Apotheken-Aktion

Erwartungen übertroffen: 600 Personen liessen sich gegen Grippe impfen

Die Impfkampagne der Apotheker fand bei der Bevölkerung Anklang: 600 Personen machten bei zehn Apotheken im Kanton mit. Einzelne Filialen mussten sogar Impfstoff nachbestellen.

Die Ärzte brachen nicht in Jubel aus, als der Aargauische Apothekerverband am 13. Oktober eine Grippe-Impfkampagne startete. Seit der kantonalen Abstimmung im September 2013 klaffte ohnehin schon ein Graben zwischen Apothekern und Ärzten. Dass sich damals das Stimmvolk gegen die Abgabe von Medikamenten durch Ärzte aussprach, stiess vielen Medizinern sauer auf.

Mit der Impfkampagne wurden nun in zehn Apotheken im Kanton versuchsweise Grippeimpfungen angeboten. Die Ärzte ärgerten sich, dass nicht mehr nur in ihren Praxen geimpft wird, sondern auch in Apotheken. Sie bemängelten, die Privatsphäre des Patienten sei dort nicht geschützt, und befürchteten, Apotheken seien nicht für einen Notfall gerüstet, falls bei der Impfung etwas schieflaufe.

Erwartungen übertroffen

Das Pilotprojekt ist inzwischen beendet. bis zum 29. November liessen sich in den zehn Apotheken rund 600 Personen gegen die Grippe impfen. Der kantonale Apothekerpräsident Fabian Vaucher sagt, seine Erwartungen seien übertroffen worden. In allen Apotheken, die sich am Versuch beteiligten, sei der Impfstoff aufgebraucht worden. Teilweise musste sogar nachbestellt werden, sagt er. Die Spritze setzte immer ein Arzt. Manchmal ein pensionierter, ein Teilzeit arbeitender oder einer, der nebenbei in der eigenen Praxis arbeitete.

In einigen Apotheken mussten sich die Patienten für eine Grippe-Impfung anmelden, in andere konnten sie einfach hereinspazieren und sich stechen lassen. Die Kapuziner Apotheke in Rheinfelden arbeitete in der Impfkampagne mit einem Arzt zusammen, der zwei Stockwerke höher seine eigene Praxis hat. Gestochen wurde bis Projektende über 60-mal, sagt Katrin Ellgehausen, Geschäftsführerin der Apotheke. «Die Patienten schätzten das niederschwellige Angebot.» Laut Apothekerverband sind das Zielpublikum der Impfkampagne Erwachsene, die keinen Hausarzt haben oder diesen nur sehr selten aufsuchen. Gesunde Menschen also, die noch wenig auf Grippe-Impfungen sensibilisiert sind.

Fronten weichen sich auf

Gestern Abend fand die Hauptversammlung des Aargauischen Apothekerverbandes statt. Urs Humbel wurde als neuer Präsident zum Nachfolger von Fabian Vaucher gewählt. Er wird sein Amt am 1. Januar antreten. Nebst der Neubesetzung des Präsidiums war die Impfkampagne wichtiges Traktandum der Versammlung. Vaucher empfiehlt, die Aktion nächstes Jahr wieder durchzuführen. Den Apothekern ist wichtig, dass sich mehr Menschen impfen lassen. Denn eine Grippeimpfung sei präventiv und schütze nicht nur den Geimpften, sondern auch sein Umfeld.

Auch den Ärzten ist die Impfung ein wichtiges Anliegen. Trotz der anfänglich kritischen Töne über die Aktion gibt es von ihrer Seite auch positive Signale. Der kantonale Ärztepräsident Hans-Ulrich Iselin sagt: «Ich finde es gut, wenn die Grippeimpfquote zunimmt.» Nach wie vor dürfe die Sicherheit nicht vernachlässigt werden. Für eine Weiterführung des Projekts wünscht sich Iselin eine frühzeitige Absprache zwischen Ärzten und Apothekern, damit der wieder aufgenommene Dialog zwischen den Berufsgruppen nicht wieder Schaden nimmt.

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