Unbestritten ist immerhin die Höhe der Schulden: 32'000. Die Schwierigkeiten beginnen bei der Währung, die zwei Männer vor acht Jahren in einer Schuldanerkennung festhielten. 32'000 WIR – nicht Franken – muss demnach der eine dem anderen zurückzahlen. Weil der Schuldner dies nicht tat, reichte der Gläubiger im Februar 2017 beim Bezirksgericht Muri eine Klage ein, mit der er Ersteren zur Zahlung verpflichten lassen wollte. Darin nannte der Kläger den geschuldeten Betrag in Franken. Ein Fehler, wie sich herausstellen sollte. Der Fall aus dem Aargau beschäftigte in der Folge eine Instanz nach der anderen – bis hinauf zum Bundesgericht in Lausanne.

Im Zentrum des Rechtsstreits steht die Frage, ob ein geschuldeter WIR-Betrag auch in Franken eingefordert werden kann oder ob dies nur in der alternativen Währung möglich ist.

Entstanden ist WIR vor über 80 Jahren im Kampf gegen die Folgen der Wirtschaftskrise. Die Idee: Das zinsfreie Zahlungsmittel sollte möglichst rasch wieder in Umlauf gebracht werden. Bis heute bezahlen vor allem kleine und mittlere Unternehmen (KMU) damit. Dabei gilt: Ein WIR hat den Wert eines Frankens. Doch das bedeutet nicht, dass die beiden Währungen in jeder Hinsicht gleichbehandelt werden – wie sich sowohl vor dem Bezirksgericht Muri als auch vor dem Obergericht des Kantons Aargau zeigte. Die Klage, in der die eingeforderten Schulden in Franken angegeben waren, wurde von beiden Instanzen abgelehnt. Der unterlegene Gläubiger versuchte mit einer Beschwerde vor Bundesgericht, den für ihn ungünstigen Entscheid zu kippen. Er argumentierte, Schulden in WIR seien in der gesetzlichen Landeswährung einzuklagen. Deshalb wich er in seiner Klage auf Franken aus.

Rechnung statt Geld für den Beschwerdeführer

Beim obersten Gericht des Landes findet er damit allerdings kein Gehör. Im jüngst veröffentlichten Urteil halten die Bundesrichterinnen fest, bei WIR handle es sich um eine private Geldordnung, Gläubiger könnten wie bei Fremdwährungsschulden nur Leistungen «im vereinbarten Geldzeichen fordern». Demnach dürfen geschuldete Beträge in der Alternativwährung nach Ansicht der höchsten Instanz auch nur in WIR eingeklagt werden. «Der Schuldner muss sich nicht gefallen lassen, zu einer anderen als der geschuldeten Leistung verurteilt zu werden.»

Die Folge, vom Bundesgericht in einem Satz zusammengefasst: «Klagt der Gläubiger auf Zahlung in Schweizer Franken statt in WIR, ist die Klage abzuweisen.» Und so kommt es denn auch, die obersten Richterinnen bestätigen den Entscheid der Vorinstanz und weisen die Beschwerde ab. Statt das ihm geschuldete Geld erhält der Unterlegene nun vorerst eine Rechnung für die Gerichtskosten – in Franken.