Konflikt
Erhalt oder Abriss: Gericht entscheidet über Biberdämme

Bauern dürften Dämme im Reusstal für ein Jahr entfernen – sie fordern aber eine längerfristige Lösung.

Fabian Hägler
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Seit mehreren Jahren sorgen Biberdämme in der Alten Jone – hier ein Bild aus dem Herbst 2016 – für Konflikte zwischen Bauern und Naturschützern. Mbu/Archiv

Seit mehreren Jahren sorgen Biberdämme in der Alten Jone – hier ein Bild aus dem Herbst 2016 – für Konflikte zwischen Bauern und Naturschützern. Mbu/Archiv

Seit mehreren Jahren schwelt zwischen Bauern und Naturschützern im Reusstal ein Konflikt um Biberdämme in der Alten Jone. Die Bauten aus Holz und Schlamm, welche das geschützte Nagetier erstellt, um den Bach zu stauen, sind den Landwirten ein Dorn im Auge. Das Problem: Die Biberdämme führen dazu, dass die Drainage auf den Feldern im Reusstal nicht funktioniert, die Äcker also zuwenig entwässert werden. Daneben vergreifen sich die Biber gelegentlich an Zuckerrüben, Gemüse oder anderen Feldfrüchten.

Biber im Notfall abschiessen?

Christoph Hagenbuch, Landwirt aus Oberlunkhofen, Vizepräsident des kantonalen Bauernverbandes und SVP-Grossrat, sprach im vergangenen September gar von «Problembibern». Auf der Website des Bauernverbandes forderte Hagenbuch: «Biber, die enorme Schäden an Kulturland und Infrastrukturen wie Strassen und Kanälen verursachen, müssen konsequent und speditiv beseitigt werden.» Auf Nachfrage sagte der Bauer damals, er wolle solche Tiere einfangen und umsiedeln, könne sich als letztes Mittel aber auch einen Abschuss einzelner Biber vorstellen.

Abgeschossen werden die Tiere, die in der Alten Jone ihre Dämme bauen, vorerst nicht. Doch der Regierungsrat hat den betroffenen Bauern die Bewilligung erteilt, drei Dämme der Nager in dem kleinen Bach zu entfernen, wie das SRF-Regionaljournal meldet. Gleich mehrere Landwirte hatten die Dammentfernung beantragt, die zwei Naturschutzorganisationen Pro Natura und Birdlife Aargau hatten dagegen jeweils eine Beschwerde eingereicht.

Abrissbewilligung für ein Jahr

Diese hat der Regierungsrat abgewiesen, wie Sprecher Peter Buri bestätigt. Damit ist das Verfahren aber noch nicht beendet, denn die Bewilligung zur Dammentfernung war auf ein Jahr befristet. Dass dies reicht, um den Biber aus der Alten Jone zu vertreiben, bezweifeln die Bauern. Sie verlangen eine längerfristige Bewilligung, wie ihr Anwalt Albert Rüttimann gegenüber dem Regionaljournal sagt. Seine Mandanten seien der Ansicht, «man müsse den Biber über ein paar Jahre hinweg vergrämen und ihm damit zeigen, dass die Alte Jone für ihn kein geeigneter Lebensraum ist».

Deshalb haben die Bauern den Entscheid der Regierung ans Verwaltungsgericht weitergezogen. Es sei nicht nachvollziehbar, dass sich Pro Natura und Bird Life «für den Erhalt von drei Dämmen einer einzigen Biberfamilie im Reusstal einsetzt, die über 50 Hektaren Kulturland unter Wasser setzen würde», schrieb SVP-Grossrat Hagenbuch letztes Jahr. Es sei «nicht akzeptabel, dass eine Minderheit übermässig unter Ideen von sogenannten Umweltschützern leiden muss», hielt er fest.

Dämme bleiben vorerst stehen

Kein Naturschützer habe Freude, wenn Lebensraum von Tieren zerstört werde, entgegnet Johannes Jenny, der Geschäftsführer von Pro Natura Aargau. Doch er kann mit dem Entscheid des Regierungsrats leben. Jenny hatte schon letztes Jahr gesagt, das Reusstal und die Bäche seien für den Biber sehr attraktiv. Er geht davon aus, dass die Nagetiere bald wieder Dämme in der Alten Jone bauen werden.

Vorerst dürfen die Bauern die Bauten der Biber ohnehin nicht entfernen. Der Regierungsrat hat den Abriss bewilligt, bis zum Urteil des Verwaltungsgerichts ist dieser Entscheid aber nicht rechtskräftig. Das Verwaltungsgericht teilt auf Anfrage mit, dass die Beschwerde der Landwirte aufschiebende Wirkung hat, die Dämme also vorerst nicht entfernt werden dürfen. Für das Verfahren gibt es drei mögliche Ausgänge: Das Verwaltungsgericht kann die Dammentfernung ganz verbieten, den Abriss befristet bewilligen, wie es der Regierungsrat tat, oder eine unbefristete Bewilligung erteilen, wie es die Bauern fordern.

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