Gastbeitrag
Gabriela Suter (SP) und Philippe Kühni (GLP) zum AKB-Streit: «Endlich Zeichen der Zeit erkennen – Nachhaltigkeit als Chance»

Die Aargauische Kantonalbank (AKB) will Kredite nur noch an nachhaltige Unternehmen vergeben. Gewerbeverband und Handelskammer kritisieren dies, der Finanzdirektor will den Streit mit einem runden Tisch lösen. SP-Präsidentin Gabriela Suter und GLP-Präsident Philippe Kühni stellen sich hinter den Entscheid der AKB.

Gabriela Suter und Philippe Kühni
Gabriela Suter und Philippe Kühni
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Die Aargauische Kantonalbank (AKB) will Kredite nur noch an nachhaltige Unternehmen vergeben. Sie schliesst Firmen aus, die Kernenergie produzieren, fossile Energieträger fördern, oder gentechnisch veränderte Pflanzen entwickeln. Auch für Unternehmen, die mit Produktion oder Verkauf von Spirituosen und Tabakwaren mehr als 20 Prozent ihres Umsatzes erzielen, gibt es keine Kredite von der AKB. Gewerbeverband und Handelskammer wollen, dass die Kreditregeln zurückgenommen werden. In einem Gastbeitrag äussern sich SP- Präsidentin Gabriela Suter und GLP-Präsident Philippe Kühni zum umstrittenen Thema.

Die Aargauische Kantonalbank, hier mit der Filiale in Baden, gewährt nicht mehr allen Firmen einen Kredit.

Die Aargauische Kantonalbank, hier mit der Filiale in Baden, gewährt nicht mehr allen Firmen einen Kredit.

Philipp Zimmermann

«Kaum ist die neue Nachhaltigkeitsstrategie kommuniziert, kommt der Aufschrei der Ewiggestrigen. Der Gewerbeverband und die Handelskammer greifen die AKB in einer Medienmitteilung frontal an. Sekundiert werden sie von der FDP-Präsidentin, die die Bestrebungen der AKB, Nachhaltigkeitskriterien bei der Kreditvergabe anzuwenden, in einem Tele-M1-Gespräch als «Marketing-Gag» abtut. Sie alle weigern sich, die Zeichen der Zeit zu erkennen und reiten stattdessen tote Pferde.

Dass die AKB keine Kredite mehr an Firmen gibt, die neue AKW bauen wollen oder auf fossile Energien setzen, ist vielmehr goldrichtig. Nachhaltigkeit im Finanzbereich gewinnt national und international an Bedeutung. Auch erfolgreiche Anleger wie der weltweit grösste Vermögensverwalter BlackRock haben Nachhaltigkeit längst ins Zentrum ihres Handelns gerückt. Nicht aus ideologischen Gründen, sondern weil es langfristig profitabler ist und die treuhänderische Pflicht der Banken dies verlangt.

«Parteipolitik und Ideologie der Wirtschaftsverbände ist irritierend»

Nachhaltiges Investment ist für den Schweizer Finanzplatz und für die innovative Aargauer Wirtschaft eine grosse Chance. Die AKB macht mit ihrer Strategie nichts anderes, als die international anerkannten Leitlinien bei ihrer Investitionspolitik zu berücksichtigen und damit den langfristigen Anlageerfolg zu sichern. Und genau das ist ihr Auftrag gemäss der vom Regierungsrat verabschiedeten Eigentümerstrategie: Die Bank muss sich nach den ganzheitlichen ESG-Kriterien (Environment, Social, Governance) orientieren. Damit nimmt sie ihre Verantwortung mit Blick auf die Erreichung der Nachhaltigkeits- bzw. Umweltziele wahr.

Dass die Wirtschaftsverbände nun eine permanente Vertretung im Bankrat verlangen und dabei ihre Parteipolitik und Ideologie durchsetzen wollen, ist sehr irritierend. Die politische Einflussnahme auf die Staatsbank erfolgt über die Eigentümerstrategie. Bei der Besetzung des Bankrats hingegen sollten hauptsächlich fachliche Kriterien den Ausschlag geben. Der Bankrat ist zurzeit alles andere als linksgrün zusammengesetzt. Dennoch hat sich die Aargauische Kantonalbank in unternehmerischer Eigenverantwortung diese neue Nachhaltigkeitsstrategie gegeben. Dies zeigt: Geschäftsleitung und Bankrat der AKB haben im Gegensatz zu den Wirtschaftsverbänden die Zeichen der Zeit erkannt.

«Wir erwarten, dass die AKB ihren Weg konsequent weiterverfolgt»

Befremdend ist auch das Kuschen der Aargauer Regierung vor den Wirtschaftsverbänden. Kaum schreien diese auf, soll ein Runder Tisch einberufen werden. Da fragen wir uns: Können andere Interessenvertreterinnen und - vertreter künftig auch mit einer Einladung zu einem Runden Tisch rechnen, wenn sie einmal etwas verärgert sind?

Für uns ist klar: Die AKB folgt mit der Einführung der Nachhaltigkeitskriterien der Entwicklung des Marktes und unterstützt die Umsetzung der Energiestrategie. Wir erwarten, dass sie diesen Weg konsequent weiterverfolgt. Bei der Besetzung des Bankrats fordern wir den Regierungsrat auf, Rückgrat zu beweisen, den transparenten Prozess fortzusetzen und dem Grossen Rat die geeignetsten Personen zur Wahl vorzuschlagen.»

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