Parteipräsidium
Viel Lob, aber auch ein paar Fragezeichen: Das halten Glarner, Wermuth und Binder von einem FDP-Chef Thierry Burkart

Was sagt die politische Konkurrenz zu Thierry Burkart als möglichen neuen Präsidenten der FDP Schweiz? Wenn von ganz rechts und links soviel Lob kommt, kann es einem Freisinnigen schon fast unheimlich werden. Doch ganz ohne Seitenhiebe gehts dann doch nicht.

Rolf Cavalli
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Andreas Glarner (SVP): « Ihn interessiert doch eher der Bundesrat»

Andreas Glarner, Nationalrat und Präsident SVP Kanton Aargau.

Andreas Glarner, Nationalrat und Präsident SVP Kanton Aargau.

Severin Bigler

Andreas Glarner hält Thierry Burkart für einen «valablen Kandidaten». Der Aargauer SVP-Präsident traut ihm zu, «den Freisinn wieder auf den freiheitlich-liberalen Kurs zurückzuführen».

Glarner und Burkart kennen sich vor allem gut aus gemeinsamen Grossratszeiten. Glarner als scharfzüngiger SVP-Fraktionschef, Burkart zuletzt als smarter Grossratspräsident. In Bern kreuzen sich die Wege der beiden weniger. Glarner profiliert sich im Nationalrat in der Ausländer- und Sozialpolitik, Ständerat Burkart unter anderem in der Verkehrspolitik.

Am ehesten gibt es Berührungspunkte bei Europa- und Umweltfragen. Dabei sind sie sich mal sehr fern (Begrenzungsinitiative), in Einzelfällen aber auch nah: «Beim Rahmenabkommen hat Burkart aus seinem Herzen keine Mördergrube gemacht und es zurecht abgelehnt», sagt Glarner. Auch das CO2-Gesetz lehnten beide ab.

Glarner glaubt aber nicht so recht an eine Kandidatur Burkarts: «Es würde mich überraschen, wenn er wirklich Parteipräsident werden wollte, langfristig interessiert ihn doch eher der Bundesrat.»

Cédric Wermuth (SP): «Burkart wäre klare Absage an Klimawandelpolitik»

Cédric Wermuth, Nationalrat und Co-Präsident SP Schweiz.

Cédric Wermuth, Nationalrat und Co-Präsident SP Schweiz.

Britta Gut

«Thierry macht mir alles nach; ich war vor ihm in Bern und vor ihm Parteipräsident», scherzt Cédric Wermuth. Damit signalisiert der CO-SP-Präsident Schweiz, dass er es mit Burkart auf persönlicher Ebene gut kann. Sie seien sich inhaltlich selten nah, «aber man kann sich auf ihn verlassen», sagt Wermuth. Auch eine vermehrte lösungsorientierte Zusammenarbeit in Einzelfragen zwischen FDP und SP wie zu Zeiten von Peter Bodenmann und Franz Steinegger kann sich Wermuth vorstellen. In der Vergangenheit haben Burkart und Wermuth auch schon zusammengespannt. Etwa bei der Verbesserung des Bahnausbaus im Mittelland zu Gunsten des Aargaus.

Als Rechtsrutsch der FDP würde er den Wechsel von Gössi zu Burkart nicht bezeichnen. «Burkart als Nachfolger wäre eine klare Absage an die Klimawandelpolitik von Gössi; aber ich traue ihm zu, auch den linksliberalen Flügel in der Partei einzubeziehen.»

Als mögliches Handicap sieht der SP-Nationalrat, das Parteipräsidium aus dem Ständerat zu führen. «Der Ständerat ist schon sehr weit weg vom Nationalrat, wo letztlich die Parteipolitik gemacht wird.»

Marianne Binder (CVP): «Er muss seine persönliche Haltung zurückstellen»

Marianne Binder-Keller, Nationalrätin Die Mitte und Kantonalparteipräsidentin.

Marianne Binder-Keller, Nationalrätin Die Mitte und Kantonalparteipräsidentin.

Alex Spichale

Mitte-Präsidentin und Nationalrätin Marianne Binder kennt Burkart als Badenerin schon lange. «Er hat eine klare, pointierte Meinung, er ist ein gescheiter Kommunikator und er positioniert sich gerne eigenständig, auch wenn dies in seiner Partei nicht allen passt.»

Aber: «Als Parteipräsident muss man seine persönliche politische Haltung auch ein wenig zurückstellen können, da geht es vor allem um den Zusammenhalt in der Partei», weiss Binder aus eigener Erfahrung. Seine Aufgabe sei es, die Gräben zuzuschütten und die FDP wieder vermehrt zu einen.

«Den Entscheid, inwiefern er dazu gewillt ist, kann man ihm natürlich nicht abnehmen.» Es sei ein schönes Amt, aber auch mit eiern grossen zeitlichen Belastung verbunden, gibt Marianne Binder zu bedenken.

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