Wirtschaftstreffen
«Frauen warten eher darauf, angesprochen zu werden»

Karin Schaer organisiert ihr zehntes Wirtschaftssymposium — mit steigender weiblicher Beteiligung. «Anderen zu dienen ist etwas vom Edelsten», findet die toughe Geschäftsfrau und Mutter.

Peter Brühwiler
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Lädt bereits zum zehnten Mal ins Kultur- und Kongresshaus Aarau: Karin Schaer. Jiri Reiner

Lädt bereits zum zehnten Mal ins Kultur- und Kongresshaus Aarau: Karin Schaer. Jiri Reiner

Jiri Reiner

Als Karin Schaer 2006 zum ersten Wirtschaftssymposium Aargau lud, waren nur zehn Prozent der Teilnehmenden weiblich. Die Gästeliste der kommenden zehnten Ausgabe von morgen Mittwoch zeigt mit einer Frauenquote von etwa 25 Prozent ein leicht ausgeglicheneres Bild. Zwar peilt Schaer eine noch höhere Quote an. «Aber wir sprechen vor allem auch Führungspersönlichkeiten an, und dort sind Frauen nach wie vor untervertreten.»

An ihr selbst liegt es nicht. Die in Küttigen lebende zweifache Mutter leitet in Aarau die von ihr vor 20 Jahren mitgegründete Visus Service GmbH mit mittlerweile 14 Mitarbeiterinnen. Die Firma und ihre Tochtergesellschaft Meister ConCept erstellt Konzepte für ihre Kunden, organisiert Kongresse und Events oder managt gleich ganze Gesellschaften. Und sie veranstaltet eben auch das Wirtschaftssymposium.

Auf der diesjährigen Einladung zitiert Schaer den römischen Dichter Seneca: «Wir sind geboren, um gemeinsam zu leben. Und unsere Gemeinschaft ähnelt einem Gewölbe, in dem die Steine einander am Fallen hindern.» Tönt harmonisch. Aber Schaer weiss natürlich auch, dass gewisse Geschäftsleitungsetagen eher einem Haifischbecken gleichen. Und sie versteht Frauen, die keine Lust haben, darin zu schwimmen. Auch die Visus Service sei kein Seerosenteich, schiebt sie schmunzelnd nach. «Die Kunden erwarten viel und alles muss zeitnah erledigt werden.» Aber, um auf Seneca zurückzukommen: «Es braucht auch Herz und Emotionen.»

Zurück zu den Wurzeln

Noch wichtiger ist Schaer die «Freude am Dienen». Das Thema zieht sich durch ihren Lebenslauf, von der Servicearbeit im «Hirschen» in Erlinsbach über die Hotelfachschule in Lausanne bis zum aktuellen Job. Viele seien sich dem nicht bewusst, findet Schaer, «aber es ist etwas Edles, anderen einen Dienst zu erweisen».

Das wäre natürlich auch mal ein Thema für ein Wirtschaftssymposium. Dieses Jahr steht der Anlass jedoch unter dem Motto «vernetzt denken, vernetzt wirtschaften, vernetzt leben!». Das Symposium kehrt damit zum zehnten Geburtstag zu den Wurzeln zurück. «Unser Ziel war es von Anfang an, Leute zusammenzubringen», so
Schaer. Und in den Feedbacks der Teilnehmenden werde das Netzwerken jeweils als besonders wichtig eingestuft.

Beherrschen Männer diese Disziplin besser? Vermutlich schon, findet sie. Frauen seien häufig zurückhaltender «und warten eher darauf, angesprochen zu werden». Schaer selbst packt ganz gerne an. Den Entscheid, in Aarau ein Wirtschaftssymposium zu lancieren, fällte sie zusammen mit ihrem Geschäftspartner Christian Stebler nach dem Besuch eines ähnlichen Anlasses in Winterthur. «Ich wusste, dass das in Aarau Erfolg haben kann», sagte sie sich damals.

Die Referenten im Aarauer Kultur- und Kongresshaus waren denn auch von Anfang an hochkarätig. 2006 sprachen der Trend- und Zukunftsforscher Matthias Horx sowie der schillernde Schaffhauser Unternehmer Giorgio Behr. Über die Jahre ist Schaers Netzwerk kontinuierlich gewachsen. Letztes Jahr trat am Symposium unter anderen der deutsche Ex-Minister Karl-Theodor zu Guttenberg auf. Neue Referenten wie in diesem Jahr etwa den Hamburger Volkswirtschaftsprofessor Thomas Straubhaar für den Anlass zu gewinnen, werde dadurch erleichtert, sagt Schaer. «Denn sie können sich in die Liste der vergangenen Referenten einreihen.»

Schwingfest, Fussball und Konzerte

Schaer bewegt sich mit der Visus Service jedoch nicht nur in der Welt der Wirtschaft und Politik. 2007 hat sie das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest in Aarau mitorganisiert. Und für den FC Aarau hat ihre Firma während Jahren das Marketing gemacht. An Plänen für die Zukunft mangelt es ebenfalls nicht. So schwebt ihr etwa die Organisation eines Konzertes im neuen Aarauer Stadion vor, «das Handwerk bleibt ja das Gleiche» — mit dem kleinen Unterschied, dass anders als beim Wirtschaftsforum ein ausgeglichener Frauenanteil schon heute durchaus realistisch wäre.

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