben.»

Weiter erklärt der Sprecher, die Axpo pflege eine offene und transparente Kommunikation. «So informieren wir in regelmässigen Abständen über das Kernkraftwerk Beznau», sagt Sommavilla. Er ergänzt, die Untersuchungen am Reaktordruckbehälter von Block 1 gingen wie geplant voran. Nach wie vor geht das Unternehmen davon aus, dass der Reaktor gegen Ende Jahr wieder in Betrieb genommen werden kann.

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